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Der Israelit · 1885-08-10 · Heft 63 (10.8.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 63 (10.8.1885)
Date
1885-08-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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107g samen Lhat vorhanden ist. Die Annahme ist vollkommen begründet, daß das Mädchen den Tod in den Wellen aus Kummer gesucht und gefunden hat, weil ihr Liebhaber, welcher in dem obenerwähnten Bataillon dient, Fogaras verlassen mußte und dotthin nicht mehr zurückkehreu könne, indem den bereits bekanntgegebenen Dislokations-Dispositionen zufolge an Stelle dieses Bataillons das 28. Feldjäger-Bataillon nach den diesjährigen Hebungen die Garnison in Fogaras beziehen wird. Rußland. Odessa. In der Türkei gelangen Juden oft zu den höchsten Staatswürden, während man in Rußland immermehr dahiustrebt, die Juden auf allen Gebieten zu verdrängen. Die türkische Negierung hat in Odessa einen Generalkonsul, dessen Sekretär der türkische Unterthone Moses S i l b e r m a n n ist. Letzterer ist vor einigen Monaten in einer amtlichen Angelegenheit vor dem Friedensrichter Straschesko in Odessa erschienen, und zwar mit dem „Fez" (türkische Kopfbedeckung) auf dem Haupte. Die Türken erscheinen bekanntlich überall, selbst vor dem Sultan, mit Kopfbedeckung. Der Friedensrichter forderte Herrn Silbermann auf, den „Fez" abzulegen, und als Silbermann sich weigerte, wurde ihm derselbe gewaltsam abgenommcn. Silbermann entfernte sich und kehrte bald niit dem Generalkonsul zurück. Diesem gegenüber wiederholte der Friedensrichter seine frühere Forderung und sagte ihm, er möge Silbermanu in Amtsangelegenheiten nicht mehr zu ihm schicken. Wir haben seiner Zeit über diesen Vorfall berichtet. Der Generalkonsul beschwerte sich hierüber bei der Friedensrichter-Versammlung in Odessa und überreichte auitlichen Protest: l) Gegen den Befehl des Friedensrichters an seinen Sekretär, den „Fez" abzunehmen: 2) gegen die einem offiziellen Vertreter der türkischen Regierung öffentlich zngefügte Beleidigung; 3) gegen den Befehl des Friedensrichters, ihm künftig eine andere Persönlichkeit als Silbermaun in Dienstangelegenheiten zu schicken. Dieser Protest wurde dem Senate in Petersburg unterbreitet, und dieser hat nun entschieden, daß der Friedensrichter Straschesko in allen Punktelt correkt gehandelt habe, indem weder der Sekretär noch der Generalkonsul als offizielle Persönlichkeiten zu betrachten seien, sondern nur als Handelsvertreter des türkischen Reiches, als solche aber Privatpersonen seien, welche sich an offiziellen Orten gleich allen anderen Staatsbürgern zu benehmen haben. Die türkische Botschaft in Petersburg wandte sich dann an das russische Ministerium des Auswärtigen, welches nunmehr die Angelegeliheit auszutragen hat. Soll der Senat nicht gewußt haben, daß der türkische Generalkonsul in Odessa nicht Handelssondern diplornatifcher Vertreter der türkische» Regierullg ist ¥ Feuilleton. Aic Versuchung. Von Friedrich Roll. V. In welcher Stimmung Hugo znrückblicb, das läßt sich leichter nachempfinden als schildern. Wie ein Trunkener schwankte, er dahin und fast ohne daß er es wußte, hatte er die Wohnung seines Onkels erreicht. Ohne anznklopfcn öffnete er die Thüre, ohne Gruß trat er ein und bleich und stumm blieb er mitten im Zimmer stehen und schien die theilnehmenden Fragen seiner erschreckten Verwandten nicht zu hören. Doch in seiner Brust arbeitete es mächtig; er rang nach Athem und brach endlich in einen Strom von Thränen aus, nachdem er sich in einen Sessel hatte fallen lassen. „Um des Himmels willen, Hugo, was ist Dir?" rief angstvoll die herbeieilende Taute. „Habt Ihr schlimme'Nachrichten von Deinem Later? Oder ist Deiner Mutter etwas geschehen?" forschte besorgt der Onkel. Doch es währte geraume Zeit, bevor der unglückliche, junge Man» im Stande war, ihre theilnehmenden Fragen zu beantworten. Mit finsterem Ernst hörte der Onkel die Mittheilnngen des mächtig Erschütterten an. „Ich habe Dir längst dasselbe gesagt, aber Du wolltest nicht hören." „Aber, was soll ich thun?" rief Hugo, die Hände ringend. „Großer Gott! was soll ich thun2" „Was ich Dir längst gerathen habe, was der Sanitätsrath Dir räth und was jeder vernünftige Mensch Dir rathen muß." „Den Sabbat entweihen!" murmelte Hugo schaudernd, „am Sabbat arbeiten! — ich kann» nicht!" — „Aber Eltern und Geschwister darben lassen — das kannst Du — und kannst müssig Zusehen2" „Nein," rief der junge Mann aufspringend, »müssig Zusehen will ich nicht — ich will arbeite», Tag und Nacht arbeiten, sei cs, was cs immer wolle. Ich eile sogleich in ein Arbeitsvermkttelungsbüreau. Dienstmann, TaglShuer, Hslzhacker, es ist mir einerlei."

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