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Der Israelit · 1885-08-03 · Heft 61 (3.8.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 61 (3.8.1885)
Date
1885-08-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1039 Gegenwärtige Brochüre wurde zu dem Zwecke geschrieben, um die allgemeine Aufmerksamkeit auf diese Cxcesse zu lenken. Wie mehrere publicistische Organe, verlangen auch wir die Einleitung einer Untersuchung, und zwar einer ernsten unparteiischen Untersuchung. Schließlich wollen wir bemerken, daß Jedermann die Brochüre auf Verlangen franco und gratis von Herrn Sigismund Simmel, 12 Hciligegeiststr. Berlin zngesandt erhält. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Karlsruhe, 28. Juli. Die französische Armee zählt nach den „Morning News" gegenwärtig folgende Offiziere israelitischer Eonfcssion in ihrer Mitte: 5 Generäle, 5 Obersten, 9 Obcrstlicntenants, 25 Majore, 90 Hauptlcute, 89 Prcmierlicutenants und 104 Sckondelicutenants. In Preußen kann gegenwärtig ein Israelit nicht einmal Rescrvc- Licntenant werden. Kassel, 26. Juli. Bor Kurzem verstarb hier der Redakteur Heu nies, der Herausgeber eines unserer beiden Judenhcvblättcr, genannt „Geldmonopal." . Das „Frankfurter Journal" weiß über diesen Edlen Folgendes zu berichten: Herr Hennies, früher Gutsbesitzer, war, wie ihm von seinen Parteigenossen nachgerühmt wurde, stets ein unerschrockener Kämpfer für die Befreiung des christlichen Volkes von „jüdischer Aussaugung" gewesen. Sein Bestreben war imhin gegangen, dem kleinen Manne den Weg zu zeigen, wie er auf billige und redliche Weise Geld erhalten könne, ohne von den „semitischen Wucherern" ausgcpreßt zu werden. Im Verlaufe des Bestehens seines Blättchens wurde Hennies vom hiesigen ^Schöffengericht wiederholt wegen Beleidigung und Vorbringung unwahrer Thatsachen gegen jüdische Mitbürger zu Geldstrafen und mehrmals auch zu Gefängnis; vcrurtheilt. Er hatte aber nie eine Haftstrafe verbüßt, da sein leidender Zustand ihm zur Entschuldigung diente und ihn davor schützte. Jetzt ist der Wackere dahin gegangen ins Jenseits und was stellt sich nun heraus? Herr Hennies, der Brave, der das deutsche Volk so mannhaft vor den Wucherern zu schirmen verhieß, hatte an 30,000 M., den größten Theil seines Vermögens, dem hiesigen Rückkaufshändler Bräutigam zu 10 Prozent, geliehen!! DieThatsache kam jetzt dadurch ans Tageslicht, daß der betreffende Rückkaufshandler jüngst mit Hinterlassung einer Menge Passiva das Weite gesucht und wahrscheinlich auch das, was er noch vom Hcnnics'schen Kapital in Händen hatte, mitgenommen hat! Der Fall liefert nun die zweite charakteristische Enthüllung über das wahre Wesen der Führer unserer Kasseler Antisemiten, nachdem früher bereits der Buchhändler Maurer, einer ihrer größten Heißsporne, so kläglich Schiffbruch gelitten hat. Es wäre zu wünschen, daß auch inmitten des allgemeinen konservativen Lobgcsanges auf Herrn Stöcker nicht ganz vergessen würde, als welche Patrone sich die Mitkämpfer des Herrn Hofprcdigcrs entpuppen. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Nrigarisch-Hradisch, 24. Juli. Es ist gerade, ein Jahr her, seit hier ein heftiger Wahlkampf zwischen dem Statthalter Grafen Schönborn und dem Bürgermeister Protzkar um das Hradischcr Landtagsmandat stattfand. Bald nach der Wahl gelangten an die Behörde von czechischcr Seite Anzeigen von unlauteren Wahlumtrieben, insbesondere wurden die jüdischen Wähler von Bescnz beschuldigt, mit unerlaubten Mitteln, namentlich durch Stimmcnkanf für die Eandidatur Protzkar's cingetrcten zu sein. Ter Staatsanwalt sah sich veranlaßt, in Folge zahlreicher Zeugenaussagen gegen 14 Personen die Anklage nach Artikel 6 des Gesetzes vom 17. Dez. 1862 zu erheben. Unter den Angeklagten befindet sich auch der Bürgermeister der Jndeugemcinde von Bisenz, Namens Löw; einer der Angeklagten, Leopold Reich, ist vor Kurzem gestorben. Heute Vormittags begann vor dem Kreksgerkchtc Ungarisch- Hradisch die Schlußverhandlung, zu welcher der Staatsanwalt 26 Zeugen vorgcladcn hatte. Bei dem großen Zudrang des Publikums zu diesem Prozesse hatte man den großen städtischen Rcdoutensaal für die Verhandlung gewählt. Dieselbe wurde jedoch auf unbestimmte Zeit vertagt, da der Vertheidkger Dr. Scherer mehrere Dringtichkeitsanträge gestellt hatte, über welche das Gericht unverweilt Erhebungen einzulcitcn beschloß. Die Vertheidigung begehrt: die Requisition der auf die Landtagswahl im Städtebczirke llngarisch-Hradisch, Ungarisch-Ostran und Wessely bezughabenden Acten von Seite des mährischen Landcsausschusses; weiters die Requisition des Steueramtes Ungarisch-Ostranwcgen amtlicher Auskunft darüber, mit welchen Steuerbeträgen die von der Staatsanwaltschaft geführten Zeugen, welche bei der Landtagswahl ihre Stimme abgegeben haben sollen, in den Steuervorschreibungen angeführt erscheinen, und ersucht schließlich um die Requisition der Strafacten, denen gemäß einzelne Belastungszeugen in den letzten Jahren wegen Diebstahls be-

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