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Der Israelit · 1885-08-17 · Heft 65 (17.8.1885) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 65 (17.8.1885)
Date
1885-08-17
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Jahre lang in Paris gearbeitet hatte. Um die Sache kurz zu erzählen, will ich nur mittheilen, dass ich den Mann kommen und Alles einrichten liess. Nun stellte sich heraus, dass er sein Geschäft gar nicht verstand; die Einrichtung und seine Versuche hatten mich über 2000 Rubel gekostet, die verloren waren. — Ebenso bittere Erfahrungen machte ich mit der Weberei. — Auch das Verhalten unserer Glaubensgenossen im Auslande unseren Gewerbetreibenden und Handelsleuten gegenüber lässt oft zu wünschen übrig. So kenne ich einen Mann, der sich von einem jüdischen Commissionär in Odessa ein Verzeichniss der Marktpreise für verschiedene Waaren, wie gesalzene Fische, Mehl, Bohnen u.s.w. einschicken liess. — Es waren darin z. B. gesalzene Fische mit lli Rubel vermerkt. Mein Bekannter bestellte sich daraufhin verschiedene Waaren, die auch kamen, ohne dass eine Rechnung beigelegt war. Später kam diese, aber sie lautete ganz anders als das Verzeichniss: die Fische waren mit 24 Rubel berechnet u. s. w. Viele mir bekannte Kaufleute würden Waaren aus Odessa beziehen, wenn sie nicht zu befürchten hätten,h, in die Hände betrügerischer Unterhändler zu fallen. Ich wende mich deshalb an die „Zionsfreunde“ Odessa’s, ob sie nicht einen der grösseren Geschäftsleute dort veranlassen könnten, die Vermittelung zwischen Odessa und dem heiligen Lande für verschiedene Handelszweige zu übernehmen. So vermittelt das Haus Rothschild in Wien und London die Geldgeschäfte für Jerusalem auch bei der geringfügigsten Summe, nur der heiligen Stadt zu Liebe. Fände sich in Odessa ein solches Haus, -— der Handel Palästina’« würde sich ohne Zweifel sehr heben. Allein ich habe schwache Hoffnung auf solche »Zionsfreunde“ in Fällen, wo mit Thaten und nicht blos mit Worten die Liebe zu Zion gezeigt werden soll. — So erhielt ich kurz vor dem nDD-Feste massenhaft Aufträge aus Europa, OWOt zu besorgen; Geld schickte Keiner ein. Ich begab mich extra nach Jaffa und wählte schöne Ethrogim aus, das that ich dem Handel Palästina'« zu Liebe. Und was erntete ich? Nichts als Kummer und Verdruss. Einen Fall, der mich besonders frappirte, will ich dock erzählen. Unter anderen Käufern befand sick ein geachteter Rabbiner eines kleinen Städtchens, woselbst kein Geschäfts- oder Bankhaus ist, das aber nahe einer sehr grossen Stadt hegt, in welcher sich der Präsident einer der "p'St ’,32TTT--Vereine befindet. An diesen wendete ich mich, mir das Geld zu besorgen. Er that es auch, schickte mir das Geld ein, schrieb aber dazu, ihn mit solchen Angelegenheiten, die nicht im Bereiche der Aufgabe des Vereins liegen zu verschonen. Und wie betrübende Erfahrungen musste der Verleger des , Herr Ben Jehuda mit seinem mit vieler Mühe und vielen Kosten herausgegebenen Buche „Physische Geographie Palästina’«« machen! Das Buch wurde von Warschauer Buchhändlern bestellt, Sendungen gingen dahin ab, aber — es ward Nichts mehr gesehen. — Zwei Vereine in grossen Städten wandten sich an mich mit grossen Aufträgen in Olivenholzarbeiten von dem Vereine Ich bestellte die Arbeiter, diese arbeiteten Tag und Nacht; die Waare wurde abgeschickt, — und bis heute ist kein Pfennig gekommen. Dia Arbeiter hatten sich aber 70 Napoleons ansgeliehen und konnten sie nicht bezahlen; der eine derselben war deshalb genöthigt, wieder in seine Heimath zurückzukehren u. s. w. So könnte ich noch viele Geschichtchen erzählen. — Doch will ich* nicht unerwähnt lassen, dass wir auch das Glück hatten, wahre, treue „Zionsfreunde tt kennen zu lernen. In erster Linie nennen wir Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer in Berlin, dessen Eifer nicht erkaltet, der keine Anstrengung scheut und trotz seines Alters und seiner vielen Arbeiten es nicht unterlässt, Gefälligkeit und Hilfe bei jeder Gelegenheit zu bringen. Wir nennen ferner Herrn Leopold Hamburger in Frankfurt am Main, der seit seiner Reise nach Jerusalem sich die grösste Mühe giebt, für die Waaren Jerusalems und des heiligen Landes ein Absatzgebiet in Deutschland zu schaffen, besonders für Wein, für Olivenholzwaaren, für MM21 f^sn min 'Tab, die in Jerusalem gefertigt sind. Er schichte sogar schon eine neue Traubenpresse und zwei besondere Webestühle hierher. (Fortsetzung folgt) Dcook von David Looi* Wolff, ltagdobvn.

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