Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 65 (17.8.1885)
- Date
- 1885-08-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1112 der geringen Anzahl der Normalwörter ist deren Wahl dennoch eme überaus zweckentsprechende, den Unterricht erleichternde, was sich unter anderem auch aus der Reihenfolge ergiebt, in welcher die Vocale o, a, u, au, ö, ü und an aufeinander folgen. Aus dem Umstande, daß jede Wörtergrnppe nach einem Normalworte sämmtliche in den voraugegangenen Wörtern bereits vorgckommenen Buchstaben enthält, erwächst der Vortheil, daß ein Kind bei längerem Fehlen in der ersten Hälfte des Semesters ohne große Anstrengung die durch das Fehlen entstandene Lücke ausfüllen kann, und nicht gezwungen ist, ein halbes oder ein ganzes Jahr zu verlieren. Durch praktische Anordnung des Fibelstoffes, sowie durch geeignete Sätzchen, am gehörigen Orte, die zu Abschriften nnd Dictaten gut verwendet werden können, bekommt das Kind Sicherheit im Lesen und eine feste Grundlage in der Orthographie. Die Lesestücke sind belehrend und anregend und haben für das Kind einen bleibenden Werth. Im Uebrigen weisen wir für das Weitere auf die Anzeige im Annoncenthcil. Zeitungsnachrichten und Correspondenzcn. Deutschland. Stuttgart, 6, August. Die Plenarversammlung des israelitischen Lehrcrunterstützungsvercins und die daran sich anschließende freiwillige Konferenz wurde am 5. d. in Stuttgart im „Gasthof zum goldenen Laub" (Eisig) unter Leitung des Bcrcinsvorstands, Oberlehrer L i e b m a n n, abgehalten. Letzterer feierte vor wenigen Tagen in ungeschwächter Körper- und Geistesfrische seinen 80. Geburtstag, anläßlich dessen ihm, dem „Lehrer der Lehrer", dem „Begründer und Förderer des Vereins", seitens der Versammlung die herzlichsten Glückwünsche dargebracht und von dem leider durch Krankheit abwesenden Oberlehrer Elsäßer (Laupheim) ein sinniges Poem gewidmet wurden. Nachdem der Vorsitzende die Versammlung, zu welcher etwa ein Drittel der Vereinsmitglieder erschienen war, begrüßt und des im Januar 1884 Heimgegangenen verdienstvollen Ausschußmitglieds, Lehrer Löweust ein (Heilbronn), in ehrenden Worten gedacht hatte, erstattete zunächst der Kassier des Vereins, Oberlehrer Stern (Eßlingen), den finanziellen Bericht über das Rechnungsjahr 1884/85. Hienach betragen die laufenden Einnahmen 2774 M., die laufenden Ansgaben 1196 M., das Gesammtvcrmögcu auf 1. April 1885 27,989 M. 81 Pf. Unterstützungen au Wsttwen und Waisen werden auch hu laufenden Jahre in der Höhe von etwa 1000 M. zur Vertheiluug gelangen. So ist das zarte Pflänzchen, das Anfangs der 60er Jahre von einige» Wenigen mit banger Scheu in die Welt gesetzt wurde, im Laufe der Jahre treu gehegt und gepflegt, zu einem stattlichen Baume herangewachsen! Der Vereinsvorstand hielt rmn eine» Vortrag über „die Erziehung uud de» Unterricht bei den Israeliten in Deutschland mit geschichtlichen Streiflichtern von 1000 — 15(K) d. g. Ztr". Es war das die düstere Zeit des Mittelalters, die für die Juden so traurige und vcrhängnißvolle Zeit der Kreuzzüge, des sog. schwarzen Todes, der Inquisition, der Verfolgungen aller Art, in welcher alles geistige Licht zu erlöschen drohte. Aber dennoch waren die Juden nicht ohne geistige Thätigkeit: von Entwickelung des Schulwesens, von Errichtung von Schulen nach Art der Orientalen, von Abfassung größerer wissenschaftlicher Werke n. s. w. konnte zwar in dieser trüben Zeit kaum die Rede sein; aber der Unterricht in Bibel und Talmud durste nicht vernachlässigt werden, die Elementarschulen und Elementarlehrer wurden durch das Eheder, die Hausschule, und durch den Dachur, den Hauslehrer, ersetzt. Durch ihren eigenen Schatz von Kenntnisien, welche Bibel und talmudische Schriften darboten, und durch die Befriedigung, welche ihnen die Rcligionsübung gewährte, fristeten die Inder: in jener Zeit ihr geistiges Leben rmd übten manchen Einfluß auf den Gang der Wigcnschasten. Vor 70 Jahren gab es in Württemberg iwch keine israel. Schulen, sondern nur Cheders, und die „privatissime" angestellten Bachurs bezogen auch kernen Gehalt. Die erste israel. Schicke in Württemberg war die in Nordstetten (1822) unter Lehrer Lieb mann, mrserem jetzigen Vereinsvorstande, die dritte die in dem hohenzoller'- schen Hechingen <1825) unter Lehrer Eppstein. Und was damals der verstorbene Buchhändler Heß in Ellwaugeu für die Emancipation der Juden, für Errichtung von israel. Bckdnngsanstalten und für die Entwicklung des israel. Schulwesens überhaupt gethan und gewirkt — der Redner hat das in seinen Vorträge des Näheren ausgeführt — wird ewig in Erinnerung bleiben! — Endlich berichtete der Ausschuß über eine Eingabe desselben an die K. isr. Oberkirchenbehörde dom 30. April ds. Js., worin darüber VorstMmgen erhoben werden, daß mehrere erledigte Vorsängcrstellcn (Heilbronn, Göppingen, Stuttgart) eutgegen dem Gesetze vom 25. April 1828 blich prMsorffch besetzt, das Provisorimn immer wieder verlängert wurde uud die An-