Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 61 (3.8.1885)
- Date
- 1885-08-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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1041 Palästina. Jerusalem, 11. Tamus. Ich habe Ihnen heute eine betrübende Nachricht mitzntheilen. Gestern starb dahier der auch Ihnen bekannte Rabbi Jakob Saphir, Schwiegervater des Herausgebers des „Libanon" Herrn I. Bril, im Alter von 63 Jahren. Der Verstorbene, ein großer Talmudgeehrter, hat durch seine Reisen durch Egypten, Mmen und andere Länder große Berührutheit erlangt. Sein ted px, in welchem er seine iutereflanten Beobachtungen in anumthiger Sprache niederlegte, hat selbst in christlichen Gclehrtenkreiseu Aufsehen erregt. Algerien. Algier. Die jüngsten beklagenswe'then AusschrMungcn^gegeuffdie Israeliten haben mehr als eigenthümliche Erscheinungen zur Folge gehabt. Als im vorigen Jahre bei ähnlichen Vorfällen die Israeliten fick ganz ruhig verhielte», wurden sie der Feigheit beschuldigt: dieses Jahr haben sie sich wacker verchiÄigt, und nunmehr wurden sie zu härteren Strafen als die Excedenten verurtheilt. Der diesjährige Krawall wurde inscenirt, weil ein die Juden beschimpfendes Spcctakelstück für das Theater verboten wurde. Was thut nun unsere wohlweisliche Behörde: Nachdem ihr Verbot die Unruhen hervorgemfcn und viele Personen mit empfindlichen Strafen bedacht worden, erlaubt sie wieder die Aufführung des fraglichen Theaterstücks. Die Versuchung. Bo» Friedrich Rott. II. Die Damen empfahlen sich. Frau Lewison begleitete sie bis zur Straße, Hugo blieb allein in der Laube. Er warf sich wie ermüdet in einen Gartenseffel, ein Ausdruck tiefer Traurigkeit überzog sein bleiches Angesicht. „Alles umsonst!" — murmelte er vor sich hin, und sein jugendliches Haupt neigte sich sorgenvoll auf seine Brust. Bon unten her erscholl das fröhliche Lachen seiner Geschwister — er hörte es nicht — er gewahrte nicht den wunderbar schönen Anblick, der sich unmittelbar vor ihm entfaltete, wie der Sonnenball tiefer und tiefer sich neigte und mit purpurnem Glanze den ganzen westlichen Himmel überzog, und wie die Fenster in den Villen ringsum erglühten, als standen sie in hellem Feuer. «Hugo, Hugo! es brennt!" rief plötzlich die kleine Bertha, die eben den Hiegel hinauf rannte. Erschrocken fuhr der junge Mann ans seinem Sinnen und blickte ängstlich um sich. „Nun, sieh doch dort und dort und dort," sie deutete mit einem Finger auf die erglühenden Fenster und lachte überlaut, daß sie den großen Bruder geneckt hatte. „Warte nur, Du kleine Wilde, mich so zu erschrecken —" er drohte ihr lächelnd mit bem Finger. „Ich fürchte mich gar nicht vor Dir!" rief das kleine Mädchen lachend, indem sie. wieder hinunter zu den Geschwistern eilte, sich ihrer Großthat zu rühmen. Eben trat Frau Lewison wieder in die Laube. „Nun Hugo?" sprach sie, indem sie fragend zu ihm hinüberbliate. Er zuckte trübe die Achseln. „Es ist nichts, Mama - abermals nichts — kein Mensch will am Sabbath frei geben, und ich muß noch länger auf der faulen Haut liegen und Euch das Vrod von dem Munde wegessen! — O, mein (Sott!" Er schlug die Hände vor's Gesicht und ein schwerer Seufzer entrang sich seiner Brust. Frau Lewison war rasch zu ihm getreten und hatte ihren Arm um ihn geschlungen. „Hugo, Hugo, wie kannst Du so reden! wir leben ja jetzt alle von Deinen Ersparnissen, und auf Deine Kosten hat Papa die ihm so nothwcndige Badereise unternommen." Der junge Mann zuckte die Achseln. „Was ich erübrigen konnte, war so wenig, Ihr werdet es längst verbraucht haben, und jetzt liege ich, ein erwachsener, kräftiger Mensch, Euch auf dem Halse. — Wenn ich nur wüßte, wodurch ich mich versündigt habe. —" „LiebeS gutes Kind, sei doch nicht so mnthlos" bat die Mutter. „Du hast wohl recht, wenn uns Ungemach trifft, sollen wir vor Allem unfern Wandel prüfen, ob wir dieses Unglück nicht Verschuldet haben. Wenn wir aber keinen ernsten Fehler an unserem Thun entdecken, so muffen wir das Ungemach als eine Prüfung betrachten, durch das unser Vater im Himmel des kommenden Heils uns würdiger machen will. Nicht aber dürfen wir durch nutzloses Grübeln