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Der Israelit · 1885-08-06 · Heft 62 (6.8.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 62 (6.8.1885)
Date
1885-08-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1054 andern Stellen, im Traktat Suckah t'. 53 a. und im zwölften Abschnitte der Aboth de» Nabbi Nathan. Die zuletzt angeführte Stelle gibt uns auch über die äußere Form und über das Wörtchen ^>r Aufschluß. Dort wird vorher eine andere Geschichte von Hille! erzählt 'ra?p;n rwyo. Hillel habe einst unterwegs Leute getroffen, welche Getreide in die Stadt brachten und für dasselbe einen ungebührlich hohen Preis forderten. Als er sie darüber zu Rede stellte, gaben sie ihm eine freche Antwort und nannten ihn einen babylonischen Narren. Gr aber, in seiner Sanstmnth, sprach ihnen freundlich zu und brachte es dahin, das; sie ihr böses Thun und Reden bereuten und sich besserten. Dann wird das Vorkommnis; unsrer Mischna erzählt und ganz folgerichtig mit dem Wörtchen eiugeleitet. In unsre MaßechLa jedoch wurde das erste Ereignis; nicht ausgenommen, tveil kein Lehrspruch sich daran knüpfte; das zweite dagegen, welches Hillel zu einem Lehrsprnch veranlaßte, erhielt in unveränderter Form in unsrer Maßechta seine Stelle. — Im Traktat Suckah gibt Nasch! zu unsrer Mischna eine Erklärung, durch welche die oben aufgeworfenen Fragen beantwortet werden. Raschi erklärt nämlich, daß Hillel in dem auf dem Wasser schwimmenden Schädel den Kopf eines berüchtigten Mörders erkannt habe, der gewohnt gewesen, die Köpfe seiner Opfer vorn Rumpfe zu trennen und ins Wasser zu werfen. Jetzt war ihm, wie Hillel wußte, von andern Mördern ein gleiches Schicksal bereitet worden, llnd nun sprach Hillel zu ihnl: Dich hat die Vergeltung erreicht. Diejenigen aber, die dich nicht gerichtet, sondern ohne Recht und Urtheil ermordet haben, werden ebenfalls der verdienten Strafe nicht entgehen. — Wir müssen uns vergegenwärtigen, daß Hillel in einer Zeit der furchtbarsten Parteikämpfe und Bürgerkriege lebte. Ein edomitischer Sklave, Herodes, hatte die Sprossen des hasmonäischen Königshauses bis aus eine Prinzessin, Marjamne, getödtet, diese letztere znm Weibe genommen und sich mit Hilfe der Römer auf den Thron von Judäa geschwungen. Vielen erschien das Joch, welches der idumüische Sklave ihnen aufgelegt hatte, unerträglich; Empörung folgte auf Empörung. Herodes bekämpfte die Aufrührer, besiegte sie und nahm blutige Rache. Parteihader und Bürgerkriege. zerrütteten das Land. Bandenführer zogen umher, brandschatzten Städte und Dörfer, ermordeten, beraubten die friedlichen Bürger und Landleute. Ein solcher Bandenführer mag es gewesen sein, ein. bekanntes Partcihanpt, der mi Kampfe mit andern Banden gefallen und dessen Schädel jetzt auf dem Wasser schwamm. Hillel, der Sanfte, der Friedliche, hielt sich, wie wir bereits im ersten Buche nachgewiesen, haben, von jedem Parteihader fern, und suchte auch seine Schüler davon fern zn halten. Er lebte ausschließlich dem Studium der Gotteslchre und der Erfüllung der Gottesgebote; dazu suchte er auch seine Schüler anzueifern. Als er nun den Schädel auf dem Wäger erblickte, sprach er, zwar den Schädel anredend, in der That jedoch zu seinen Schülern gewendet: „Das ist das Loos der Männer der Gewalt; es erreicht sie die Strafe für ihre Gewaltthaten; aber auch Diejenigen, welche Gewalt geübt, ohne dazu berechtigt gewesen zu sein, werden der Strafe nicht entgehen. Auch in der Mischna im Traktat Sotah f. 8 b. und 9 b. ist dieser Grundsatz ausgesprochen. l'b pT.a ,rQ THD HTB3 ..Mit dem Maße, mit welchem der Mensch mißt, mißt man ihm zu." Sims»», der bei der Wahl seiner Gattin nur der Lust seiner Augen folgte, wurde beider Angen beraubt; Absalon, der stolz auf sein schönes Haar gewesen, kam durch sein Haar zn Tode. Ebenso verhält es sich auch in Bezug auf das Gute. Da Joseph, der Vornehmste unter seinen Brüdern, sich mit dem Begräbnisse seines Vaters beschäftigte, wurde ihm das Glück zu Theil, daß der vornehmste Mann in Israel, das; Moscheh die Gebeine Josephs mit sich nahm. Als Moi'cheh starb und es keinen größeren Menschen gab, beschäftigte sich der Heilige, gelobt sei Er, mit dem Begräbnisse Moschc's. llnd für alle Frommen sorgt der allgütige Gott, wie es heißt (Jesaias E. 58, V. 8): „Und es wandelt vor dir her deine Gerechtigkeit, die Herrlichkeit Gottes wird dich aufnehmen." (Fortsetzung folgt.) Literarischer Bericht. Die Sprüche Salomo's nach der Auffassung im Talmud und Midrasch dargestellt und kritisch untersucht von Hermann Deutsch. Erster Theil. Einleitendes. Berlin, A.Mampe 1885. Es ist erfreulich zu sehen, wie sich in neuester Zeit die Ausmerksanikeit gelehrter Streife der Erforschung midraschischer Schriften und der in ihnen enthaltenen rabbinischen Exegese zuwendet. Ihr verdanken wir Wüusche's Midraschübersetzung, die neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete der neuhebräischen Grammatik und Lexikographie und verschiedene schätzeuswerthe Monographien über den Geist der midraschischen Auslegung. Und mit Recht sucht die mündig gelvordene Exegetik sich der Fesseln der althergebrachte» Wortforschung, wie sie durch die der»

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