Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 65 (17.8.1885)
- Date
- 1885-08-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1115 betheiligte, so hat sie es auch bei der für Israel durch das Hinscheiden des edlen Sir allgemeinen Trauer gethan, indem heute hier ein Trauergottesdienst abgehalten wurde. Gleich beim Einlangen der traurigen Hiobspost wurde die Trauerflagge auf dem Gemeindehause aufgehißt und war dort bis nach der Beerdigung. Sonntag wurde die Gemeinde im Tempel auf Anordnung des Vorstandes zu einem öffentlichen Gottesdienste eingeladen, ferner wurde beschlossen, den edlen, großen Todten in das n»«a r,iv-.i-Buch zu verzeichnen und für ewige Zeiten 12» zu sein. Heute Nachmittags strömten die hies. Gemeindemitglieder in großer Zahl in das Gotteshaus, welches schwül dekorirt und hell beleuchtet war. Es wurde ein solenner Gottesdienst abgehalten. Nach Beendigung des nmv-Gebetes bestieg der aus Budapesth eigens dazu berufene tüchtige und bewährte Kanzelredner Herr Rabbiner Simon Kopstein die Kanzel und schilderte in warmen Worten das Lebensbild des großherzigen Dahingeschiedenen. Aus Beresna in Galizien wird berichtet, daß Herr Israel Lahn sich bereit erklärt hat, 20,000 fl. unter der Bedingung für bmvr px zu spenden, daß sich noch mehrere Geber mit ähnlich hohen Beiträgen finden, um dann für das gesammte Kapital eine Fabrik in einer der Städte res p-on d^btv oder mna zu errichten, in der rechtschaffene und fromme jüdische Arbeiter beschäftigt werden sollen. Vorläufig hat Herr L. die. Summe in einer Sparkasse deponirt. Hoffentlich finden sich bald ebenso hochherzige Zionsfreunde wie er. Aie Versuchung. Von Friedrich Rott. V. Er mußte mehrere Stunden geschlafen haben, als Hugo, von einer kleinen weißen Hand berührt, die Augen aufschlug; die kleine Bertha stand an seinem Bette, sie hatte sich auf den Fußspitzen erhoben und schaute mit besorgtem Blick auf den Ruhenden. „Was ist Dir, Hugo, hast Du Schmerzen? Du hast so gemacht, als ob Du weinen wolltest." Er richtete sich hastig auf und fuhr sich mit der Hand über die Stirn; in diesem Moment gedachte er nicht der Ereignisse des Tages, und freundlich nickte er dem lieblichen Kinde zu. „Ich muß lange geschlafen haben; weißt Du nicht, Bertha, wie spät es ist?" „Sieben Uhr vorüber," erwiderte die Kleine, „Mama hat schon die Sabbatlichter angezündet und hat mich heraufgeschickt, daß ich Dir's sage." „Schon angezündet? — da muß ich eilen. Geh nur hinunter, liebes Herzchen, ich komme." Rasch erhob er sich, brachte seine Toilette in Ordnung, verrichtete das Abendgebet und als er es beendet, begab er sich hinunter in das bereits erleuchtete Wohnzimmer, wo er Mutter und Ge-' schwister beisammen traf. „Guten Sabbat!" sprach er grüßend und „guten Sabbat," erwiderte Frau Lewison, indem sie freundlich liebevoll zu ihm aufblickte. Er neigte sich vor ihr, und segnend legte sie die schmale weiße Hand auf sein Haupt. Die hungrigen Kleinen drängten zu Tische, und nachdem sie sich gewaschen, nahmen Alle die gewohnten Plätze ein. In Abwesenheit des Hausherrn lagen auf dem Teller vor dem ältesten Sohne die zwei geflochtenen Brode. Hugo füllte den silbernen Becher mit Wein und sprach wie ain vorhergehenden Sabbat mit lauter volltönender Stimme das Kidduschgebet. Aufmerksam lauschten Mutter und Geschwister seinen Worten, als er plötzlich stockte; wie Schauer durchzuckte es ihn, seine Hände bebten und verschütteten einen Theil des Weines. Aengstlich blickten die Geschwister zu ihm auf, voll zärtlicher Theilnahme die Mutter; sie glaubte, seine Erregung zu verstehen, wähnte, die Erinnerung an das schwere Opfer, das er der Heiligung des Sabbats gebracht, habe ihn übermannt, und es war doch nur der Gedanke, wie er fortan den Sabbat entweihen wollte, der ihn überwältigt hatte. Frau Lewison legte ihre Hand auf die des Sohnes und drückte sie leise. Hastig richtete er sich stramm auf, brachte flüsternd den Segensspruch zu Ende und stürzte dann in einem Zuge den Wern hinunter. Wie Feuer rollte es durch seine Adern; er fühlte sich neu belebt. Dann schnitt er das eine der Brode an, aß davon und reichte auch der Mutter und den Geschwistern.