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Der Israelit · 1885-07-30 · Heft 60 (30.7.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 60 (30.7.1885)
Date
1885-07-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 60 des Israelit. Leitender AtikeU Literarischer Bericht. Radu Porumbar uud seine Grauelthatcn in der Papierfabrik zu Vacau in Rumänien, Leipzig, Oskar Seiner. Vorliegende Broschüre, die wir unfern Lesern aufs angelegentlichste empfehlen können, gibt ein drastisches Bild von den schauderhaften Verfolgungen, welchen die Inden in Bacau und Umgegend ausgesetzt sind. Die Vacauer Papierfabrik, heißt es in derselben, ist durch das Personal, das in derselben thätig ist, insbesondere aber durch die Bemüh'uugcn ihres Chefs und der unter seiner Leitung befindlichen Arbeiter zu einem Herd des Antisenlitismus geworden, von wo aus Schrecken unter der israelitischen Bevölkerung von Bacau verbreitet wird. Einige kurz nach einander dort vorgekommene und auch von mehreren hauptstädtischen Blättern veröffentlichten Fälle unerhörter Gewaltthatigkeitcn liefern uns den Beweis, bis zu welchem Grade sich der Terrorismus erstrecft. Das Personal genannten Etablissements liebt es eben, voltzogene Thatsachen zu schaffen, indem es alle Inden, welche in seine Hände fallen, körperlichen Mißhandlungen unterzieht. Die Polizeiuud Gerichtsbehörden sowohl, als auch die Regierung verhalten sich all diesen Grausamkeiten gegenüber vollständig indifferent, so daß die unglücklichen Opfer nirgends ihr Recht finden können. Wenn die Schandthaten, welche den Gegenstand dieser Mittheilungen bilden, von irgend einer Behörde begangen worden wären, so ließe sich die Indifferenz der Negierung allenfalls noch erklärlich finden, denn das Vertrauen in ihre Agenten einerseits, sowie andererseits der Wunsch derartige Vorfälle zu verhüllen, oder der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, könnten als Motiv für das absolute Schweigen gelten. Im vorliegenden Falle handelt es sich jedoch lediglich um Privatpersonen, um einige Unmenschen, welche mit der Regierung in keinerlei direkter Verbindung stehen. Die Indolenz ist daher völlig unbegreiflich und noch unbegreiflicher der Schutz, welchen die localen Gerichts- und Polizei- Behörden diesen Störern der Ruhe und der öffentlichen Sicherheit gewähre». Es läßt diese Thatsache fall die Annahme zu, daß es der Regierung selbst darum zu thun sei, di- Juden so empfindlich als möglich zu schädigen. Die in neuster Zeit an zwei Opfern begangenen Grausamkeiten sind nur die logische Folge eines seit zwei Jahren in jener Ortschaft begonnene» und ununterbrochen fortgesetzten Kampfes, welchem das feststehende und consolidirte Feldgeschrei zu Grunde liegt: „Tod den Juden!" Angesichts der Gleichgiltigkeit der Behörden und im Hinblick aus die gerechtfertigte Besorgniß der jüdischen Bevölkerung von Bacau, welche dem Terrorismus ausgesetzt ist, erachtete cs der Verfasser vorliegender Brochüre als seine Pflicht, das Publikum über den eigentlichen Stand der Dinge aufzuklären und durch die Gruppirung aller vorkgekommcnen Schandthaten, soweit dieselben zu seiner Keuntniß gelangten, der Negierung zu demonstriren, daß es dringend geboten sei, energische Maßregeln zur Abstellung dieses Nebels zu ergreifen, wenn sie nicht den Verdacht der Mitschuld auf sich laden und mit jenen Missethätern solidarisch erklärt werde» will. Die Bacaner Papierfabrik wurde unter für die Juden nicht eben günstigen Anspielen gegründet, da dieselben anfänglich weder als Gründer, noch als Actionäre zugelaffen wurden. Erst nachträglich, als das Juitiativcomite die Ueberzeugung gewann, daß es unter den Christen nicht die erforderliche Anzahl Subscrrbentcu finden werde, wurden auch die Juden zur Actienzeichnung zugelassen, doch gestattete man ihnen weder Gründer oder Administrator zu werde», noch auch als stimmberechtigt an den Generalversammlungen Theil zu nehmen. Trotzdem beeilten sich die Inden, diesem nattoiiateit Industrie- Etablissement ihren Beistand zu leihen und nur dadurch konnte der Bau der Fabrik in Angriff genommen und die Jnstallkruug derselben beendet werden. Trotzdem Seitens gewisser Interessenten, denen nur daran lag, alle in der Fabrik vorgekommenen Skandale mit einem Schleier zu verhüllen, der Vorwurf gegen die israelitische Presse erhoben wurde, dieselbe sei bestrebt, dieses Institut zu discreditire», so ist dies doch völlig unwahr, denn eine derartige Absicht konnte schon deshalb nicht obwalten, weit ja jüdische Capitalien bei diesem Geschäfte ebenfalls engagirt waren. Es konnte auch weder im Interesse des Institutes, noch auch in dem der Gründer liegen, gegen die Jude« feindselig aufzutreten und hätte

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