Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 61 (3.8.1885)
- Date
- 1885-08-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1038 thun ift leicht, allein ich kann im Voraus behaupten, daß cs zwecklos sek, denn Niemand wird in unserem Diftrict gegen Porumbar auftreten. Der Staatsanwalt sowohl als auch die Polizei verhalten sich in derartigen Fällen unthätig und sagen dem Kläger höchstens: „Gehe ein andermal nicht hin." Der Advokat schloß mit den Worten: „Ich gestehe als Rumäne, daß ich mich schäme, mein Land in einen solchen Zustand gerathcn zu sehen." Diese Aeußerung belehrte mich zur Genüge, daß wir das Willkürregiment noch längere Zeit werden ertragen müssen. Einsehcnd, daß eine Klage resultattos verlaufen würde, nicht gewillt, Zeit und Geld unnützer Weise zu vergeuden, beschloß ich endlich abzureisen, gleichzeitig aber mein trauriges Erlebnis; zu veröffentlichen, um der Welt zu zeigen, welche Zustände hier herrschen und welche liebergriffe sich Individuen wie Porumbar und seine Leute erlauben dürfen. M. Heinrich Schein." Die israelitische Presse stigmatisirte diese Brntalitäten in der energischsten Weise und dies hätte wohl den Protest selbst schuldbeladener Leute Hervorrufen sollen; allein weder der Leiter der Fabrik, Herr Porumbar, noch auch seine Leute fanden es für uöthig, auch nur ein Wort zu erwidern und die Behörden sowohl, als auch die rumänische Presse, welche sonst alle auf die Juden bezüglichen, auch noch so geringfügigen Vorfälle aufgreift, beobachteten diesem Ereignis; gegenüber absolutes Stillschweigen. Der Eindruck dieser Gräuclsccncn war noch nicht verwischt und schon ereignete sich ein zweiter Fall: Es war anfangs Februar 1884, als ein ambulanter Bücher-, Bilder- und Zeitungsverkäufer Namens Leon Schwarz, welcher weder den Fabriksleiter Porumbar, noch dessen jndenfeindlicke Gesinnung kannte, nach Vacau kam und daselbst in öffentlichen Localen seine Waare feilbot. Unglücklicher Weise wandte er sich auch an Porumbar und dieser in dem Händler einen Juden erkennend, ergriff sofort eine Feuerwaffe und drohte ihn mederzuschießcu. Schwarz sank erschreckt in die Knice und bat um Verzeihung, da er nicht gewußt habe, daß cs einem Juden nicht gestattet sei, ihm Waare anzubieten. Alles Flehen war jedoch fruchtlos, denn Porumbar warf den Händler zu Boden und schlug unbarmherzig auf ihn los; als es diesem endlich gelang zu entwischen, wandte er sich der Reihe nach an die Polizei- und Gerichtsbehörden, aber überall wurde ihm die Antwort zu Theil, daß ihm nicht zu helfen sei, da man gegen Porumbar nicht Macht habe, einzuschreiten. Dies sind nur einzelne Züge zur Eharakteristik eines Menschen, welcher die Unsterblichkeit nach Art Herostats anftrebt; die Brochüre zählt noch zahlreiche andere markante Fälle auf. Verfasser gelangt zu folgendem Resnme. Aus den wenigen Thatsachen welche zur Kenntnis; der Presse gelangten, resultirt folgendes: Seit mehr als zwei Jahren befinden sich die Juden in Bacau unter einer terroristischen Herrschaft und ein über den Gesetzen stehendes Individuum, beschützt von einem unsichtbaren Protektor, der Straflosigkeit sicher, mißhandelt jeden Israeliten, der in seine Hände fällt. Die Klagen der verschiedenen Opfer blieben stets wirkungslos und werden für immer in den Archiven begraben. Dieses über den Gesetzen stehende Individuum nennt sich Radn Porumbar und sein Personal hat sich an den Juden vergriffen, so oft cs derselben habhaft werden konnte. Porumbar hat sein Personal direct und indirect derart drcssirt und organisirt, daß die Papierfabrik zu einem Heerd der Indengnälerei, der Judcnfolterung, ja zu einer Jnquisitionsstätte geworden ist. Wohl wissend, das; sie nicht bestraft werden, begnügen sich die Arbeiter nicht blos damit, Juden gewaltsam in die Fabrik zu schleppen und sic. .dort Torturen zu unterwerfen, sondern sie durchziehen auch in Gruppen die Straßen von Vacau, werfen die Fenster der von Inden bewohnten Häuser mit Steinen ein, provociren Skandale und mißhandeln die jüdische Bevölkerung. Die Polizei- und Gerichtsbehörde treffen keinerlei Maßnahmen, solche Excesse zu verhindern, selbst wenn dieselben direct zur Anzeige gebracht werden. Ein solcher Zustand ist für die Dauer unleidlich. Eine Negierung, die sich selbst achtet und welcher daran gelegen ist, daß die constitntionellen Freiheiten auch zur Anwendung kommen und nicht blos ein todtcr Buchstabe bleiben, mußte sich bemühen, diesen anarchistischen Zuständen ein Ziel zu setzen. Es ist weder politisch, noch mit den heutigen socialen Zuständen vereinbar, daß eine angeblich liberale Regierung solche Ausschreitungen duldet, welche nach den Strafgesetzen nicht blos der civilisirten Länder mit schwerem Kerker oder Zuchthaus bedroht sind, und wenn dies dennoch geschieht, so hat sie allein auch die volle Verantwortung zu tragen.