Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 65 (17.8.1885)
- Date
- 1885-08-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1119 Diese Brillantcnadcl ist gleichzeitig rin Stich für unsere säubern Antisemiten, indem sic sehen, daß ihre Hoheit das Verdienst des Künstlers zu belohnen weiß, ohne Unterschied, welcher .Konfession der Künstler angchört. Italien. Pompeji. Vor einigen Jahren wurde hier ein Bild aufgefnndcn, welches altem Anscheine nach auf das Urtheil Salomonis bezogen werden mußte (ans einem erhöhten Tribunale sitzen drei Richter: vor dem einen hat sich eine Frau um Gnade flehend nicdergeworfen, während ein Soldat mit cmporgchobencnl Hackemesser im Begriff ist, ein Kind ans einem Blocke zu zcrtheilcnl. Die Einwande, welche gegen diese Deutung vorgebracht wurden, stützten sich namentlich darauf, daß für eine so frühe Zeit der Aufenthalt von Juden oder Christen in Pompeji nicht wahrscheinlich sei. Gerade mit Bezug hierauf ist cs interessant zn erfahren, daß von Dr. Mau in einem Triclinium eines pompejanischen Hauses in zwei eingekratztcn Inschriften Sodoma Goraora genannt werden, wodurch die Gegenwart von Christen oder Inden in Pompeji unzweifelhaft bewiesen wird. Frankreich. Paris, 14. August. Der „Paris" schreibt: „Der „Akhbar" meldet uns, daß die Verfolgungen gegen die Israeliten mit größerer Heftigkeit denn je in Algier sortdaucrn. Letzten Sonntag stürzte sich mit den Rufen: „Rieder milden Juden!" eine Bande von Strolchen, Besoffenen und Besessenen ans friedliche französische Bürger, deren einziges Verbrechen ist, Israeliten zu sein, und verfolgte, mißhandelte, schlug sie. Schon im letzten Jnni wurden ähnliche Niederträchtigkeiten begangen; doch gelang es dem Adjunkten des Maires von Algier, einem sehr energischen Mann, die Ordnung wieder herzustcltcn und die sehr bedrohte Existenz der Israeliten zu retten. Man glaubte, daß cs damit abgethan sei, allein jetzt geht es ärger als je wieder los. Hoffen wir, daß Maßregeln getroffen werden, um diesen odiösen, wilden und blöden Verfolgungen, die eine Schniach für ein Land sind, wenn es solche nicht zu unterdrücken weiß, ein für allemal ein Ende zu machen. Angesichts dieser Thatsachen ist eine Delegation von vier israelitischen Notabcln aus Algier hier cingetroffcn, um bei der Regierung zu intervcnireu. Der Conseilspräsidcnt hat dieselben empfangen und ihnen versprochen, ihren gerechten Forderungen Genugthunng zu verschaffen, unter gleichzeitiger Versicherung, daß, wenn diese grausame Verfolgung fortdaure, die strengsten Maßregeln' dagegen ergriffen werden würden. In der That, wenn, man im „Akhbar" die Erzählung der gegen französische Bürger verübten Gewaltthätigkciten, einzig weil sie Juden sind, liest, so fragt man sich, ob sich Solches in einer französischen Besitzung zuträgt und ob wir uns im Jahre 1885 befinden!" England. London? Herr Lioncl L. Cohen wurde von der Regierung zum Mitglied der königlichen Handclscommission ernannt. Nach dem Jahresbericht von 1884 hat das Univcrsith-Collegc-Hospital folgende Gaben von Mitgliedern der verschiedenen Eonfessionen empfangen : Von Anhängern der englischen Kirche 25021 L., von Inden 919 L., von Bckcnncrn der übrigen Eonfessionen 6848 L. Ta die Israeliten den 100. Theil der Bevölkerung Londons bilden, so sind ihre Beiträge verhältnismäßig dreimal so groß als di: der übrigen Eonfessionen. Wenn man bedenkt, daß die Londoner Juden außerdem zur Unterstützung ihrer Armen große Summen aufbringen, so wird man ihrem ausgedehnten Wohlthätigkcitssinu die volle Anerkennung nicht versagen können. Birmingham. Wie die englischen Gerichte Toleranz zu üben verstehen, beweist folgender Fall. Herr I. Jacobs dahier wurde zu den Geschworenen der diesmaligen Assiscu gezogen. Er richtete au den Präsidenten des Geschworenengerichtes das Gesuch, ihn am Samstag ans religiösen Gründen dispensiren zu wollen, was ihm auch bereitwillig gewährt wurde. Rußland. Warschau. Wie eine polnische Zeitung („Dzienuik Büdzki") mittheilt, hat ein jüdischer Fabriksbesitzer, Herr K. Posnanskh die Idee gefaßt, eine Wcbereilehranstalt zu errichten, mit demselben Programm, wie die in Chemnitz jetzt existirende Webereischille, welche von Spccialisten für die vorzüglichste dieser Art anerkannt wird. Wochen-Kalender. , Freitag, 21. August, 10. Elul. Samstag» 22. August. li.Glul. '3 p-0 ,NSn '3 Sabbat-Ausgang 7 Uhr 55 Min. (Mainzer Uhr.)