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Der Israelit · 1885-08-17 · Heft 65 (17.8.1885) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 65 (17.8.1885)
Date
1885-08-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1118 Familie, die ans Mann, Frau und 4 Kindern bestand, war mir nicht als reich bekannt, und ich druckte einem Freunde meine Verwunderung aus, wie diese Leute den Aufwand einer solchen Reise ertragen können. Daraufhin gab mir mein Freund folgende Aufklärung, hiebei bemerkend, das; die Leute durch diese Reise noch keinen Cent mehr a!S gewöhnlich brauchen, ja sogar noch sparen. Daß der Mann so zum Einkauf nach Europa'geht, mutz natürlich in Betracht gezogen werden, da derselbe seine Spesen demnach ohnehin hat. Die Leute kündigten ihr Haus, halten daher ein halbes Jahr die Miethe erspart, und für diesen Betrag konnten sic bequem ihre Fahrkarten hin und zurück kaufen. Was nun den Gebrauch in Europa betrifft, so kann man dort bekanntlich gelvöhnlich billiger, bei großem Aufwand nicht theurcr als hier leben, und die Reise einer Familie von hier nach Europa, die für den oberflächlichen Beobachter nur der große Zteichthümer Besitzende zu unternehmen vermag, ist sonach nicht so sehr erschwert, wenngleich man natürlich etwas vermögend'sein muß. Allein, auf mein Beispiel zurückkehrend, die Familie die in ihreni kleinen Heimathsort ankömmt wird von allen Seiten bewundert und groß angesehen, die Leute in der Heimarh werden ob des Putzes der Damen u. s. w., den sie gesehen, neidisch und nach kaum 2 Atonalen sehen wir fast ein Dutzend Landsleute der das Vaterland besuchenden Familie, ohne Plan und Ziel, im Hafen von New-Iork landen, um sich auf dieselbe Höhe der als so reich gepriesenen Heimathsgenossen cmporzuschwingen. Das Erste, was ein Thckl dieser Ankömmlinge thun muß, ist mit demselben Dampfer nach Europa zurückzukehreu, da sie nicht genügend Mittel Haben, um landen zu dürfen; die Einwaudernngskommissiou ist streng, und dies mit Recht, da sonst bald ganz Amerika das europäische Armenhaus bilden dürfte. Der übrige Thcil der landsmaunschastlicheu Genossen hat nach harten Entbehrungen endlich sein kümmerliches Auskommen gefunden und kann nun weiter der Hoffnung leben, mit der Zeit vielleicht doch noch ein kleiner Vandcrbilt (bekanntlich der reichste Braun A.'s) zu werden. Dies kleine Beispiel charakterisirt treffend die Vcrhältlliffe, wie sie im Großen obwalten. Was jedoch ferner noch für die Leser dieses Blattes in Betracht kömmt, ist die moralische und religiöse Frage, die sich ganz besonders bei jungen Einwanderern cmfdrängt. steine Eltern oder Vormünder sollten Knaben oder Mädchen in dies Land schicken, ohne daß Verwandte oder Vertrauens würdiger Personen sich ihrer hei der Landung sofort bemächtigten. Die Versuchung ist eine so gewaltige und hiezu sehr oft bei Mädchen die Schwierigkeit, eine Stelle zu finden, eine so große, daß es für die gewissenlosen Verführer in vielen Fällen ein Leichtes ist, arglose Geschöpfe in ihr Retz zu locke». Wohl darren dieser Unholde im Betretnngsfalle schwere Strafen, allein cs kommen solche Fälle doch vor und das genügt zur Warnung. Tie religiöse Frage ist eine nicht minder schwierige und läßt es sich kaum glauben, wie schwer cs ist eine Stelle zu finden, und ganz bes. in größeren Geschäfte», wo nat? und beide Tage o"' geschlossen ist. Was will mm der Unbemittelte, der einmal hier ist, thun? Leider gibt cS sogar Geschäfte, dir durch den Zulauf, den sie (dadurch daß na» geschlossen ist) haben, die Gelegenheit benutzen, billiger zu Arbeitskräften zu kommen. Was diese Art von „Glaubenstreue" werth ist, will ich hier nicht untersuchen, nur zur Kennzeichnung der Verhältnisse die Thatsache cousratiren. Wem es Ernst damit ist, das; seine Kinder oder Mündel einst religiösen Lebenswandel hier führen, der muß sich vorher nmthuu; wenn die junge» Leute hier sind, ist cs zu spät. Aus meiner kurzen Auseinandersetzung möge der Leser ersehen, wie leicht die Auswanderung in Europa und wie schwer die Einwanderung hier zur Zeit sich ausnimmt. Mit Auslassung der religiösen und moralischen Fragen rcsumire ich dahin: Ganz Unbemittelte sollen ebenso wie Kausleute ohne Stelle zur Zeit in Europa bleiben. Handwerker und Dienstboten mögen schon eher ifjt Glück versuchen und Oekonomen sind schließlich die einzige Elasse, die bei Fleiß am Raschesten hier ihre Existenz finden. * Daß diese meine gutgemeinten Auslassungen ans fruchtbaren Boden im Leserkreis dieses Blattes fallen mögen, ist mein herzlichster Wunsch.^ Zeitungsnachrichten und Corresporrdeuzcu. Ocfterr.-Ungar. Monarchie. Pesth. Der rühmlichst bekannte Majolika- Fabrikant zu Budapest, Herr I.Fischer, erhielt am 18. Juli aus Laxenburg von Ihrer Hoheit der Kronprinzessin Stephanie ein kostbares Geschenk eine prachtvolle Busennadel mit Brillanten besetzt, welche den Anfangsbuchstaben „2." darstellen. Durch dieses wcrLhvolte Geschenk bezeugte Ihre Hoheit ihre Erkenntlichkeit für ihr ans Porzellan gemaltes Bild, welches Kronprinz Rudolf bei feinem jüngsten Besuche in der Ausstellung von Herrn Fischer entgegengenommen hat.

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