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Der Israelit · 1885-08-13 · Heft 64 (13.8.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 64 (13.8.1885)
Date
1885-08-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1099 darf zufrieden sein, wenn man, ohne Steinwürfe zn erhalten, sein Gebet verrichtet hat. lieber das Innere des Gebäudes und der Höhle, wo die eigentlichen Gräber sind, existiren die widersprechendsten Sagen und Beschreibungen, denen aber nur wenig Glauben beizumeffen ist, weil schon seit Jahrhunderten das Innere der Höhle von Niemanden gesehen worden ist. Wir gingen nach Einbruch der Nacht mit einer Anzahl Gemeinde-Mitglieder nach der hl. Stätte, um gemeinsam Gebete zu verrichten, da dies der Vorabend der Jubiläumsfeier des Herrn I. A. Noos ans Amsterdam war. Es wurden ihm '2 •paer gemacht, wie auch den Pckidim, den Nabbincn Deutschlands und den edlen Gebern. . Wir besichtigten in Hebron ferner: 2 sehr große Teiche (ähnlich den Salomonischen), von denen aber behauptet wird, das; sie schon zu König Davids Zeiten bestanden und identisch seien mit dem Teich zu Hebron, an dem König David die Mörder des Jschboseth hinrichten ließ. — Wir besuchten die Grabstätte des Abner Sohnes Ner, welche an 4 Meter lang ist, dann die außerhalb der Stadt ans dem Wege zu dem uralten Friedhöfe, auf einem ziemlich - steilen Berge gelegene Grabstätte Jsai's, David's Vater, und das Grab der Ruth, von denen allerdings nur Maucröffnungcn sichtbar sind. — Die jüdischen Verhältnisse liegen dort im Allgemeinen nicht viel besser als in Jerusalem, nur ist mehr Sinn der Zusammengehörigkeit da , dagegen ist der Unterricht in den Schulen viel weiter zurück als in Jerusalem. — Man ersuchte uns, besonders dafür zu wirken, daß ein Arzt hinkäme, da ärztliche Hilfe gar nicht vorhanden ist, 1\.i des Gehaltes wolle man dort aufbringen. Herr Rabbiner Dr. Adler aus London, der nach uns die Stadt besuchte, sah diese Nothwendigkeit auch ein und wird wohl die Sache in Angriff nehmen. Dienstag den 23. Dezember ritten wir, von vielen unsrer Brüder bis vor die Stadt begleitet, zurück nach Jerusalem. Ungefähr l Stunde von Hebron bogen wir vom Wege ab, um das „Haus Mamreh" (Esche! Abraham) 311 besuchen; cs ist ein ziemlich großer Platz, mit Mauerresten umgeben, deren Steine unbehauen und von erstaunlicher Größe und Stärke sind; hier befindet sich auch eine noch sehr gut erhaltene, künstlich gebaute Cisterne. Die Sage bezeichnet diesen Ort als denjenigen, wo unser Erzvater Abraham die Engel empfangen hat. Gegen 1 Uhr Mittag trafen wir auf die Grabstätte unsrer Mutter Nahel, wo etwa 80 der angesehensten Männer Jerusalems versammelt waren, um den schon erwähnten Jubiläumstag des Herrn I. A. Noos durch eigens für diesen Zweck verfaßtes Gebet und paffende Vorträge zu feiern. Wir betraten mit heiliger Scheu den Raum, wo unsere Mutter Rachel ruht. Früher war diese Stätte nur durch einen kleinen Stein bezeichnet, vor nun schon ca. 40 Jahren aber ließ der edle Sir Moses Montesiore eine Halle darüber ausfnhrcn. Im Inneren des kleinen Gewölbes befindet sich der Sarkophag, der über und über mit Namen der Besucher bedeckt ist. Nach Beendigung der gottesdienstlichen Vorträge ergriff der rühmlich'st bekannte iwbx c:n Wn"o das Wort und schilderte in hebräischer Sprache, mit beredten Worten, die Thätigkcit dcS Jubilars, sowie die Opkerwilligkeit der edlen Spender. Nach ihm sprach 'i V'Y'rV'E p ein in Jerusalem geborener, bedeutender Gelehrter. Derselbe entwickelte riw'iri in sehr geläufiger Weise. Die Feierlichkeit war zn Ende und wir kehrten nach Jerusalem zurück. — Dort verfolgten wir uuser Reiseziel weiter, ohne aber zum Abschlüsse zu kommen. Leider hat auch bis heute das Hospital noch nicht die Ncgierungsgeuehmigung zur Eröffnung, aber wenn auch dies der Fall wäre, so fehlt noch die Hauptsache: die Mittel. Ich wiederhole daher meinen schon Eingangs erhobenen Mahnruf, daß cs Pflicht eines jeden fühlenden Jehudi sei, unsere in Elend und Nolh lebenden Brüder nach Kräften zu unterstützen; denn gegenüber allen phrasenhaften, abfälligen Urthcilen über die ilnterstützung dieser bedanernswcrthcn Menschen, hebe ich nachdrücklich hervor, daß ohne dieselbe manche, ja viele Hungers sterben müßten, und daß man an Ort und Stelle gewesen sein muß, um die Genügsamkeit dieser Leute anznerkennen. Nur selbstlose Idealität kann einen Menschen zwingen, so schwer zu darben, um nur auf heiligem Boden leben zu können. Es gereicht mir zur größten Befriedigung, durch meine persönliche Kenntnißnahme im Stande zu sein, falschen Urthcilen cntgegcnzntrcten und durch diese Zeilen recht viele der.Leser Ihres geschätzten Blattes darüber zu beruhigen, daß die Gaben, die über Amsterdam gehen, die beste Verwendung finden, und dadurch sowohl sie als auch noch recht viele edle Menschenfreunde zn regelmäßigen und ansehnlichen Unterstützungen zu bewegen, indem ich hoffe und wünsche,'daß die Zeit, in welcher eine Schilderung von Jerusalem und seinen Bewohnern uns mit Freude erfüllen wird, nicht mehr fern sein möge, jdk \ -

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