Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1885)
- Date
- 1885-08-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1056 Gewöhnlich citirt der Midrasch mir die AnfangS- Worte, wenn er irgend eine Belehrung daran zn knüpfen hat. Wo dies nicht der Fall ist, gehören die Einleitungswortc, die den Buchtitel bilden, dem Eopistcn des Werkes. Bekanntlich ist das Berhältniß ein gegentheiligeS, indem die Midraschim gewöhnlich nach den Anfangswortcn des citirten Verses genannt werden z. B. Midrasch rm, Midrasch 3112 -irnsr n. dgl. Im 5. Kap. zählt der Verfasser die Abweichungen des Midrasch vom masorctischen Texte auf, wobei manche unterlaufen, die durchaus nicht als Abweichungen vom überlieferten Texte gelten dürfen. So z. B. ist das zweite Beispiel -jccnni r6c3D -3'L-ri d’t:: pi Berachoth 48 a. ein Mat ans Ben Lira; wie bereits Zunz G. W. S. 102 (nicht wie es im Werke heißt: S. 152) auf Sirach VI, 32 hinweist. Aus diesem Werke citiien diese Stelle ausdrücklich Talmud Jcrnschalmi und Midrasch Rabba, wie der Berf. ja selbst anführt. Es ist daher unbegreiflich, wie er behaupten kann, daß sich im Buche Sirach „kaum ein schwacher Nachklang eines solchen Verses findet." Den Originaltext hat ja wohl der Verfasser auch nicht gesehen, so würde er uns diese Entdeckung nicht vorcnthalten haben, und in der syrischen Version steht der Vers ausdrücklich mit der wünschcuswerthcsten Deutlichkeit. Es geht doch nicht an, die ausdrückliche Quelle zu verlängncn und eine neue Quelle anznnehmcn, dort wo nichts davon steht, nur um eine Abweichung vom masoretischcn Texte herausznfindcn. Ueberhaupt handelt es sich bei den Abweichungen vom masoretischcn Texte, selbst wenn wir sie gelten lassen wollen, nur um minimale Unterschiede, nicht aber um radikale Textcsändernngen. Eine solche berechtigte Tcxtcsverschiedenhcit liegt z. B. in Nr. 1 vor, wo die Nabbinen statt ca''3 II, 3 dk '3 gelesen haben, worauf schon Norzi. aufmerksam macht. Was aber der Berf. zur Lesart anführt, daß hier das Makkef bei ca '3 fehlt, was sonst nie der Fall sein soll, so ist dagegen Folgendes zu bemerken. Die Accentnation gehört wie die Pnnktation der Masora an, es läßt sich daher von ihr kein Beweis für die Lesart des Midrasch anfnhren, denn dann würde die Masora gegen sich selber zeugen. Es ist doch kein Zweifel, daß die Masora an unserer Stelle DK liest. Ferner ist zu bemerken, daß überall das Makkef zwischen ca und dem folgenden Worte steht, nur an den drei erwähnten Stellen (Gen. 15,4; Rum. 35,33; Nchem. 22) steht c» zwischen '3 nndca, nicht wie der Berf. schreibt: „Nach der Masora seht dieses (sc., das Mattes) bei ca '3, mit Ausnahme von drei Stellen, sonst me." Was den Anschein erweckt, als wenn bei diesen drei Stellen das Makkef fehlen würde, während es gerade bei diesen drei steht. Unsere Stelle gehört zu einer anderen Klasse von Ausnahmen, wo das Makkef überhaupt gänzlich fehlt und beide Wörtchen mit Accenten versehen sind. Ein ganz ähnliches Beispiel findet sich Ps. 1,4 nach dem Zeugnisse der Masora und nach Ben Naftali Nnm. 24, 22. Zu S. 72 Anm. ist zu bemerken, daß das Verbot iY3n rprci wen rroiyc doch wohl ans dem Verse am ^a c’cirv hkqi und nicht wie der Vers, schreibt ans d3i>* — ec 3iy abzuleiten ist. Demnach sind auch die beiden anderen sehr gesuchten Erklärungen des Verfassers überflüssig. Erstaunen erregen muß es, daß der Verf. in dem Verbot von non rwpc „das Gebot der Achtung vor des Nächsten Wittwe" ansgedrückt findet —, denn dann brauchte sie ja nicht erst rroiyo zu sein und könnte auch freiwillig auf diese „Achtung" verzichten, was aber bekanntlich nicht der Fall ist. Nicht ans „Achtung" oder besser aus Rücksicht für die Frau ist die Verheirathung einer wen nprci maye verboten, sondern aus Rücksicht für das Kind, wie Iebamoth 42 d. ausdrücklich gelehrt wird, damit dessen Nahrung, die Muttermilch, ihm nicht entzogen werde. Klar ist demnach auch, daß unsere Weisen in unserem Verse eine Art stillschweigenden npn 3a vorgenommen haben, um daraus das erwähnte Verbot abzuleiten, oder besser, da es sich nur um ein rabbinisches Verbot handelt, daran anzulehnen, indem sie '’cuv hbqi so lasen, als wenn es mit rrcr geschrieben wäre, und von der „M u tt e r b ru st der Verwaisten" handeln würde. Wir sind aber weit entfernt, in jeder rrarn, die in irgend einer Weise eine Textesänderung bedingt, gleich eine Variante zu sehen. Es geht aber auch aus meiner Erklärung hervor, daß mao, im Midrasch und Jcrnschalmi nur ein Abschreiberfehler und keine Variante für 'itioi ist, denn sonst ginge ja die eigentliche Pointe der midrafchischen Auslegung verloren. S. 07 muß punktirt werden, wenn es bedeuten soll „uns hat gefragt;" und daselbst, wo es im Midrasch Mischle heißt, daß Salomo ähnlich geweißsagt hat, wie sein Väter David mit Bezug caen njn *)Tin, scheint der Midrasch ans yen asn cycic 1. Sam. 24, 14 anzuspielen, was dem Sinne nach dem ersteren Verse entspricht. S. 06. v-m by cpw heißt doch nicht „ruhig in seinem Verharren bleiben", sondern „ruhig auf sei-