Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1885)
- Date
- 1885-08-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 62 des Asraelit. Leitender Artikel. Amerikanische Briefe. VI. □ New-Jork, 15. Juli. Wenn ich iu meinen zwei letzten Eorrcspoudcnzcn, auch heute wieder, den Streit zwischen den beiden hiesigen Rabbinern Kohut und Köhler zum Thema nehme, so geschieht es, weil denn doch ein derartiger Streit über Grundprinzipien des Judenthums zwischen den berufenen Vertretern G.!. selten vorkommt. Die Hauptsache des Streites ist bekanntlich die, daß Köhler an die rBtysarmin gar nicht und an die arm? min nur theilwcise glaubt, während Kohut sich auf den Standpunkt des Talmuds stellt. Natürlich weicht Kohut auch in Manchem vom Standpunkte der Orthodoxie ab, allein iu den Grundprinzipien geht er einig mit uns, und Sache der europäischen orthodoxen Presse sollte cs sein, unter Wahrung ihres Standpunktes, in diesem Streite Kohut bcizustehen. Die hiesige Presse ist selbstverständlich getheilt; während der „Hebr. Standard" und der „Amerik. Hebrew" Feuer und Flamme für das konservative Judenthum sind und Köhler gerade nicht mit Glacehandschuhe angreifen, sucht der „Jewish Messenger", wie immer die goldene Mittelstraße, welche ihm zu finden diesmal doch schwer fallen dürfte. Es liegt mir absolut fern die hochachtbare Persönlichkeit des Herausgebers des „Messenger" sowohl wie das Blatt selbst anzugreifen, allein die Widersprüche, die sich in den Nummern dieses Blattes vom 3. und 10. Juli finden, sind doch vom jüdisch-europäischen Standpunkte aus so stark (hier scheint das bis heute noch von keinem Blatt beachtet worden zu sein), daß eine Hervorhebung nicht uninteressant sein dürfte, umsomehr als ja der „Mess." zu den leitenden und angesehensten jüdischen Zeitschriften dieses Landes zählt. In einem Leitartikel vom 3. Juli sagt das Blatt unter Anden»: „Dr. Kohler's Standpunkt zeigt seine eigene Moral. Er glaubt nicht länger an den göttlichen Ursprung des Mosaischen Gesetzes. Offenbar ist deßhalb eine Debatte zwischen ihm und Kohut nicht möglich. Wie aber Dr. Köhler seinen Standpunkt mit seiner Stellung als Rabbi vereinbaren kann, ist einNäthsel u. s. w." Nachdem solche Worte gesprochen sind, sollte man ^meinen, das Blatt bekämpfe nun Köhler auf das Schärfste; allein, was soll man dazu sagen, wenn in der Nummer vom 10. Juli (als ob der Sttcit nur etwas Nebensächliches beträfe) an 2 Stellen ganz merkwürdig abzuwiegeln versucht wird. Erst heißt es an einer Stelle: „Nachdem unsere zwei enthusiastischen New-Horker Rabbiner sich in der Presse gebührend auseinandergesetzt haben u. s. w. hoffen wir, daß der Eontest geschlossen ist und die Herren sich ihrem gemeindlichen Wirken hingebeu." _ Also glaubt der „Messenger" ein solcher Eontest ließe sich mit zwei Worten schließen und er fordert dann denselben Dr. Köhler, den er vor 8 Tagen fragte, wie er seinen Standpunkt mit seiner Stellung als Rabbi vereinbaren kann, auf, seine Thätigkckt seiner Congregatiou zu widmen und dort weiter den Genuß von Schweinefleisch als erlaubt zu empfehlen, die dereinstige Ankunft des rm zu bestreiten u. s. w. „Erkläret mir Graf Messenger Ceriiibur, Diesen Zwiespalt der Natur." Noch besser als dies nimmt sich jedoch in der gleichen Nummer des Blattes eine Eorrespoudenz aus Philadelphia aus, worin ein Correspondent des „Messenger" den Vorschlag macht, den Streit zwischen Köhler und Kohut einer Synode großer Männer zu unterbreiten. Da nun der Herausgeber des Blattes keine Bemerkung zu diesem Vorschläge macht, so ist anzunehmen, daß er ihn billigt. Also sollen nach Wunsch etwa die Herren Wise, G. Hirsch, Gottheit und Konsorten znsammentreten und die Ansichten Köhlers bekräftigen, während Kohut's Ansichten von seinen Genossen gebilligt werden. Hat je ein vernünftiger Mensch, der auf dem Standpunkte des Judenthums im wahren Sinne des Wortes steht, den Vorschlag gehört, die heil. Thora, den Talmud u. s. w. der Begutachtung heutiger Rabbiner zu empfehlen? Tie Hervorhebung dieses Satzes überhebt mich der Mühe noch etwas beizufügen; das Mitgetheilte spricht für sich. An diesen Beispielen habe ich gezeigt, wie ein angesehenes jüdisches Blatt seine Stellung zu dem Streite bezeichnet; muß der Unwissende, dem solche Ergüsse vor Augen kommen, nicht irre werden? Im Uebrigen bemerke ich, daß die politischen Blätter jetzt über die Controverse schweigen, was das Beste ist. Herr Dr. Kohut fährt jedoch fort, in scharfer Weise seinen Gemekndemkt-