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Der Israelit · 1885-08-03 · Heft 61 (3.8.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 61 (3.8.1885)
Date
1885-08-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1037 flfluit denselben zu prügeln. Hierauf sagte er zü aus: „Ich glaube, Ihr seid ebenfalls Juden?" Mittlcrwcile waren noch zahlreiche andere Arbeiter aus der Fabrik herbeigekommen, und als ich zu ahnen begann, das; man nichts Gutes mit uns vorhabc, befahl ich dem Kutscher rasch davon zu fahren. Die Pferde zogen an, aber gleichzeitig eröffnet«? die Arbeiter ein förmliches Bombardement mit Steinen nach uus und ein Pferd wurde so unglückich getroffen, daß cs zusammcnbrach. Da die Arbeiter auf uns zuliefen und die Gefahr augenscheinlich eine große war, so sprangen wir aus dem Wagen und liefen deni Bistritzer Canal zu. Zuerst wurde mein Freund ergriffen, während ich mit größerer Ausdauer begabt, noch immer vorwärts stürmte, um die große Landstraße zu gewinnen, wo ich sicher zu sein glaubte. Meine Hoffnung war jedoch eitel, denn man hatte zu meiner Verfolgung einen Reiter, sowie einen mit Arbeitern besetzten einspännigen Wagen abgcscndct imd von diesen wurde ich leider nur allzuschncll erreicht, namentlich da ich bereits trmübct war. Nun wurden mir die Füße mit einem Strick gefesselt, man streckte mich ans den Sitz des Wagens, band mich daran fest und beganu mich in unmenschlicher Weise zu prügeln, sowie mit Stock- und Faustschlägen zu bearbeiten und alles dieses nur aus dem Grunde, weil ich ein Jude bin. Schließlich wurde ich ohnmächtig und als ich wieder das Bewußtsein erlangte, bemerkte ich, daß die Arbeiter ans meinem Körper saßen. Während der Fahrt zogen mir dieselben einen werthvollcu Ring vom Finger, nahmen mir nicine Börse ab, zogen mir die Stiefel und Kleider aus, so daß ich beinahe nackt in der Fabrik oder besser gesagt, im Jncprisitionspalastc anlangtc. Nun traten ungefähr 10 dieser Banditen zu einem Kriegsrathe znsammcn und bcriethcn, noch nicht zufrieden, mich blrttig geschlagen und beraubt zu haben, was mit mir auzufangen sei, wobei man mich fortwährend mit deni Tode bedrohte. Einer sagte zu mir: „Dieb!" (ich war nun der Dieb und Jene die ehrlichen Leute) „wir wollen Dich mit Petroleum begießen und dann anzünden;" ein anderer schlug vor, mich gebunden in den Keller zu werfen, mich dort längere Zeit hungern zu lassen und daun zu tödtcn. Ich nun* auch völlig auf den Tod gefaßt und nur Gott gab mir die Kraft, alte erlittenen Mißhaudelungeu zu überstchcn. Vorher war mein Begleiter bereits in der Fabrik cingctroffen und auch ihm war eine gleiche Behandlung zu Thcil geworden. Einige italienische und deutsche Maschinisten, welche vo« unserem Schicksal gerührt waren, wandten sich mm mit der Mtte an ihren Vorgesetzten, er möge uns, die wir bereits halb todt waren und nicht mehr zu sprechen vermochten, in Freiheit setzen. Tie' Arbeiter widersetztcn sich dem jedoch und behaupteten, um ihr grausames Verfahren einigermaßen zu rechtfertigen, ich hätte ein Messer gegen sic gezuckt, was natürlich eine Lüge war, da ich ein solches gar nicht bei mir trug. Endlich gelang cs den Maschinisten doch, mich aus den Klauen jener Henkersknechte zu befreien, man gab mir meine Kleider und Stiefel zurück, doch konnte ich die letzteren nicht mehr anziehen, da meine Füße wund und geschwollen waren; mein Ring aber und meine Börse blieben in den Händen der Räuber und zwar wie einer derselben erklärte, als Entschädigung für sein Hemd, welches er im Kampfe mit mir zerrissen hatte. Ein italienischer Maschinist rief uns zu, so rasch als möglich die Flucht zu ergreifen und fügte hinzu, wir könnten von Glück sagen, daß Porumbar abwesend sei, sonst wäre es uns noch viel schlimmer ergangen.. Da ich nicht gehen konnte, wurde ich von meinem Kameraden zum Wagen beinahe getragen, aber auch der Kutscher war in barbarischer Weise geprügelt worden und lag auf der Erde hiugesircckt. So wurde ich denn - bis zum nächsten Eisenbahn-Wächterhaus tronsportirt, wo ich um Gastfreundschaft bat, die mir auch Seitens des Wächters (eines Rumänen) zu Thcil ward und dessen Familie ließ mir alte erdenkliche Pflege zu Thcil werden. Mittlerweile hatte sich mein Gefährte nach der Stadt begeben und kehrte nach zwei Stunden mit einem Wagen zurück, in den ich gehoben und nach meinem Hotel gebracht lvnrde. Meine Freunde und Bekannten, welche, da das Borgesallene in der Stadt bereits bekannt geworden war, mich anssnchten, waren besorgt über den Zustand, in welchem sie mici) antrafeu, gleichzeitig aber hielten sie cs für ein Glück, daß Porumbar nicht in der Fabrik anwesend nun, da ich sonst sicherlich mein Leben cingcbüßt hätte. Nach zweitägigen Leiden konnten mich erst meine Beine wieder tragen und auch heute bin ich noch krank. In solcher Lage, verehrter Leser, befiuden sich die Israeliten in Rumänien, sic sind keinen Augenblick ihres Lebens sicher und Derjenige, welcher sic bedroht, wird noch von der Regierung unterstützt, wie dies z. B. bei Porumbar der Fall ist, dessen Verwaltung de» Actionären bereits vcrhanguißvoll zu werden beginnt, der sich aber trotzdern ans seinem Posten behauptet, weil er sich in der Mißhandlung der Juden als Meister erwiesen hat. Nachdem was mir passirt war, fand ich es für angezeigt, einen hervorragende» Advokaten in Bacau zu consultircn, damit derselbe die Anzeige bei der competenten Behörde erstatte. Derselbe sagte mir jedoch Folgendes: „Dies zu

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