Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 63 (10.8.1885)
- Date
- 1885-08-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1076 fähigen Herausgebers, Dr. Mor. Wechsler, einige recht treffende Artikel. Das Blatt ist hauptsächlich für unsre russisch poln. Glaubensgenossen berechnet, und ist Herrn Dr. Wechsler und seinem Blatt recht guter Erfolg zu wünschen. Auch in der abgelaufcnen Woche sind von der hiesigen Einwanderungscommission eine Anzahl unbemittelter Glaubensgenossen zurückgcwiesen worden und mutzten daher, wenn auch sehr unfreiwillig, die Rückreise nach Europa antreten. In der letzten Zeit kamen derartige Fälle wieder häufiger vor und wäre zu wünschen, das; die Vereine oder Gemeinden, die Amerika mit unbemittelten Emigranten zu bereichern wünschen, an derartige Folgen dächten und den Leuten auch noch Mittel auf den Weg gäben. In; Uebrigen ist die Einwandernngsfrage so wichtig, das; ich dieselben demnächst einer weitcrgehendcn Betrachtung unterziehen werde. Ich würde gerne meine Eorrcspondenz noch ansdehncn, allein New-Aork ist diese Woche von einer Hitze hcimgesncht, die die Beschäftigung des Schreibens zu einer unliebsamen macht. Am gestrigen hatten wir eine Hitze von 99 Grad Fahrenheit im Schatten, gewitz für die fastenden Inden eine doppelte Onal. Wenn die Zeitungen natürlich viel von durch die Hitze hcrvorgcrnfcnen Krankheiten und Todesfällen zu melden wissen, so ist doch nirgends von einer durch das Fasten hervorgerufeneu Krankheit zu Horen. Nächstens einen größeren Brief versprechend, bemerke ich für heute nur noch, daß einem heute cirknlirenden Bericht gemäß die Besitzer größerer Schwcinchcerdcn und die größeren Schinkengeschäfte Amerikas ein Dankesvotum an Dr. Köhler und Genossen beschlossen haben; die Anstcrnhandlungcn dürften ihren Gönnern dieselbe Aufmerksantkeit erzeigen. Zeitungsnachrichten und Correfpoudenzen. Deutsch! an d. Berlin, 2. Angnst. Ter Tod Sir Moses Mo n tefi o re's hat hier in allen Kreisen der Bevölkerung nngetheiltes Aufsehen und das herzlichste Mitgefühl erweckt. Alle liberalen Blätter feiern in schwungvollen Artikeln jenen seltenen Mann, der „der Menschheit gestorben," jenen „streng konservativen Mann", der die Verehrung aller Welt in reichem Matze genossen, jenen „guten und glücklichen Menschen", der sich unvergängliche Verdienste um seine Glaubensgenossen erworben. Wahrlich die bewundernde Anerkennung, welche die großen Eigenschaften des Todtcn allüberall finden, ist cm herrlicher Triumph für das gesetzestrcue Iudenthum, den; Sir Moses Montefiore voll und ganz bis zu seinem letzten Athemznge angehörte. Es dürfte von Interesse sein, die Stimmen der größeren liberalen Blätter hier wiederzugebe». Die „Berliner Zeitung" schreibt: „Mit Ehren und Würden überschüttet, von Fürsten und Gewaltigen ausgezeichnet und buvd) Freundschaft geehrt, verlcugnete Sir Moses Montefiore doch niemals die edelste Bescheidenheit, sondern lebte still und zurückgezogen in fast prunkloser Einfachheit. Die Verehrung, welche der Verstorbene genoß und die ihm namentlich in England von der gelammten Bevölkerung ohne Unterschied der Eonfession und der Partei entgegengcbracht wurde, wird das Grab überbfliient. Sir Moses Montefiore wird als einer der edelsten Rauschen freunde für alle Zeiten unvergessen bleiben." Der „Börscn-Eonricr" schließt seinen Nekrolog mit folgenden Worten: „Ein Leben von über einem vollen Jahrhundert ist ihm — ist der Menschheit beschicdcn gewesen, denn er hat niemals sich, er hat stets nur dem Dienste der Menschheit gelebt, dem Dienste dcr verfolgten und unterdrückten Menschheit, in erster Reihe also dem Dienste seiner jüdischen Glaubensgenossen. Jeder Tag seines Lebens bezeichnet eine große That, nnd noch als neunzigjähriger Veteran ist er jugendfrisch nnd kampfessröh wieder ins Feld gezogen, wenn cs galt, gegen die Barbareien der Intoleranz zu kämpfen. Montefiore hätte als großer Bankier feinen Besitz, seine Intelligenz wie seine Beziehungen benützen können, nur der hervorragendste Finanzsnrst zu werden, er hätte seine schriftstellerischen Fähigkeiten, die sich in einzelnen seiner Reisebeschreibungen so reizend offenbaren, entwickeln und sich in die Reihe der angesehenen Autoren stellen können, er hätte seine Beziehungen zu den Hofen verwerten können, um seinem Hause Glanz zu verleihen, seine überlegene Einsicht hätte ihn zu einem bedeutenden Denker oder Staatsmann machen können, Montefiore zog es vor, einzig und allein dem Zuge seines guten Herzens zu folgen nnd Besitz, Talent, Rang, Wissen nur als Hilfsmittel für sein menschenfreundliches Wirken zu brauchen. Er lebte daheim in patriarchalischer Einfachheit, still zurückgezogen, bescheiden jeder Auszeichnung ausweichend und richtete sich in seiner ganzen Größe nur empor, wenn cs galt, zn retten und zn helfen. Unzählige, in höherem, staatsmännischem Sinne wohlthätige Stiftungen bleiben