Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 63 (10.8.1885)
- Date
- 1885-08-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1077 als lebendige Denkmäler seines Wirkens in allen Wellthcilen zurück. In einer schmerzlich-schweren Zeit verläßt der greise Menschenfreund diese Erde, in einer Zeit, da seine Glaubensgenossen inmitten wüster, barbarischer Verfolgungen einen neuen Montesiore so dringend brauchten. Aber sie dürfen sich nicht beklagen, sic muffen cs dem Himmel vielmehr Dank wissen, das; er den seltenen Mann ein so seltenes glückliches Alter erreichen ließ, daß er unserem Jahrhundert überhaupt eine so schone Verwirklichung der Lcssing'schcn Jdealgestalt. des weisen Nathan, schenkte." Das „B e r l i n e r T a g e b l a t t" endlich schließt die Charakteristik Montesiores mit folgenden begeisterten Worten: „Dankbarkeit war ein Grundzug dieses Mannes, der sich doch so Viele zu Dank verpflichtet hat. „Tliink and tliank“. „denke und danke" war sein Sinnspruch, der in der That einem langen Leben entspricht, das ebenso der Weisheit wie der Dankbarkeit und der praktischen Liebe geweiht war. Wie viele Noth hat er gelindert, wie viele Thränen getrocknet, wie viele Kämpfer gegen Lieblosigkeit und Unduldsamkeit ermuntert und unterstützt! Am späten Abend seines Lebens war ihm freilich noch der große Schmerz beschieden, daß die finsteren Mächte, mit denen er so mnthig und siegreich gerungen, von Neuem losbrachen. Aber er sah auch, wie einst Moses, mit frischem Auge das gelobte Land vou Weitem; er lebte und starb in der beseligenden Ueberzeugung, daß die Tage des Aberglaubens und des Vorurtheils gezählt sind, das; der letzte Sieg der Wahrheit dem Rechte und der Liebe bleiben wird. Bis dieser Sieg errungen sein wird, kann noch manches Jahrzehnt verrinnen; aber er wird eintretcn und unter seinen Vorkämpfern wird immer Moses Montesiore mit Ehrfurcht und Dankbarkeit genannt werden." Aehnlich sprechen sich die anderen liberalen Blätter aus. Vou den konservativ-antisemitischen Organen ergreift nur die „Sta atsbürger Zeitung" das Wort zu wenigen Sätzen, in denen sie n. a. schreibt: „Die Jndcnschaft hat einen schweren Verlust erlitten : Sir Moses Montesiore ist dahingeschiedcn. Die Jndcnschaft hat Recht, den Tod dieses Greises zu beklagen, der sein ganzes Leben in den Dienst des Judeuihums gestellt und überall für seine „unterdrückten" Glaubensgenossen eingetrcten ist." Alle übrigen gleichgesinnten Blätter, soweit ich von ihnen Kenntniß genommen, schweigen hartnäckig und bringen nicht einmal die Todeskunde, welche das Wolls'sche Telegraphenbüreau verbreitet hat. Berlin, 2. August. Am gestrigen Sabbat fand in der Synagoge in der Hcidereutergasse eine Gedächtnißscicr für Sir Moses Montesiore statt. Vor überfülltem Gotteshausc hielt Herr D r. U n g erleid e r die Predigt, in der er dem Schmerze um den großen Todten Ausdruck gab, dessen Liebe zu Zion schilderte und aufforderte, in den Wegen des leuchtenden Vorbildes zu wandeln. Gebet nndChorgcsang schloß die Feierlichkeit. — Auch der „Israelitische F o r t b i l d u n g s v e r e i n M o n t cfiore" benutzte die erste Gelegenheit seiner Zusammenkunft am letzten Donnerstag dazu, seines erhabenen Patrons zu gedenken. In seiner tiefempfundenen Gedächtnißredc entrollte Herr Adolf Blumenthal ein Lebens- und Charakterbild dcs Dahingegangenen. Da von der Feier nicht mehr alle Mitglieder rechtzeitig in Kenntniß gesetzt werden konnten, gedenkt der Verein, wie wir hören, in den nächsten Wochen noch eine zweite Traucrfcicr zu veranstalten. — Es steht zu erwarten, das; auch die B'ne Brith Loge „Montesiore" eine Gedächtnißfeier begehen wird. Hamburg. Beim internationalen Schach-Tonrnier ln Hamburg haben sich unsere Glaubensgenossen besonders ausgezeichnet. Herr Isidor Günsberg aus London erhielt den ersten, die Herren Englisch und Weiß aus Wien den zweiten Preis. Ans Lothringen. Verssoffenen Freitag und Samstag nun?) wurde die ueuerbantc Synagoge in Remilly bei Metz eingcwciht. Von Nah und Fern hatten sich unzählige Fremde eingefuudcn, um dieser hohen Feier beizuwohncn. Freitag Nachmittags wurden die heil. Thorarollcn mit Gesang, unter Dirigirnng des Herrn Rosenstock aus Metz, sowie mit Musikbegleitung vom alten Lokale in das neue übergeführt, wo nach Eröffnung des Tempels der neuernannte Oberrabbiner Weill aus Metz eine halbstündige Rede hielt, welche ihren Eindruck nicht verfehlte, und von den vielen Anwesenden, sowohl Juden als Nichjudcn, mit großem Beifall ausgenommen wurde. Eilt Jeder, der dieser würdigen Feier beiwohnte, lvird ihr gewiß noch lange ein Andenken bewahren. (W.) Oesterr. - Unga r. Monarchie. Wien. Die Brutalität eines als „Antisemit" sich aufspielendcn Mensche» hat dieser Tage den Tod eines begabten, jimgcn Mannes verschuldet, lieber den Fall geht dem „N. W. Tgbl." folgende authentische Mittheilung zu: Ein junger Mann, Israelit, Sohn eines angesehenen Arztes in Raab, Namens Moriz F—n,