Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 61 (3.8.1885)
- Date
- 1885-08-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1040 straft waren, daher ihr Wahlrecht nicht auSübcn konnten. England. London. Dem Andenken Sir Moses Montcsiore widmet die gesammte Londoner Presse Nachrufe und andere ehrende Worte. Als direkte Todesursache stellte sich eine Lungencongestion heraus. Ter greise Philantrop schied ruhig und friedlich aus dem Leben, umgeben von seinen Verwandten und Freunden. Bis zuletzt war er bei Bewußtsein. Zahlreiche Beileidstelegramme sind bereits von allen Seiten eingcgangcn. In der Stadt wie im Hafen wurden rasch Embleme der Trauer entfaltet. Das Rathhans von Ramsgate wird schwarz drapirt und der Bürgermeister hat seine Absicht kundgegeben, die Einwohner zu ersuchen, am Begräbnißtage ihre Läden zu schließen. Die Testamentsvollstrecker des Dahingcschiedcucn sind sem Neffe Herr Joseph Scbag, Lord Rothschild, Mr. A. Cohen, königlicher Justizrath und Parlamentsmitglied, sowie Dr. Löwe, der deutsche Sekretär Montesiore's. Das Bcgräbniß findet Freitag Nachmittag 2 Uhr statt, und zwar in dem Mausoleum 311 Ramsgate, welches Montefiore für seine verstorbene Gattin errichten ließ. London, Dienstag Abend, 28. Juli cn:c t"d. Die soeben von Ramsgate eingetroffene telegraphische Nachricht von dem Ableben des edelsten aller Menschen — „Sir Moses Montcsiore" erregte tiefe Bestürzung in unserer Metropole. Herzzerreißend erschallt der Ruf der Zeitungsverkäufer an allen Straßenecken der Stadt: Traurige- Nachricht! Sir Moses ist todt! Jeder fühlt, als wäre ihm sein nächster Anverwandter entrissen worden. — Die Nachricht verbreitete sich so schnell, daß schon die Abendblätter das Ableben des großen Mannes verkünden. — Sämmtliche Verwandte, die gesammte Dienerschaft war rings um das Sterbebett versammelt, in welchem der edle Sir Moses bei dem btmr pQw-Ruf der Anwesenden seine reine Seele aushauchte. — Seine irdischen Ueberreste werden Freitag zur Erde bestattet. London. Nach längeren Debatten hat der Vorstand der hiesigen Reformgemeindc, Berkcley- Jsracl-Synagogc, folgenden Beschluß gefaßt: Diejenigen Personen, die bereits Mitglieder der Gemeinde sind oder es werden wollen, welche eine Ehe eingegangen haben oder einzngehdn beabsichtigen, die von einem Beamten der Synagoge nicht eingcsegnet werden kann, können fernerhin nicht Mitglieder bleiben, resp. werden. Doch steht der Verwaltung die Bcfugniß zu, solchen Personen einen Sitz in der Synagoge zu vermiethen; auch sollen sie auf dem Gemeindcfriedhofe einen Platz haben dürfen, wenn sie außer dein Seffclmiethgeld jährlich eine halbe Guinee bezahlen. Andere den Mitgliedern zustchenden Rechte können sie nicht erlangen. Rußland. Petersburg, 24. Juli. Die unter Vorsitz des Grafen Pahlen tagende Inden-Commission hat ihre Arbeiten fast beendet und dürfte bei ihrem Zusammentritte im September der Regierung ihre endgiltjgcn Vorschläge unterbreiten. Gewöhnlich gut unterrichtete Blätter theilen auch die wichtigsten Punkte dieser Vorschläge, betreffend das Ansiedlnngsrccht der Juden in ganz Rußland, mit. Bekanntlich ist den Juden in den rein russischen Gouvernements die Ansiedlung verboten. Die Inden- Commission stellt nun nachstehende Anträge: „Es sei den Juden die Niederlassung in ganz Rußland unter folgenden Beschränkungen zu gestatten: 1. daß sie mit dem Staate keine Geschäfte machen; 2. daß ihnen die Erzeugung und der Handel mit Getränken verboten wird und 3. daß sie keinen Geldhandel treiben, noch an demselben theilnehmen. Diese Beschränkungen sollen auch auf getaufte Juden, nicht aber auf deren Kinder Anwendung' finden." Sollten diese Anträge der Juden-Commission von der Regierung genehmigt werden, so wäre der erste Schritt zur Gleichberechtigung der russischen Juden geschehen. Auf Congreß-Polcn, Littauen und die übrigen südwestlichen, dem ehemaligen Königreiche Polen angehörenden Gouvernements werden, wie bekannt die Beschlüsse der Inden-Commission keine Anwendung finden, weil die dortigen Juden ohnehin eine gwiffe GleichberechtigungMnießen. Petersburg, 30. Juli. Auf Befehl des Kaisers ist die Aufnahme jüdischer Studircnden in dem Charkow'schen technologischen Institut auf 10pCt. der Gesammtzahl der Studenten des Instituts zu beschränken. A m e r i k a. New-Uork, 9. Juli. Seit heute ist die Zahl der dahier erscheinenden jüdischen Zeitungen um eine vermehrt worden. HerrDr. Morris Wechsler gibt eine „New-Iorkcr jüdische Zeitung" in deutscher Sprache in hebräischen Lettern gedruckt, heraus, die dem Programme gemäß für die zahlreich jüdische' Arbeiterbcvölkcrung berechnet in streng orthodoxem Sinne geleitet werden wird.