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Der Israelit · 1885-08-06 · Heft 62 (6.8.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 62 (6.8.1885)
Date
1885-08-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1055 schicdenen aufeinander folgenden Philologischen Schulen ans uns gekommen ist, zu entledigen und beginnt lieber die Quellen der altjüdischen Literatur zu durchforschen, in denen die ältesten Traditionen, die ersten Anfänge der Grammatik und Wortforschung und die schon durch ihr Alter bedeutsamen Bestrebungen zur exegetischen Erforschung der biblischen Schriften verborgen liegen. Um namentlich die in Hinsicht auf die Exegese vielfach noch nicht zu Tage geförderten Schätze, die in den Midraschim verborgen liegen, zu heben, dazu bedarf cs einer eigenartigen Begabung. Denn erst dann, wenn sie ans der bis zur Entstellung und Unkenntlichkeit sie imigebenden Einhüllung befreit werden, gelingt cs, sie auch dem mit der Vortragsweise unserer Weisen minder Vertrauten,. in ihrem leuchtenden Glanze erscheinen zu lassen. Wer die Vortragsweise unserer Weisen kennt, weis; ja, daß cs ihnen bei ihren, zum Zweck der Belehrung veranstalteten, öffentlichen Vorträgen, die uns in der Hagr.da und in den Midraschim für die Zeit eines Jahrtausends vorlicgcn, weniger um die Erfassung des Wortsinnes, obschon dieser die unausgesprochene Grundlage bildet, als um die Verbreitung von Gcsctzcskcnntniß, moralischer Lehren, ethischer Lebensphilosophie und manchmal sogar praktischer für das religiöse Leben gültiger Maximen zu thun war. Sic gebrauchen selbst von dieser Art der Belehrung das Blld von den goldenen Acpfcln in silberner Einsapung. Wer daher den goldenen Kern finden will, must vorerst die ihn umgebende Hülle abstreifen. Der Titel des obigen Buches verheißt uns eine solche vielversprechende Arbeit über das Buch Mischte, deren erster Theil als Einlcitnng uns vorlicgt und auf das ganze Werk einen günstigen Schluß zu ziehen verstattct. Der Herr Verfasser zeigt schon in dieser Probe, daß er alle Erfordernisse besitzt, um eine solche Arbeit zur Ausführung zu bringen. Liebevolles Eingehen in die Sache, große Belesenheit im rabbinischen Schriftthum, innige, auf wissenschaftlicher Erkenntniß beruhende Vertrautheit mit der Eigenart rabbinischer Schriftforschuna stehen ihm ebenso zur Seite, wie er auch andererseits, durch seine ansgebreitete Kenntnis; der neueren exegetischen Literatur und durch philologische Bildung, befähigt ist, eine auf den Prinzipien einer rationellen Exegese beruhende Auswahl zu treffen. Das; der Verfasser gerade das Buch der Sprüche zu seiner Bearbeitung gewählt hat, hat, wie er in der Vorrede hervorhebt, darin seinen Grund, „weil die haggadische Auslegung, der cs doch meisteutl eils nur um die Hervorkehrung einer sittlichen Wahrheit zu thun ist, in diesen zusammenhanglosen, die Erfahrungen des Lebens und des Denkens in kurzen Sätzen znsammcnfaffcndcn Lehrsprüchcn bei der ihnen ohnehin innewohnenden ethischen Tendenz dem einfachen Wortsinne am allerwenigsten Abbruch zu thun brauchte und sich mehr als sonst an eine sinngemäße Wort- und Sacherklärung halten konnte und auch gehalten hat." Eine Klippe hat derjenige besonders zu vermeiden, der eine solche Arbeit unternimmt, nämlich das Unterschieben fremder, den Midraschlehrern fernliegender Gedanken, indem er statt ihre Worte sinngemäß ansznlcgen, ihnen seine eigenen oder fremde Gedanken unterlegt und sie etwas sagen läßt, woran sic nicht im. Entferntesten gedacht. Wer sich mit alten Schriftwerken eingehend und mit Liebe beschäftigt, gerätst ja naturgemäß sehr leicht in Gefahr, seine Lieblinge möglichst viel sagen zn lassen und ihnen fremde Gedanken zn snpponircn. Wir können dem gelehrten Verfasser das Zeugnis; nicht versagen, daß er nur selten in diesen Fehler verfallen ist. Ganz frei ist auch sein Werk nicht davon. So können wir z. B. seine Ansicht auf S. 22, 23 nicht iheilcn, das; die Rabbine» Bedenken gegen die Autorschaft Salomo's in Bezug auf das Buch Mischle hatten, weil es von ihm heißt, daß er dreitausend Sprüche verfaßte. Wir können nicht glauben, das; die Rabbinen diese Bedenken ernsthaft erwogen haben, weil das Vorhandensein von nur 915 Sprüchen doch nichts gegen die Autorschaft Salomo's, der solche dreitausend verfaßte, spricht, und auch in der vom Vers, angeführten Midraschstclle steht nichts davon. Was nnn die Frage betrifft, daß in 'unserem Sprnchbnche 915 Verse stehen, während der Midrasch an einer Stelle nur soo erwähnt, so möchte ich sagen, das; der Midrasch die zwei letzten Kapitel, die doch eine fremde Aufschrift tragen und sich dadurch als fremden Ursprunges deklariren, nicht mitgczählt hat, so daß dann nur 800 als runde Zahl bleiben. Der darüber gehende Nest wird in den Worten niNß nuettfr nnp angedcutct, wobei des nicht das minus sondern das plus markiren soll. Als nicht erwiesen betrachten wir ebenfalls, die Behauptung des Vers, auf S. 61, daß das Spruchbuch bei den Midrafchlchrcrn nm ied genannt wurde, weil der Midrasch zu diesem Buche mit einem Verse beginnt, der das Wort norn an seiner Spitze trägt, während sonst der Midrasch immer mit dem beginnt, das den Titel des Buches bildet. In Wirklichkeit gibt es viele Midraschim, die mit einem fremden, zum Titel des BncheS gar nicht in Beziehung stehenden Verse beginnen, lvie z. B. der Midrasch Nabba, viele Bücher im Jalkut n. a. m.

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