Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 64 (13.8.1885)
- Date
- 1885-08-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1090 Körper zu befähigen, ein Werkzeug der unsterblichen Seele zu sein zur Erlangung der höchsten geistigen Güter; wer aber die irdischen Genüsse als Selbstzweck betrachtet, der fördert sein wahrhaftes Heil nicht, der zieht sich nur üble Folgen zu. non nmn naa nmo „Wer das Fleisch vermehrt. vermehrt die Würmer." Wer seine Tage damit zubringt, Vergnügungen nachzugehen, köstliche Speisen zu essen und wohlschmeckende Getränke zu trinken, und denkt, dadurch seinen Körper stark und gesund zu machen und sein Leben zu verlängern, wer da meint, durch cm Leben voll Annehmlichkeiten den Körper zu kräftigen, daß er lange Zeit ausdanere, der irrt in seiner Annahme. Nicht sein Leben verlängert er dadurch; nur die Würmer vermehrt er. — Nach der Auffassung der meisten Erklärer beziehen sich die Worte non ronc, „er vermehrt die Würmer," auf die Zeit nach dem Tode, da der Mensch im Grabe ruht, sein 'Leib in Verwesung übergeht und ein Fraß der Würmer wird. In Bezug darauf ist die Bemerkung gemacht worden, daß es dem Menschen ja gleichgiltig sein kann, ob sein Körper unversehrt tut Grabe ruht oder der Auflösung durch den Fraß der Würmer eutgegengeht. Daher lehren Andere, daß sich der Ausspruch Hmels auf die Zeit bezieht, die nach erfolgtem Tode dem Begräbnisse vorangeht, nach dem Äusspruche unserer Weisen im Traktat Sabbat f. 153 a. non nap •rin m cnoD „So lange der Leib noch nicht Ruhe im Grabe gefunden, empfindet die unsterbliche Seele schmerzlich den Verfall ihrer bisherigen Wohnung." (Vergleiche Toßaphoth Jvm Tob zu nuferer Mischna). Hartwig Wessely dagegen erklärt, daß der Ausspruch Hillels sich nicht auf die Zeit nach dem Tode, sondern während des Lebens bezieht, und stimmt hierbei merkwürdiger Weise genau mit den Ergebnissen der modernen mediciuischen Wissenschaft überein. Bekanntlich findet diese letztere die Ursachen der meisten inneren Krankheiten in kleinen, dem bloßen Auge unbemerkbareu Jnfnsionsthierchcn, Baccillcn rc., und diese, wenn sie nicht durch Ansteckung übertragen werden, bilden sich am ehesten durch zu gute, zu kräftige Nahrung m Verbindung mit zu geringem Stoffwechsel. Der Mensch, der zu gut lebt und zu wenig arbeitet, gleicht den Kühen von Baschan und den Kälbern auf der Mast. Viele bösartige Krankheiten kommen über ihn und in seinen Eingeweide» entsteht allerlei Gewürm, das am Ende zur Auflösung des Organismus führt. Latz dich daher nicht verleiten, den Zweck deines Lebens im Wohlleben zu suchen und zu finden. Nicht allein, daß dir dadurch der Weg zur ewigen Wahrheit abgefchritteü wich, auch dein körperliches Wohlbefinden wird dadurch geschädigt. Die meisten Menschen sterben in der Blüthe ihrer Jahre durch das Uebermatz in Speise und Trank; die zuviel genossenen Tafelfreuden raffen unzählige Menschen hinweg, und der Krug, sagt Abraham a St. Clara, richtet mehr hin als der Krieg. — Wer ausschließlich oder auch nur vorzugsweise nach irdischen Genüssen strebt, ist nicht allein verloren für alles höhere Streben, verliert nicht allein den Weg zum wahrhaften Heile, auch das, um was er mit allen Kräfte» ringt, des Körpers Wohlbefinden, Gesundheit und Kraft erreicht er nicht. Die Fülle des Fleisches birgt in sich den Keim der Auflösung. Wohl dem, der das bedenkt und nicht irdischen Genüssen, sondern geistige» Gütern nachstrebt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschlands Breslan, im August. Die Creirung des Vereins Schomre Sabbat war vornehmlich in gegenwärtiger Zeit ein dringendes Bedürfniß. Schon die zahlreichen Kundgebungen, welche nach Versendung des Prospekts von Rabbinern, Lehrern und Geschäftsleuten eiugingeu und die lebhafteste Sympathie für die Sache äußerten, zeugen unverkennbar für die Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit des hochwichtigen Vereins. Die Schwierigkeiten, deneu junge Männer bei ihrer Berufswahl ausgesetzt sind, werden immer größer, undnurmitäußerftcrSelbstverläugnung gelingt es ihnen, dem Eonflicte zwischen der Lehre und dem Leben auszuweichen. Wir erleben es täglich, daß stellensuchende Jünglinge in religiöser Hinsicht schwankend werden und in der Stunde der Versuchung das Sabbatgesetz über den Haufen werfen.— Wir können nicht umhin, hier nochmals der Freude über den nencrwachten Geist und seine Bestrebungen Ausdruck zu geben und wünschen, daß dem Vereine v"u? immer mehr Genossen und Freunde beitreten. Es ist sehr erhebend, daß Israel trotz vielfacher Zerklüftung noch nicht verwaist dasteht, daß wackere, überzeuguvgstreue Männer sich zur That anfraffen, in den Riß treten und für Regenerirung der Religion wirken. In erster Linie verdient es aber der Sabbat, daß chm sein altes Recht werde. Darüber sollten unseres Erachtens alle Parteien einig sein. Wo es sich chun läßt, sollten die Gesetzestreuen sich verbinden und zweckentsprechende Comitbs bilden. Ganz besonders obliegt esdenRabbinernundReligions-