Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1885)
- Date
- 1885-08-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. M «L Der Genirak - Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegeben von Dr. Lehman» in Mainz. Donnerstag, den «.August 5645 (1885). Leitende Artikel. Die Sprüche der Däler. XXXIII. Mainz, 3. August. ' Die nun folgende, sechste Mischna bietet dem Verständnisse viele Schwierigkeiten, sowohl dem Inhalte als der Form nach. Sie enthält nicht, wie die andern Lehrsätze dieser Maßechtha den unmittelbaren Ausspruch eines Weisen, sondern sie knüpft an ein Ereigniß aus Hiltels Leben an und erzählt unS, waS der Weise bei dieser Gelegenheit gesagt hat. Schon die Einleitung durch das Wörtchen p)»r scheint eine ganz unmotivirte zu sein; dieses Wörtchen hätte ganz gut wegbleiben können, ohne den Inhalt der Mischna zu verändern; eS scheint an ein anderes Ereigniß auzuknüpfen, welches uns jedoch hier nicht berichtet wird. Mehr Schwierigkeiten als die äußere Form bietet der Inhalt. Wir wollen zunächst die Mischna hier wiedergeben und dann auf das schwer Verständliche in derselben aufmerksam mache»; sie lautet: ->dn man by rEsizr nnx tb&ü rvtn Nin : pDU3’ 1'L'vv nsüNT by (rb) „Auch sah er einen Schädel, welcher auf dem Wasser schwamm; er sagte (zu ihm): Weil du ertränkt hast, haben sie dich ertränkt, und am Ende werden Diejenigen, die dich ertränkt haben, ertränkt werden." Die Erklärer werfen eilte Mellge Fragen allf. Zunächst ist zu fragen: Woher wußte Hillel, daß der Mensch, dessen Schädel er aus dem Wasser schwimmend erblickte, ertränkt worden war? Vielleicht war der Schädel in Folge irgend eines andern Umstandes in das Wasser gerathen. Zweitens iss zu erörtern, woher Hillel wußte, daß der Mann, dessen Schädel er hier erblickte, ein Mörder gewesen und einen andern Menschen ins Wasser geworfen? Lehrt die Erfahrung doch, daß viele Menschen im Wasser umkommen, die niemals einen Mord begangen. Woher weiß Hillel, das ist die dritte Frage, daß die Mörder in derselben Weise gestraft werden,' wie sie das Verbrechen begangen haben? Lehrt die Erfahrung doch, daß viele Verbrecher ruhig und friedlich in ihren Betten sterben, ohne daß sie in dieser» Leben für ihre Schaudthateu bestraft werden. Eine vierte Frage ist, warum Hillel voraussetzt, daß es Mehrere waren, die den Menschen, dessen Schädel er hier erblickte, ins Wasser geworfen? „Weil du ertränkt hast, haben s i e dich ertrankt. - Vorausgesetzt nun, daß dem so ist, wie Hillel sagt, daß nämlich ein Mörder durch dieselbe Todesart wieder aus der Welt geschafft wird, so ist zum Fünften zu erörtern : Wie kann man in aufstekgender Linie bis zu Adam, dem ersten Menschen, diesen Grundsatz aufrecht erhalten? Einmal muß doch ein Mensch ermordet worden sein, der nicht vorher einen Mord begangen. Auch die Thora, und das ist die sechste Frage, scheint diesem Ausspruche zu widersprechen. Die Thora berichtet uns von vielen Männern, die ermordet worden, ohne daß sie vorher eines Mordes sich schuldig gemacht haben. Wir wollen das bekannteste Beispiel herausgreifen. Wen hatte Abel ennordet? Und doch fiel er durch die Keule seines Bruders Kajm! Alle diese Erwägungen haben, wie Rasch! uns mittheilt, viele Leute veranlaßt, diese Mischna auszumerzen und sie beim Lesen der Sprüche der Väter nicht mitzusagen. Diese Leute sind jedenfalls zu weit gegangen; denn all die erwähnten Schwierigkeiten sind zu heben: auch ist es ganz unzweifelhaft, daß der in Rede stehende Ausspruch Hillels echt ist und von deul großen Manne herrührt, dem er nachgesagt wird. Wir finde» ihn nämlich, »och an zwei