Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 60 (30.7.1885)
- Date
- 1885-07-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1024 man vielmehr die Mißhandlung derselben seitens angestellter Beamten so viel als möglich verhindern muffen, denn sehr richtig sagt ein unparteiisches Organ in Jassy: „Ein industrielles Unternehmen bedarf, wie überhaupt jedes ernste Unternehmen, kalten Blutes und ruhiger Erwägung. Wer mit Leidenschaft und blinder Animosität an ein solches Werk geht, wird damit vielleicht Politik, niemals aber Industrie treiben*)." Es ist zu beklagen, daß nicht schon bei der ersten Generalversammlung entsprechende Maßregeln ergriffen wurden, um den durch die Presse veröffentlichten Skandalen ein Ziel zu setzen und den Urheber derselben rechtzeitig zu entfernen. Radn Porumbar mag wohl die Fähigkeit besitzen, den Mechanismus der Fabrik in befriedigender Weise zu leiten, allein derartige Talente finden sich im Lande in hinreichender Anzahl. Kaum hatte derselbe als Bauleiter der Fabrik sein Amt angetreten, so begann er auch alsbald in Bacau öffentlich seine antisemitischen Tendenzen, sowie seinen unversöhnlichen Haß gegen die Juden zu manifestiren und der erste Schritt, welchen er unternahm, bestand darin, von dem gesammten Terrain, auf welchem die Fabrik erbaut werden sollte, alle Inden zu entfernen. Es wurden daher nicht nur keine jüdischen Arbeiter und Handwerker engagirt, obschon dieselben billigere Preise als die Christen stellten, sondern man verhöhnte und mißhandelte sogar schonungslos jeden Juden, welcher sich wegen Uebernahme einer Arbeit in der Nähe des Baues blicken ließ. So inaugurirte Radn Porumbar seine Ankunft in Bacau und dressirte schon in den ersten Tagen seine Arbeiter in der Weise, daß sie die Juden zwangen, sich von der Fabrik wie von einem verpesteten Orte fernznhalten. Selbst bis zum heutigen Tage wagt es kein Jude der Fabrik sich zu nähern, weil er weiß, daß die dortigen Arbeiter stets auf der Lauer liegen und ihn sofort abfangen und mißhandeln würden. Damit allein begnügt sich jedoch Ruda Porumbar noch nicht, sondern er nimmt auch jede Gelegenheit wahr, um selbst in der Stadt, auf offener Straße und in öffentlichen Localen Skandale mit den Juden anzuzetteln und dieselben zu beschimpfen. Porumbar liebt es, begleitet von seinen Arbeitern, die Straße zu durchziehen, die ruhigen Bürger zu bedrohen, und kürzlich stieß er sogar die Drohung aus, er werde nicht eher ruhen, bis Judenblut in Strömen fließe. Alles dieses trägt sich vor *) „Lupta" Nr. 31 v. 20. März 1885. den Augen der Behörden zu und einem solchen Menschen überträgt man die Mission, wichtige Arbeiten auszuführen, einem Menschen, der mit einer Meute hinter sich die öffentliche Locale nur deshalb aufsncht, um dort Exzesse zu veranstalten. Indem wir diese Correspondeuz reproduciren, aus welcher wir allzu schroffe Stellen weglicßen, drücken wir unser Bedauern über solche Vorfälle aus und zwar nicht nur im Jntereffe der Anfrechterhaltuug der öffentlichen Ruhe, sondern auch vom Standpunkte der Gründer des Etablissements, denn das Betragen Desjenigen, dem eine so wichtige und kostspielige Arbeit, wie der Bau einer Papierfabrik übertragen wurde, ist völlig geeignet, das Vertrauen des Publikums und der Actkonäre in dieses Unternehmen zu untergraben. Wie wir erfahren, haben sich einige Wähler von Bacau an einen Deputirten gewendet, damit derselbe für die Wahrung der durch Radn Porumbar gestörten öffentlichen Ordnung bei der Negierung intervenire, denn die Localbehörden verhalten sich vollkommen theilnahmslos. Der Straflosigkeit gewiß und gestützt auf die Journalistik, welche ihn fast immer in Schutz nahni, prügelte und mißhandelte er auch de» Banquier F.... in Bacau, weil derselbe es gewagt hatte, im Aufträge der Banque de Roumame einen seiner Wechsel zu protestiren. Dieser Uebergriff rief ausnahmsweise auch die Indignation einiger Christen und selbst die des Präfccten hervor. Wie gut die Fabrikarbeiter dressirt sind, um die Juden zu mißhandeln, beweist ein Fall, welcher sich am 23. Januar 1884 zutrng, an welchem Tage ein Spiritusfabrikant mit seinem Buchhalter, welche aus einer anderen Gegend kamen und mit den in der Fabrik herrschenden Zuständen nicht vertraut, dieselbe besichtigen wollte. Die Mittheilungen des mißhandelten und beraubten Buchhalters liefern ein getreues Bild der Grausamkeiten, welche dort begangen werden und denen, insbesondere die jüdischen Lohnkutscher ausgesetzt sind, wenn sie in die Hände jener Henker fallen. Wir reproduciren diesen Fall genau so, wie er von einem der Opfer nach stattgehabter Mißhandlung den Journalen mitgetheilt wurde. (Schluß folgt). Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 27. Juli. Am 10. April d. I. verstarb zu NeudsburgHerrSamuelNathan y"j. Unsre geehrten Leser werden aus den dem „Israelit" beigelegten Spendenlisten seit einer langen