Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 64 (13.8.1885)
- Date
- 1885-08-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1098 Die konfessionelle Ansscheidung ergibt für 1884: 21,128 Katholiken, 2959 Protestanten, 459 Israeliten, 86 andere, nach Procentcn 86 Katholiken, 12 Protestanten, 2 Israeliten in ziemlicher Uebercinstimmung mit der Allsscheidung der GesammteilNoohnerschaft nach der Zählung von 1880. Ilebrigens ist der Prozentsatz der katholischen Schulkinder seit 1875 von 89 aus 86 zurückgegaugen, jener der Protestanten dagegen von 9 auf 12 gestiegen. Die drei protestantischen Konfessionsschnlen waren gar nicht von Katholiken besucht, wohl aber von 54 Israeliten, die katholischen Konfcssionsschulen außer von Katholiken mich von 52 Protestanten und 249 Israeliten, die Simultanschnlen von 2328 Katholiken, 650 Protestanten und 156 Israeliten. Berlin. Der Großvater unserer Prinzessin Friedrich Earl, Herzog Leopold von Dessau, war ein überaus beliebter und trotz vieler Eigenheiten jovialer Landesvater. Unrecht haßte er, wiewohl man ihni rechtsstaatliche Anwandlungen selten znm Vorwurf machen konnte. Er war in speeis ein entschiedener Gegner der sich an den kleinen Fürstenhöfen breit machenden Geringschätzung des Bürgerthnms und kannte keinen Unterschied der Konfession. Eines Tages ließ er sich einen armen aber stets gern gesehenen Inden rufen, um ihn über die Vorgänge in der „kreuzbraven Stadt Dessau" zu befragen. „Modche," sagte der fürsorgliche Landesvater, „als ich heute früh durch die Stadt geritten bin, roochte es bei alten Inden; was war denn los?" „Wir feiern das Purimfest, das Losungsfest, Durchlaucht," antwortete der Gefragte. „Aha. die Erinnerung an Deinen Stamuivater Modche (Mardcchai) und an Haman; da wundert es mich aber, daß es bei Dir, Modche, nicht geroocht hat." „Hoheit! die Zeiten sind schwer; man kann nicht wie man möchte." „So, Modche; es fehlt amNothwendigsten?" Nach einer Pause befahl der Herzog, dessen sprichwörtliche Giktmüthigkeit freilich selten die eigene Schatulle angestrengt hatte: „Ich brauche grünen Stoff für meinen Leibjüger; gehe zum Händler N. (ein als Antisemit bekannter Schnittwaarenhändlcr) und laß Dir Muster geben. Darfst aber mcht sagen, daß ich den Stoff brauche." „Wo denken Sie hin, Hoheit! Der N. verkauft nicht einmal einem armen Juden; er wird sich hüten, mir Waarenproben zu geben, der wirft mich hinaus," jammerte Modche. Der Herzog war jedoch unerbittlich. Er befahl nur: „Modche, das laß meine Sorge sein, und loof." Klopfenden Herzens betrat der Abgesandte des Herzogs die Höhle des Löwen; bevor er das Geschäftslokal betreten, sah er sich das Trottoir vor demselben genau an, um zu prüfen, ob er noch auf andere Gegenstände, als Steine fallen könnte. Gesagt, gethan. Bevor Modche richtig vor dem Tnchhändler B. gestanden, flog er schon zur Thür wieder hinaus und-auf den ein* tretenden Herzog Leopold. Hoheit waren darob scheinbar höchlichst entrüstet. „Was, Du erlaubst Dir mit meinen Bürgern so umzugehen? Himmel Donnncrwetter! Gleich entschädigst Du den armen Juden mit zehn Thalern", befahl der Autokrat in barschem Tone. Der Tuchhändler B. war zwar wüthend über dieses Ansinnen, aber er that, wie ihm befohlen. Der Herzog nahm das Geld und überreichte es dem bestürzten Modche mit den Worten : „Da hast Du Modche: geh' nach Haufe und laß' ooch roocheu." (B. Tgbl.) Frankreich. Paris. Herr Dr. Javal wurde zum Mitgliede der medizinischen Akademie gewählt. Frau Bischofsheim hat drei verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten 50000 Fr. geschenkt. Paris. Im Lyceum Chürlemagne wurde während des ganzen Jahres keine Composition auf Samstag anberaumt, weil inan wußte, daß mehrere isr. Schüler, die an diesem Tage nicht schreiben, nicht daran Theil nehmen könnten. Feuilleton. Aus Zernsakem. Bon A. Grünebaum. (Schluß.) Dieser Bau ist ein Monument für alle Zeiten, man glaubt ein Festungswerk der stärksten Art zu sehen, wenn man dieses sehr hohe Gebäude, aus lauter großen Quadersteinen aufgeführt, erblickt. Die Mauern enthalten keinerlei Fenster oder sonstige Oeffnungen, durch welche man einen Einblick in das Innere gewinnen könnte. Nur an eine bestimmte Stelle der Mauer dürfen die Juden hingehen, um ihr Gebet zu verrichten, dagegen darf selbst, in den Hof Niemand eiutreten, in dem eine Moschee ist, worin ein Licht, das man von oben herabläßt, unterhalten wird. Wie die Sage geht und auch schon Architekten festgestellt haben, rührt der untere Theil des Außenbaues von König Salomon her. Eine regelrechte Wache ist nicht da, doch sitzen zu jeder Zeit viele Mohammedaner dort, und man