Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1885)
- Date
- 1885-08-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1062 gliedern gegenüber seinen Standpunkt zu vertheidigen und wir wünschen nur, dag er in der öffentlichen Verherrlichung unserer heiligen Lehre nicht erlahmen möge und daß bei seinen Zuhörern seine Worte auch recht bald Erfolg haben mögen. Diese Woche tagt in St. Louis eine Delegirtcnversammlung einer Anzahl jüdischer Gemeinden Amerika's. Auf die Versammlung sowohl wie auch die Gründe, weshalb der Osten Amerika's, specicll New-Uork gar nicht vertreten war, komme ich nächste Woche ausführlich zurück. Gleichzeitig tagten dort Delegirte von Wohlthätigkeitsanstalten Amerika's und beschlossen einen Verband dieser Vereine über ganz Amerika zu orgauisiren. Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Italien. Rom. Unser Glaubensgenosse, Signor M a lvano, in früheren Ministerien Gencral-Director im Ministerium des Aeußern, ist bei der jüngsten Reconstruction des Ministeriums zum Gencral- Secretär der auswärtigen Angelegenheiten ernannt worden. — Der Präsident der Dcputirtcnkammer hat den jungen jüdischen Advokaten Signor Camillo Montalcino von Asti zu seinem Secretär gewählt. Frankreich. Paris. Die Akademie der schönen Künste hat nuserm Glaubensgenossen, Herrn Emannel Hannaux, geboren in Metz, den zweiten großen Preis von Rom für Bildhauer zuerkaunt. England. London. Der in unserem Gemeindcleben eine hervorragende Stellung einnehmende Herr E. M. Leon ist dieser Tage gestorben. Er war Vkcepräsident der „Jew's Free School" und hatte als solcher wie auch in andern wohlthätigen Vereinigungen eine segensreiche Thätkgkeit entfaltet. Ebenso war er ein actives Mitglied des „Iewish Board of Guardians" und hat sich zur Zeit der Russenauswandernng besonders verdient gemacht. Die Präsidenten der „Iewish Free School" und des „Iewish Board of Guardians," Lord Rothschild und Herr Benjamin L. Cohen, haben an die Familie besondere Beileidsschreiben gerichtet. London. Das hiesige jüdische Asyl hat von dem Whitechapel Board of Guardian einen Unterstützungsbeitrag von 10 L. empfangen. Diese, wenn auch kleine, von einem christlichen Armenverein gewährte Summe gibt den Beweis, daß bei uns nicht nur kein Judenhaß cxistirt, sondern brüderliche Liebe zwischen den Bckennern der verschiedenen Confeffionen vorherrschend ist. London. Rach der „Pall Mall-Zeitung" hatte die Gesellschaft zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden km Jahre 1884 eine Einnahme von 35,000 L. Wie viel wahrhaft Gutes könnte mit dieser enormen Summe zur Abwendung großen Elends und zur Erziehung der armen Bevölkerung gethan werden, während sie zu sozusagen fruchtlosen Zwecken vergeudet wird. Rußland. Tschernigow. Unser neuer Gouverneur Graf Anaßtasinb ist ein gerechter Mann und unter seiner Verwaltung sind wir Juden vor Ausschreitungen geschützt. Bei seinem ersten Empfange hat er die schönen Worte gesprochen: Ich kenne keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Nationalitäten und Confessionen, wenn sie treue Unterthanen unseres Kaisers sind und die Gesetze des Landes halten. Eine seiner ersten Amtshandlungen war, daß er die gegen die Juden gerichteten Maßregeln seines Vorgängers aushob. Als jüngst eine Bauerndeputation eines Torfes ihn um die Erlaubniß bat, einen im Dorfe wohnenden Juden vertreiben zu dürfen, antwortete er, nachdem er auf Anfrage erfahren, daß der Jude bereits 25 Jahre daselbst ansässig ist, mit strenger Miene: Seit dieser Zeit habt Ihr noch niemals Ursache gehabt, Euch über den Juden zu beklagen, und nun wollt Ihr ihn plötzlich vertreiben, das ist Bosheit, niemals werde ich dulden, daß Euer auf persönliche Interessen beruhender Judenhaß dem Israeliten Schaden bringe. Darnach möget Ihr Euch richten und den bei Euch wohnenden Juden in Frieden lassen. A m e r i t a. Philadelphia. Unverheirathete jüdische Damen, 150 an der Zahl, haben einen „Ioung Woman's-Verckn" gegründet und aus Vereinsmitteln einen Kindergarten für arme jüdische Kinder errichtet. Algier. Constantine. Zwischen Lehrern des Lyceums und einer Gruppe Israeliten hat jüngst ein Zusammenstoß stattgefunden, cs gab einige Verwundete. Die Militärbehörde ließ, um weitere Ausschreitungen zu verhindern, das Judenviertel absperren. Die Urheber des Krawalls wurden verhaftet.