Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 60 (30.7.1885)
- Date
- 1885-07-30
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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— 166 — v/anderang ins heilige Land zu warnen (und wir fürchten fast, dass es noch nicht die Letzten waren). Wenn nun Leuten, die auf eigene Kosten hierher gereist sind und aus eigenem Geldbeutel sich angesiedelt haben, es so ergangen ist, wie erst Denen, die auf fremde Kosten hierher gezogen! Auf diese Weise wird das Geld der Zionsfreunde vergeudet und bewirkt nur Schlimmes. Denn nicht nur wird das heilige Land bei seinen bisherigen Freunden in Misseredit gebracht, sondern auch die Gegner dieser Auswanderung, welche immer dem heiligen Lande abhold waren, stützen sich auf derartige Misserfolge, um der Menge zu beweisen, dass sie Recht hatten, wenn sie von vornherein von diesem Project abriethen. Wenn daher die Colonisation prosperiren soll, so muss ausser dem Ackerbau noch eine andere Erwerbsthätigkeit aufgesucht werden, es muss dem Handwerk eine Stätte gegründet werden. Mit besonderer Freude begrüssten wir daher die uns zugekcmmcne Mittheilung, dass der hochverehrte Zions- und Menschenfreund, der edle Herr Wisotzky aus Moskau nächstens hierher kommen werde. Von dem Besuche dieses hochedlen Mannes, der in der Zeitschrift bereits für Bau von Fabriken das Wort ergriffen hat, hoffen die Bewohner Zions eine Bessergestaltung ihrer Zustände. Wir hören zwar den Einwand, dass es Handwerker schon mehr als genug in Jerusalem gebe, was sollen also noch" Neuankömmlinge? Diese Frage kann aber nur von Solchen ausgehen, die, an oberflächliches Urtheil gewöhnt, über die Zustände Palästinas ebenso oberflächlich sich ausdrücken. Wer jedoch den Gegenstand gründlich erwägt, wird eiusehen, dass viele Handwerke in Jerusalem noch gar nicht vertreten sind und dass auch die vorhandenen noch lange nicht allen Ansprüchen gerecht zu werden geeignet sind. Hierzu kommt noch, dass noch viele Plätze in der Umgebung Zions von Juden unbewohnt sind.und hierauf möge hauptsächlich das Augenmerk aller Zionsfreunde gerichtet sein. Sowohl den bisherigen Einwohnern, als auch den Einwanderern würde es zum grössten Segen gereichen, wenn solche Orte bewohnt würden. Nur auf diese Weise kann die Colonisation des heiligen Landes auf solidere Bahnen gelenkt werden. Die Mittel zur Erreichung dieses Zieles liegen nicht so fern und sind durchaus nicht so schwierig, wenn anders die Ausführung richtigen, geeigneten Männern anvertraut wird. Eine weitere Aufgabe der Zionsfrennde besteht darin, möglichst viele Häuser zu bauen und sie Denjenigen zu überlassen, welche beim Bezug derselben 3/3 oder der Baukosten baar und so jedes Jahr eine bestimmte Summe so lange bezahlen, bis das Haus ihr Eigenthum ist. Anf diese Weise findet Jeder Unterkommen. Der vor zehn Jahren in London gegründete Montefiore-Verein MWQ rTOTÖ™ hat in den letzten Jahren in diesem Sinne zu wirken gesucht, allein ausser mancherlei Hindernissen ist die Leistung, bei aller Anerkennung für das edle Streben des Vereins, nur eine geringe gegenüber dem Bedürfnisse, das' von so schwerwiegender Bedeutung ist, dass jede Stunde, welche die Verwirklichung zeitigt, eine willkommene genannt zu werden verdient. In einer Zeit, wo fast alle Völker der Welt wetteifern, Grund und Boden in Palästina zu erwerben, wo ihnen keine Summe zu gross ist, um sich daselbst Besitzthum zu verschaffen, wo die Häuserpreise tagtäglich im Steigen begriffen sind, — in einer solchen Zeit dürfen wir Israeliten gewiss nicht rnüssig die Hände in den Schooss legen. Darum auf, Brüder, zur grossen und segensreichen Thai! — Aus der Colonie jVUfcf? Die Lage cler Colouisten auf jys1? jVwSO gestaltet sich nun allmählich besser; wir haben einen kleineu Erfolg aufzuweisen, und das giebt frischen Muth. Die Colouisten, sowie die Aufseher wissen jetzt ganz gut, dass sich der Boden der Colonie nicht zum Getreidebau eignet; sie haben deshalb jetzt angefangeu, ihre ganze Kraft dem Weinbau und der Viehzucht zuzuwenden. Seit dem Anfänge der Regenzeit bis jetzt sind die Colouisten damit beschäftigt, Gräben zu machen um Reben einzulegen, wobei sie von etrra 100 arabischen Bauern unterstützt werden, die ihren Tagelohn von den Aufsehern erhalten. Anfangs dachte man, nur französische Weinstöcke zu pflanzen, da diese in der Umgegend von Jaffa den Vorzug vor allen anderen verdienen. Herr Usubitzky, der Aufseher der Colonie, wollte 65000 in ITlpÖ