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Der Israelit · 1885-08-10 · Heft 63 (10.8.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 63 (10.8.1885)
Date
1885-08-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1078 war nach zurückgelegten Stadien an der technischen Hochschule in ein, im siebenten Bezirke (Wien) befindliches, elektrotechnisches Etablissement getreten, nm sich mit der Praxis des erwählten Berufszweiges vertraut zu machen. Der Fleiß und die Begabung des jungen Technikers fanden seitens des Chefs wie der Mitarbeiter die vollste Anerkennung, nur einer der Letzteren, ein notorischer Antisemit, verfolgte die Thätigkeit desselben mit giftigem Neide und mißbrauchte seine Stellung, um den jungen Mann bei jedem Anlässe zu insnltircn. Dieser ließ sich die Pöbclhaftigkeiten lange gefallen, als aber im Laufe der vorigen Woche angesichts des Umstandes, daß der junge Elektriker eben mit einer Arbeit beschäftigt war, die ihm viel Anerkennung und ein Fortschreiten in seiner Karriere in Aussicht stellte, die Brutalitäten des Vorgesetzten immer unerträglicher wurden, riß ihm die Geduld und er wies die Schimpfworte energisch zurück. Nun stürzte sich der brutale Mensch auf ihn, suchte ihn zu mißhandeln, und versetzte ihm einen Stoß, der den jungen Mann in eine Glaswand warf. F—n erlitt eine Verletzung am Knie. Er ließ die Wunde, die ungefährlich zu sein schien, von einem Arzte untersuchen und schenkte derselben anfangs keine weitere Beachtung; die ärztliche Behandlung scheint aber keine übermäßig sorgfältige gewesen zu sein, denn zwei Tage später mußte der Verletzte infolge der heftigen Schmerzen, die er empfand, ins Spital transportirt werden. Er wurde auf die Klinik des Professors Albert gebracht, wo man fand, daß Glassplittcr in der Wunde zurückgeblieben seien. Alsbald trat and) Eiterung und Blutvergiftung ein und letzten Mittwoch starb der hoffnungsvolle junge Mann, nachdem er zuvor von dem erzählten Hergang der Sache Mittheilung gemacht und vor einer berufenen gerichtlichen Kommission seine Depositionen abgegeben hatte. Die Angelegenheit befindet sich derzeit in den Händen des Wiener Landesgerichtes in Strafsachen, welches die weiteren Schritte gegen den Urheber dieses Todesfalles einleiten wird. Wien. Der Vorstand der Wiener isr. Eultnsgcmeinde hat angeordnet, daß in sämmtlichc» Synagogen zum Andenken au Montefiore dreißig Tage lang ein Licht zu brennen habe, und nach Ablauf der üblichen Trallerzeit in allen Synagogen ein feierlicher Tranergottesdienft stattfinden soll. Dem Rabbiner-.und Prediger Herrn Dr. L. Löwenstein in Lemberg wurde der Franz Josephsorden verliehen. Prag. Vor einigen Tagen ist im hiesigen isr. allgemeinen Krankenhanse, in welchem Kranke ohne Unterschied des Glaubens Aufnahme finden, ein seit 45 Jahren getaufter Jude gestorben. Auf dem Krankenlager äußerte er seinem einzigen Sohne den Wunsch, daß er zum Judcnthum zurückkehren und auch als Jude begraben werden wolle. Der Sohn, welcher Katholik ist, hat selbst die Schritte eingeleitet, nm den Wunsch seines Vaters zu erlitten. Zwei Tage vor dem Tode hat dieser, in Gegenwart christlicher Zeugen, die mündliche wie auch schriftliche Erklärung abgegeben, in Folge welcher er in die isr. Gemeinschaft wieder ausgenommen und auf dem jüdischen Friedhofe begraben wurde. Pefth. Ein kleines Tißa-Eßlür wollte eine rumänische Zeitnng vor einigen Tagen in Fogaras in Siebenbürgen entdeckt haben. Das Blatt erzählte, daß eine ans Muckcndorf gebürtige und bei einer Israelitin in Fogaras bcdienstete Magd spurlos verschwunden und im Publikum die Meinung verbreitet sei, die Vermißte müsse einem rituellen Morde zum Opfer gefallen sein. Der erwähnte Fall verhält sich, wie uns aus glaubwürdiger Quelle nunlnehr mitgetheilt wird, folgendermaßen: An dem Tage, an welchem das in Fögaras stationirte Bataillon des 2. Infanterie-Regiments die Stadt verließ, um zu den Regimentsübnngen abzurücken, verschwand auch die bei der israelitischen Hebamme Krauß bedienstere Magd. Frau Krauß ließ überall nach dem Verbleib der Magd Nachfragen und verständigte, nachdem die diesbezüglichen Nachforschungen sich als erfolglos erwiesen, den in Muckendorf wohnenden Vater des Mädchens von dem Verschwinde» desselben. Der Vater des Mädchens kam nach Fogaras und konsultkrte einen — Wahrsager. Das moderne Orakel that den delphischen Spruch, das vermißte Mädchen befinde sich in einem festgemanerten Gewahrsam und jammere um Befreiung aus seiner lebensgefährlichen Gefangenschaft. Der Pöbel legte sich den Orakelspruch im Handumdrehen ä la Tißa-Eßlar zurecht. Die Aufregung ward trotz der zeitgemäßen Aufklärung der Behörden immer größer und im selben Maße wuchs auch die Besorgniß der Israeliten in Fogaras. Das Räthsel sollte aber bald seine natürliche Lösung finden. Ein Fischer aus Bethlen (bei Fogaras) fischte den Leichnam eines Mädchens ans dem Altfluß und erstattete die Anzeige nach Fogaras. Die Kommission konstatirte, daß an dem Leichnam, den der Muckendorfer Insasse als den seiner verschwundenen Tochter agnoszirte, nicht das geringste Merkmal einer gewalt-

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