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Der Israelit · 1885-08-13 · Heft 64 (13.8.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 64 (13.8.1885)
Date
1885-08-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1091 lehrern, durch öffentliche Belehrung die Gemüther in der Gemeinde für den Gegenstand zu erwärmen. Unerklärlich bleibt es darum, daß sehr viele Seelsorger die an sie gerichtete Aufforderung noch nicht berücksichtigt, ja einer Antwort nicht gewürdigt haben. Wer ist cs denn foult, wenn sie den Beruf dazu nicht in sich fühlen? Wir appelliren im Namen des Vereinsvorstandes an die hochwürdigen Gemeindcführer und bitten sie dringend, das Versäumte möglichst rasch nächzuholen. Je mehr Mitglieder dem Vereine zugeführt werden, desto mehr wachsen seine Kräfte und die Fähigkeit, dem gesteckten Ziele znzustcucrn. Die Antwort ist an den Schriftführer Martin Fränke l, Breslau, Schwcrtstraße 5 a, zu richten. Pose«, im August. Heute — Donnerstag — wurde in der „Neuen Betschule" ein feierlicher Traucrgottesdienst für den Hingeschiedenen Sir Moses Montefiore abgehalten, dem außer dem in eorpora erschienenen Gemeindevorstande ein zahlreiches Publicum beiwohnte, so daß die Synagoge dicht gefüllt war. Die Feier begann mit dem Minchagebete. Nachdem hierauf der Cantor Schnittkin den Psalm orDD in erhebender Weise rccitirt hatte, trat Herr Rabbiner Dr. Fcilchenfeld vor die heilige Lade und hielt eine fast einstündige, ergreifende und begeisternde Predigt, worin er ein Lebensbild des Verewigten entrollte, dessen unsterbliche Verdienste um seine leidenden Glaubensgenossen er hervorhob und ihn als Vorbild für Mit- und Nachwelt hinstellte. Anknüpfend an die talmudische Legende, daß bei dem Tode Nabba's und R. Joscph's die Ufer des Euphrat, bei dem Tode Abai's und Naba's die User des Tigris sich in gewaltiger Erschütterung berührt hätten — sagte der Redner, daß auch jetzt die Ufer des Ozeans sich berühren, da beide Hcmisphären gemeinsam seien in der Trauer um den großen Dahingeschiedenen. Er schilderte seine Eigenschaften als Mensch und als Jude, hob namentlich hervor, daß eines seiner vorzüglichsten Verdienste darin bestehe, durch seine unermüdliche Thätigkeit das Mitgefühl für die leidenden und mißhandelten Glaubensgenossen angeregt zu haben, indem er durch sein Beispiel gezeigt habe, wie opferfreudig, hingebend und thatkräftig man sein müsse, um ein edles Werk auszusühren, und daß es nicht genüge, bei der Nachricht von den Leiden der Unterdrückten nur zu seufzen. Zum Schluffe erinnerte der Redner, wir seien dem Herrn Dank schuldig, daß er uns so lange diesen Mann geschenkt, auf den ganz Israel mit Stolz und Bewunderung , hingeblickt; das Andenken desselben sei aber hauptsächlich dadurch zu ehren, daß man in seinem Sinne fortfahre, für die leidenden Glaubensgenossen zu wirken, vorerst aber dadurch, daß man das große Werk ausführe, das man an seinem hundertsten Geburtstage zu stiften beschlossen, nämlich die Errichtung eines Montefiore- Hauses in Jerusalem. Nach der Predigt stimmte Herr Eantor Schnittkin noch die Psalmen uw »d 'n ■frruo und -©ns ’jn 'n an, worauf der Herr Rabbiner noch ein ergreifendes Gebet sprach. Ein crcm 'n und das beschloß die ernste Feier. Wchmüthig erinnern sich noch viele ältere Personen der Anwesenheit Montcfiore's und seiner Gemahlin au hiesigem Orte, an dem er bei seiner Rückkehr aus Rußland im Jahre 1846 einen Sabbat abhielt. Schon damals brachte man ihm allseitig Liebe und Verehrung entgegen und die hiesige Gemeinde ehrte ihn durch Ueberreichung eines von dem verewigten V'si nc^ 'i verfaßten Begrüßungsgedichtcs in hebräischer und deutscher Sprache, das in geschmackvoller Ausführung gedruckt war. Er besuchte damals die alte Betschule und erkundigte sich thcilnchmcnd nach den Verhältnissen unserer altchrwnrdigen Gemeinde. Mit Montefiore endet ein Stück jüdischer Geschichte, in welcher ihm ein goldenes Blatt gebührt. O e st e r r.- Ungar. Monarchie. Wie». Gegenüber vielfachen Reclamationcn constatkren wir, daß, als das Gesetz über die Sonntagsruhe im Abgcordnetcnhanse geschaffen wurde, Dr. Bloch noch nicht Dcputirter von Kolomca war. Wir wollen damit nicht der Meinung Raum geben, daß er, falls er an der Bcrathung dieses Gesetzes theilgcnommeu hätte, durch seinen Einfluß die eingetretcnen Ucbclftände hätte abwchren können. Allein zweifellos hätte er den Versuch nicht unterlassen, auf die eigenartigen Verhältnisse Galiziens und der Bukowina hinzuwciscn und vor den schlimmen Folgen zu warnen. Nunmehr bleibt der jüd. Bevölkerung kein anderes Mittel, als durch zahlreiche Petitionen die hohe Negierung zu einer milderen und entsprechenden Handhabung des Gesetzes zu bewege». An bcu Abgeordneten Dr. Bloch sind bereits mehrere Petitionen in dieser Angelegenheit übersendet worden, um sie der hohen Regierung zu überreichen. Allein es ist wichtig, daß in sämmtlichen Städten Galiziens und der Bukowina solche Petitionen unterfertigt und der Negierung überreicht werden. Zweifellos wird die Angelegenheit auch im Neichsrath zur Sprache kommen. Die Lemberger

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