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Der Israelit · 1885-08-13 · Heft 64 (13.8.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 64 (13.8.1885)
Date
1885-08-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVL Jahrgang. _ Jfe E i n Henlrak - Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegebcn von l>r. Lehmann in Mairrz. Donnerstag, den 13. August 5645 (1885). Leitender Artikel. Aie Sprüche der Wüter. Bobruisk, 10. August. Der Ausspruch Hillels, zu dem er sich veranlaßt fühlte, als er den auf bcnt Wasser schwimmenden Schädel erblickte, wird von den meisten Erklärer» als Einleitung zu der nun folgenden Mifchna aufgefaßt. Der Grundgedanke jenes Ausspruches ist, daß die göttliche Gerechtigkeit auf Erden waltet, daß der Mensch eine Vergeltung seiner Thatcn zu erwarten hat, daß es keinen Zufall gibt, daß vielmehr die göttliche Vorsehung Alles lenkt und leitet. Es ist demnach jeder Mensch, wie das Sprüchwort sagt, seines eigenen Glückes Schmied, und was ihm zu Theil wird ist nichts als die Frucht seiner eigenen Thaten. Und wenn uns die tägliche Erfahrung das Gegentheil zu lehren scheint, wenn wir sehen, daß gute, fromme und edle Menschen in Roth und Elend gerathen, in Armuth und Krankheit schmachten,. während vielfach die Schlechten und Bösen mit Glücksgütern überhäuft werden, in Gesundheit und Kraft die Freuden des Lebens genießen, so lehrt uns die nun folgende Mifchna, daß nicht jene Aenßerlichkeiten das wahrhafte Glück bedingen, nicht die Gesundheit des Körpers, nicht der reiche Besitz, nicht die Gelegenheit zur Befriedigung der Leidenschaften, nicht Ehre und Macht, sondern daß es andere Güter gibt, die allein wahrhaft erstrebenswerth sind und die trotz des Fehlens der äußeren Glücksgüter der Menschen wahrhaftes Glück bedingen in dieser wie in der künftigen Welt. Die nun folgende Mifchna lautet: D'O» rar© ,ntr» irr© *wo nmo -©w '»n wn nmo nir©p rar© ,0*5120 mno dtm mno ,n:m rer© rar» ,o”n nmo min nrno ,ba ror© d'-dj? nrnv ,no: nmo n"j) man nrno nyy nmo ,rmi nmo nw tMsssh mp 3© uw mp ,01^ nmo npns nmo ,(min . :Nan 071P.1 ’*n 1b mp min nn 1b mp „Er pflegte zu sagen: Viel Fleisch, viel Würmer; viele Güter, viele Sorgen; viele Frauen, viel Zauberei; viele Mägde, viel Unzucht; viele Sklaven, viel Raub; viel Thora, viel Leben; viel Lehrthätigkeit, viel Weisheit; viel Rath, viel Vernunft (nach einer andern Leseart, viel Thora); viel Gerechtigkeit, viel Friede; wer einen guten Namen erworben hat, hat ihn für sich selbst erworben; wer sich die Worte der Gotteslehre erworben hat, hat sich das ewige Leben erworben." Es sind große und tiefe Gedanken, die uns von dem weisen Hillel hier mitgetheilt werden; sie sind alle auf dem Grundsätze basirt, daß wir unser Thun und Streben wohl überlegen und die Folgen desselben berechnen sollen, damit wir das Geringe und Unbedeutende, wenn es die Welt noch so hoch schätzt, gering achten, das Große, Gute, Schöne, wahrhaft Werthvolle dagegen, wenn die Welt es auch gering achtet, seinem hohen Werthe nach schützen sollen. Was dem Menschen am Nächsten liegt, ist die Sorge für den eigenen Körper und die Genüsse desselben. Das ist der Angelpunkt, um den sich das Leben der meisten Menschen dreht. Wohl ist diese Sorge berechtigt, und es ist sogar ein göttliches Gebot, das Leben und die Gesundheit zu schützen und dem Körper die zu seiner Existenz nothwendigen Mittel zuzuführen. Wir haben in einem der früheren Kapitel gesehen, mit welcher Sorgfalt Hillel dieser Pflicht oblag, daß er ins Bad ging, um die Wohnung der unsterblichen Seele zu erhalten und zu pflegen, daß er die Ernährung und Erhaltung seines Körpers als eine heilige Pflicht betrachtete; aber die Bäder, das Essen und Trinken und die andern körperlichen Genüsse waren ihm nicht Selbstzweck; sie sollten nur dazu dienen, den

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