Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1885)
- Date
- 1885-08-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1063 Feuilleton. Aus Jerusalem. Von A. Grünebaum. (Fortsetzung.) Ganz merkwürdig sind die Lekchenbegängniffe von größeren oder berühmten Leuten in Jerusalem, besonders bei den dto. Wir hatten zufällig Gelegenheit, einem solchen anzuwohnen. Es starb nämlich ein hochangcsehener Mann jjbtw p jto, der in den portugiesischen Gemeinden alles was npns anbelangt, besorgte, im wahrsten Sinne des Wortes cm Vater der Wittwcn und Waisen, der von den Angehörigen aller Gemeinden betrauert wurde. Er besuchte uns noch einige Tage vor seinem Tode und sprach von der Lage unsrer Brüder; er selbst hat nie eine Unterstützung genommen, obzwar er in letzten Jahren nichts weniger als vermögend war; weinend tröstete er die Armen, wenn er nur einen kleinen Thcil ihrer nothwendigen Ansprüche besricdigen könnt'. Er erreichte ein Alter von 72 Jahren (glaube ich). Als er seine reine Seele ausgehaucht, wurde sofortin den jüdischen Straßen ansgerufeu, und bei der Beerdigung waren Tausende und Abertausende von Menschen dichtgedrängt auf den Straßen. In dem Momente, wo der Verblichene auf einer Bahre aus dem Hause getragen wurde, erhoben alle Anwesenden eine Klagegeschrei, welches weithin gehört wurde; besonders aber die Frauen, die in bcn nächsten Häusern waren, jammerten Klagelieder, ähnlich wie cs die N7BM erzählt, welche herzzerreißend waren. An der Bahre befanden sich 8 Personen, mit brennenden Kerzell und 8 Manu Militär, da er auch Mitglied des Magistrats oder einer ähnlichen Körperschaft war. Auf ein Zeichen des Chacham-Baschi verstummte die jamlnerndc Menge, und Herr Chacham Elischar hielt einen nron, da der Chacham Baschi selbst ein alter, schwacher Mann ist. Der besteht nach Gebrauch der dh-^d nur in unzusammenhängenden L'pios, welche den Verlust des Verstorbenen und seine Größe schildern. Dann sagen alle Umstehenden laut tti und unp. Etwa 8 Chachamim hinten Trauerreden, bis man zunl Oelberg kam. Es dauerte über 2 ^Stunden, bis mau am Grabe war, welches eigentlich nur 15 Minuten entfernt ist. — Am dritten £dd ritten wir zu Pferde nach Hebron am Grabe Rachels vorüber. Voil dem Grabe ab, welches au der Seite von Betlchem liegt, hört die Straße auf und man benutzt die Pfade, welche sich zwischen Feldern und Felsen hinschlängeln. Ungefähr */4 Stunde von Betlchem trifft rnan auf die Salomon'schen Truhe, von den Arabern barak (nrü) genannt. Drei aus Quadersteinen erbaute, immense Wasserbehälter, von welchen die Leitung früher bis nach Jerlisalem führte, füllen sich während der Regenzeit und versorgen viele Araber der Umgegend. Diese kauern dort haufenweise und waschen mit sehr primitiven Einrichtungen. Man legt die nasse Wäsche auf eine Steinplatte und ■ reibt sie einige Zeit, dann klopft man sie mit einem Stück Holz oder Stein, bis das Wasser daraus entfernt ist: das Trocknen geschieht durch die heiße Temperatur. Gleich neben den Teichen ist ein tiefer Brunnen, der mit den Teichen und der Wasserleitung in Verbindung steht. Sein Unterbau soll ein großartiges Kunstwerk sein, und der ganze Bau soll der Sage nach von König Salomon herrühren. — Das Thal in der Nähe dieser Teiche ist fruchtbar und angenehm, wird aber nur von einigen Arabern, die zerstreut in ihren Dörfern an Bergabhängen oder besser gesagt in ihren Höhlen hausen, bewohnt. Jetzt wird der Weg immer ungangbarer, er führt über furchtbare Fetsklippcn, durch tiefe Höhlungen, bis etwa 1 Stunde vor Hebron ein wunderschönes Thal, mit allen möglichen Fruchtarten, besonders aber Weinbergen angcbant, beginnt, das sich aus der anderen Seite der Stadt fortsetzt. Die Stadt liegt höher als Jerusalem, hat eine sehr gute Luft und leidet weniger an Wassermangel. Unsre jüdischen Brüder dort betreibet!, gleichwie in Jerusalem, Handwerk und Handel, die Bauart ihrer Wohnungen aber ist womöglich noch elender als in Jerusalem. Unsre Aufnahme war sehr herzlich und wir stiegen im Hause eines Herrn Romano ab, dessen Familie ans Stämbnl stammt. Es bestehen in Hebron 2 Hanptsynagogen und einige kleinere, deren eine sich im Hause unsres freundlichen Wirthes befindet, sehr schön ist und ganz von ihm erhalten wird. Dieselbe war Abends festlich beleuchtet, und man ließ uns, nach dein dortigen Gebrauche, einige Lichter zum Andenken an unsre in Hebron schlafenden Stannneltern anzündcn. Die dortigen Juden bestehen wie anderwärts aus Aschkcnasinl und Sephardim, wir wurden bei beiden gleich aufmerksam empfangen. Ein richtiges Bild von den VcrkehrsverhältnisscnPalästina's gibt Hebron, das annähernd 8—10,000 Einwohner hat, Glasfabriken besitzt, sehr gute Wasscrschläuche ans Zicgenfcllcn liefert, dabei aber weder Post noch Telegraph kennt. Die Hauptbeschäftigung der Einwohner bildet natürlich Ackerbau utid Viehzucht. Unter den Sehenswürdigkeiten galt unser erster Besuch der von allen Eoufessionen heilig gehaltenen Grabstätte der Pattiarchen (Höhte Machpela). (Schluß folgt.)