Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1885)
- Date
- 1885-08-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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V die Mission unter Israel. Redakteur Prof. Delitzsch. :;) Missionsblatt des rheinisch-westfälischen Vereins für Israel. Anch die von Prediger Hartmann i. I. 1 s in begründeten, bis 1884 von Pastor de le Roi *), seither von mir herausgcgebcnen „Dibre Emcth" liefern Beweise dafür, das; die Judenmission in Deutschland ebensowenig erloschen ist wie in England. Die „Londoner Gesellschaft" hat keineswegs — wie weiter behauptet wird — Mitteleuropa anfgegcben. Sic beschäftigt immer noch Agenten in Hamburg, Berlin, Danzig, Königsberg, Posen, Breslau, Frankfurt a. M., Cöln, Straßburg, Mannheim, Kornthal bei Stuttgart, Wien und Lemberg. Desgleichen besitzt die 1842 gegründete „Britische Gesellschaft" Missionsarbeitcr in verschiedenen Städten Deutschlands und Oesterreichs. Der kürzlich verstorbene Miss. Dr. Stern stammte nicht aus Ungarn, sondern aus Frankfurt a. M., und Prof. Gaffel in Berlin treibt nicht so zu sagen auf eigene Faust Mission, sondern steht im Dienst der „Londoner Gesellschaft." — . Pastor W. Becker, Missionär der „Londoner Gesellschaft. Bromberg, im Juli. Zum Kapitel der Ausweisungen wird dem „Indischen Kantor" folgender Fall mitgcthcilt. Der Schächter und Kantor der jüdischen Gemeinde, Beckcrmanu in Lessen, war bereits tut Jahre 1879 aus Rußland nach Preußen gekommen und hatte, bevor er in Lessen angcstellt wurde, in Bischofswerder seinen Wohnsitz genommen. Schon nach einem Jahre stellte er den Antrag, naturalisirt zu werden, der Regierungspräsident in Maricnwcrdcr wies aber das Naturalisationsgesuch zurück mit dem Bedenken, daß der Antragsteller sich noch nicht lange genug im preußischen Staatsgebiet anfhalte. Gleichen Erfolg hatte ein späteres Gesuch, obgleich sowohl der Magistrat in Bischofswerdcr, als auch der Landrath von Brüncck ihm die bcsten Zcugniste ausstcllten, ebenso wie später die Polizciverwaltung in Lessen. Es wurde ihm bedeutet, daß er zum Zwecke der Naturalisation die erfolgte Entlassung ans dem russischen Unterthanenverbande Nachweisen müsse, nnd er erwirkte denn anch mit vieler Mühe und mit großen pekuniären Opfern (über dreihundert Thaler haben ihm die Papiere gekostet) beim russischen Ministerium des Innern seine Entlassung aus dem russischen Unterthanenverbande. Inzwischen war in Preußen die *) Nicht de la Roi — wie der Name manchmal verslümmrlt wird! bekannte Ausweisungsverordnung erlassen worden, und auch Bcckermann wurde von der Ausweisung betroffen. Alle Vorstellungen gegen die Maßregel, der Hinweis auf die erfüllte Bedingung der Entlassung aus dem russischen Unterthanenverbande waren erfolglos. Der Regierungspräsident beschied ihn abschlägig, und anch das Ministerium, an welches von der Regierung über den Fall berichtet wurde, entschied in ablehnendem Sinne. So bleibt denn dem hart Betroffenen, der eine Frau und fünf Kinder zu ernähren hat, nichts anders übrig, als in Amerika eine Zuflucht zu suchen, denn in Preußen darf er nicht bleiben und Rußland nimmt ihn nicht wieder auf, da er nicht mehr russischer Unterthan ist. England. Ramsgate, 31. Juli. Unter den Tausenden von Trauernden, unter denen Lord Rothschild, der Shcrif von London, der Mayor von Ramsgate und der von Margate sich befanden, die die Reste des großen und edlen Israeliten, Sir Moses Montefiore Baronet, vom Trauerhause zur ewigen Ruhestätte D*ncn cvnn -y begleiteten, befand sich auch mcineWenigkcit, einer der Rabbinen, die in dem von Sir Moses hu“'* gegründeten rmrvi ntcra brn* rvn die heilige Thora pflegen nnd ein gottesfürchtiges Leben führen können und dafür von dem großen Philantropen zu ihrcui Lebensbedarf reichlich versorgt wurden. Ich stehe hier als ein gebeugter Greis nnd kann nicht anders meinen bittern Schmerz als durch viele Thräncn lindern. Ich trauere nicht so sehr über den Verlust des großherzigen Wohlthäters, als vielmehr über den Verlust, der Israel betroffen und den die Gesanunthcit tief zu betrauern hat. Sir Moses lvar nicht nur ein wirklicher p'iu nnd ein seltener nmafr am o'ELt6 wv er hat auch stets seine Spenden so dargcrcicht, als wenn der Empfänger derselben ihn verpflichten möchte. Jerusalem ist in tiefe Trauer gehüllt; war er doch Einer von denen, auf die der Psalmist anspkelt: n'nx pay tsn o urrr msy nw. Auf sein Verlangen wurde eine steinerne Platte mit dieser Aufschrift in seinen Sarg gelegt. An den Eingang des Mausoläums wurden dem Dahingcschiedcnen zu Ehren schöne kostbare Tranerkränze gelegt, die von vielen Corvorationcn Londons, Ramsgates und Margates ihm gewidmet worden waren. Die Königin hat vermittelst eines Telcgrammes, das die hohe Frau an den Neffen des Sir Moses, den Mr. Josef Sebag gesandt hat, ihrer hohen Theilnahme Ausdruck gegeben. Der Sarg lvurde nicht auf einem Wagen geführt, sondern getragen und Alle drängten sich herbei, um unter den nron wj sein zu können. Als der Sarg bei raw