Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 64 (13.8.1885)
- Date
- 1885-08-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXVI. Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 64 des Israelit. Leitender Artikel. Amerikanische Miefe. VIII. sD New-Aork, 29. Juli. Der Tod des größten Philautropeu unsres Jahrhunderts, des größten und wärmste» Anhängers des Judenthums, der gestern telegraphisch hichcr gemeldet wurde, hat sowohl in hiesiger Stadt wie im ganzen Lande (wie die telegraphischen, einlausenden Berichte zeigen) bei Anhängern aller Rcligionsklasieu die aufrichtigste und schmerzlichste Theilnahme hervorgcrufeu. Alte heutigen Morgcnblätter, ob deutsch oder englisch, widnren dem Dahingeschicdeneu lange Artikel und ganz besonders das hervorragendste deutsche Organ Amerikas, die„New-Z-orkerStaats- Zeitung", ehrt ihn durch einen ebenso sympathischen wie ehrenvollen Nachruf. Daß bei diesen Nachrufen die lobende Hervorhebung des streng-religiösen Lebenswandels und der einzig dastehenden Liebe Moutcfiore's buYt zum heiligen Lande mangelt, ist erklärlich; für die politischen Blätter kömmt auch nur der Philanthrop und Mensch, dem für seine Brüder kein Opfer zu schwer war, in Betracht. Nicht so für uns. Diese Blätter haben lange bevor meine Zeilen den Ozean überschritten haben, dem Andenken des großen Mannes den gebührenden Tribut gezollt, und ich will <ln dieser Stelle nur hervorheben, daß unter den Glanbensgenoffen dieser Stadt und des Landes, gleichviel welcher Schattirung sie angehören, das einmüthige Verlangen hervorgebracht wird, daß auch hier nichts unterlassen werden möge, um dem „wackersten Erdenbürger" dieses Jahrhunderts den schuldigen Tribut auch im Tode zu zollen. Auf die bevorstehenden Ehrenbezeigungen komme ich seiner Zeit des Nähern zurück. ' In Pittsburg sprach am 4.Juli zur Feier der Unabhängigkeitserklärung Amcrika's ein dortiger Pastor im Neformtempel. Der Rabbiner der Gemeinde hatte seinen Eollegen dazu aufgefordert. Es wird immer schöner im Lande der Rabbinerfreiheit, und es ist nur die Frage, wie lange diese Zustände noch haltbar sind. Das „Entweder- Oder" tritt immer schärfer hervor. Nachdem die vor einigen Wochen in St. Louis tagende Conferenz der „jüdischen Congregationen Amerikas" (über die ich wegen der Unwichtigkeit nicht eingehender berichte, umsoweniger als der größte Thcil der großen jüdischen Ecntren gar nicht vertreten) den Plan eines einheitlichen Eolonisationsschema's nicderstimmte, hat sich im Anschluß an diese Eoufcrenz eine „jüdische (Farmers) Landwirths- Association" gebildet. Die Association soll frei von gemeindlichen und rabbinischen (Bravo!) Einflüssen sein und strikte nach Geschäftsprincipien handeln. In allen Preisen, welche einer derartigen Idee freundlich znstimmcn, muß die Gründung dieser Gesellschaft mit vielem Wohlgefallen ausgenommen werden und, nachdem die vorbereitenden Schritte erledigt sind, wird Anfangs nächsten Jahres eine Versammlung hier stattfindcn, um Weiteres zu beschließen. Es ist zu hoffen, daß bis dahin die Städte, die in St. Louis nicht vertreten waren, dem Unternehmen beitreten. Das Ueberhanduehmen der Herrschaft des Dr. Wisc von Eincinatti hat bekanntlich New-Z)orker und viele andere Gemeinden von der Gemeinde-Versammlung in St. Louis ferngehalten; da man aber Dr. Wise bei der neuen Gründung deutlich zeigte, daß seine geheiligte Person dieselbe nicht zum Tummelplatz seiner Pläne machen kann, so fällt der Grund der Fernhaltung für die New-Aorker und deren Anhänger weg. Möge aus der neuen Association recht viel Ersprießliches hcrvorkonnnen. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. D e u.t s ch l a n d. München. Das statistische Bureau der Stadt München veröffentlicht seit zehn Jahren regelmäßig eingehende Berichte über den Besuch der dortigen Volksschulen, die reine Gcmeindeanstatten sind. Ans dem jüngsten Berichte, der zunächst das vom Oktober 1.883 bis Anfang August 1884 währende Schuljahr 1884 umfaßt, entnehnien wir einige auch für weitere Kreise interessante Angaben. Die Zahl der Schulen war zwanzig, davon fünfzehn katholische und drei protestantische Konfessionsschulen mit Zwangsbezirkcn, dann zwei Simnltanschulen ohne Bezirkszutheilnng, also mit völlig freiwilligem Eintritte. Die Zahl der Schüler betrug am Jahresanfänge 24,805, am Schluffe 24,582 (11,966 Knaben und 12,616 Mädcken), während sie zehn Jahre früher noch nicht volle 17,000 erreichte.