Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 61 (3.8.1885)
- Date
- 1885-08-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1036 Diese Schlußworte unserer Mischnah haben noch eine Reihe anderer Erklärungen hervorgerufen. Nach einer derselben treten sie :» Gegensatz zu den Arifangsworten der uns in diesem Kapitel tradirten Aussprüche Hillels, und zwar zu den Worten bn -»am p Bfren. „Sondere dich nicht ab von der Gemeinde". Diese Worte haben nur dann Giltigkeit, wenn die Gemeinde aus Männern besteht, die sich bestreben, durch gemeinsames Wirken Gott zu dienen und Seine heiligen Gebote zu beobachten; an einem Orte aber, an welchem es keine Männer gibt, an welchem man sich vielmehr bemüht, durch allerlei gesetzwidrige Einrichtungen Gottes Gesetz zu zerstören und zu verletzen, da bemühe du dich, Mann zu sein, da lasse dich nicht verleiten, das Leben und Treiben der Andern nachzuahmen; bestrebe dich vielmehr, ein Mann zu sein in des Wortes wahrhafter Bedeutung, wie es heißt: niw* 't ns nt rx „Heil dem M a n n e, der Gott fürchtet!" Dieser Erklärung kommt eine andere sehr nahe. Wir haben oben gesehen, das; die höchste Stufe der Vollkommenheit nur durch den lebendigen Umgang mit den großen und weisen Männern des Zeitalters zu erreichen ist. Wenn aber an deinem Wohnorte solche Männern sich nicht vorfinden und es dir die Verhältnisse nicht gestatten, die Männer aufzusnchcn, die dich genügend belehren, die dich vor Uebertretnngen und Sünden eindringlich warnen, die dich zn einem gottgefälligen Leben und zur sorgfältigen Beobachtung der Gottesgcbote ermuntern könnte», so gib doch das Streben nach Bervollkommenung nicht aus, sondern bemühe dich, aus dir selbst und durch dich selbst die höchste Stufe der Bervollkonnnennng zu erreichen, ein Mann zn werden in des Wortes bester Bedeutung. Eine dritte Erklärung ist die folgende. So Jemand durch Tugend und Frömmigkeit, durch Thorakenntniß und Weisheit alle seine Genossen überragt, so soll er doch nicht aufhören zu streben. Er soll nicht denken: Ich weiß und bin mehr als all die klebrigen; wozu soll ich mich noch weiter bemühen und rastlos meine Kenntnisse zu vermehren suchen? Zu einem Solchen spricht Hillel: Selbst an einem Orte, an welchen es nicht Männer gibt (die dir gleich kommen), selbst dann laß es dir an dem Errungenen nicht genügen, sondern bemühe dich, immer weiser, besser und vollkommener, bemühe dich, ein Mann zn werdet;! — Nach dieser Erklärung sind die in Rede stehenden Worte ähnlich aufzusassen wie diejenigen Hillels in den 13. Mischnah des 1. Kapitels: *yo» ^did nHi „Wer nicht fortschreitet, geht zurück." Zum Schlüsse wollen wir noch eine andere, sehr geistreiche Erklärung anfügen. Biele Menschen sind nur dann tugendhaft und gottesfürchtig,. wen» sie sich von andern Menschen beobachtet wissen, sind aber nicht stark genug, der Versuchung zu - widerstehen, wenn sic sich alle!:: befinden und glauben, daß ihre schlechten Thaten nicht an das Licht kommen. Einem Solchen ruft Hillel zu: Selbst an einem Orte, an welchem Menschen sich nicht befinden, an welchem du vielmehr allein, in der tiefsten Verborgenheit bist, selbst an einem solchen Orte bemühe dich, Mann zu sein, männlich der Versuchung entgegenzutreien und sic zu überwinden. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Bericht. Radu Porumbar und seine Gräuelthaten in der Papierfabrik zu Vacau in Rumänien, Leipzig, Oskar Lein er. (Schluß). Padu Turcului, 26. Januar 1885. „Der Unterzeichnete beehrt sich das Ersuchen an Sie zu richten, die nachstehenden Zeilen i» Ihrem Blatte abzudrucken, damit das Lesepublikum die Folgen und Wirkungen der Errichtung der Bacauer nationalen Papierfabrik unter der Directiou des berüchtigten Ruda Porumbar kennen lerne. „Der Unterzeichnete war das Opfer einer geradezu unerhörten Mißhandlung, sowie der Plünderung Seitens der Satelliten Porumbars und wie es dabei zuging, sei hiermit genau erzählt." „Ich kam aus der Provinz nach Bacan, um daselbst einige Geschäfte zn erledigen und Geld bei der Eentralcape zu erlegen. Nachdem dies geschehen war, unternahm ich mit einem meiner Freunde Montag den 23. Januar a. c. Nachmittag 4 Uhr eine Spazierfahrt auf der nach der bezeichneten Fabrik führenden Chaussee. Als Fremder betrachtete ich von Weitem die Mauern des Gebäudes und der Kutscher richtete die Frage an mich, ob er uns dahin führen solle. Ich war neugierig geworden, diese Fabrik zu sehen, freute mich überdies über den Fortschritt ans den; Gebiete der nationalen Industrie und befahl daher dem Kutscher nach demEtablissement zu fahren. Kaum hielt aber der Wagen auf dem Territorium desselben, als sich uns ein Mann, oder besser gesagt, ein Sbirre der Inquisition näherte und uns die Worte zudonnerte: „Hier darf kein Wage;; eines Juden verkehren!" worauf er sich sofort auf den Kutscher stürzte, den er für einen Juden hielt, obschon er ein Rumäne war und be-