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Der Israelit · 1885-07-30 · Heft 60 (30.7.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 60 (30.7.1885)
Date
1885-07-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1025 Reihe von Jahren ersehen haben, das; ein „Jchudi ans Schleswig-Holstein" vielfach größere Gaben einsandte. In seinem letzten Willen hat er verfügt, daß zu wohlthätigcn Zwecken 200 M. als letzte Gabe an uns geschickt werden sollten; und zwar diesmal mit Nennung seines Namens. Der Bruder des Verewigten, Herr Moritz Nathan, übersendet uns heute die erwähnte Summe, und wir verfehlen nicht, dem edlen Spender^ der bei Lebzeiten stets im Geheimen Gutes übte, die gezienicnde Anerkennung zu Thcil werden zu lassen. rDltib p’TS ist In Jugenheim (Rheinhcssen) wurden von böswilliger Hand auf dem israelitischen Friedhöfe viele Grabsteine dcmolirt. Die Untersuchung ist eingeleitet. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. „Rudolfinnm" nennt sich eine Wiener Anstalt, welche von dem jüdischen Großindustriellen Pollak v. Rndin für Techniker ohne Unterschied des - Glaubens gegründet wurde. In dieser Anstalt blüht heute der Antisemitismus, da man von dem Standpunkte ausgeht, daß der Jude die Christen betrüge und mit ihrem Gelde dann Wohlthätigkeitsanstalten gründet!! Ebenso macht der „deutsche Schnlverein" mit jüdischem Gelde in Antisemitismus. Dieser Verein hat den Zweck, in allen Ländern Oesterreichs Gruppen zur Pflege und Verbreitung der deutschen Sprache und deutschen Wissens zu gründen. Gleich bei seinem Entstehen wurde der „deutsche Schulvercin" von allen jüdischen Größen mächtig unterstützt und noch heute fließen demselben beträchtliche Summen aus jüdischen Häusern zu. Nun hat sich am 27. v. M. eine akademische Ortsgruppe in Wien gebildet, welche den Beschluß faßte, Israeliten die Aufnahme zu verweigern. Die Vorwürfe, die der Leitung des „deutschen Schulvercius" darüber gemacht werden, weist dieser mit folgender Phrase zurück: „Wir sind dagegen, daß der Antisemitismus in den Verein getragen werde; aber wir können doch den Anhängern des Antisemitismus den Schulvercin nicht verschließen, so gut wie wir dies den Anhängern jeder andern Partei nicht thun können." Wie ungeschickt doch diese Ausrede ist! Es verlangt doch Niemand, daß man Diesen oder Jenen zum Schulvercin nicht zulasse, weil er irgend einer Partei — und sei cs auch der antisemitischen — angchört; aber im Jntercjse des Schulvercius selbst liegt es, daß er nicht zu antisemitischen Zwecken ausgenutzt werde. Die Mitglieder können ihre judenfeindliche Gesinnung überall, aber nur nicht in einer Gruppe des „deutschen Schulvercius" zum Ausdrucke bringen, dem sie damit den Todesstoß versetzen. (W. Jsr.) Szcgediu. Der vor Kurzem dahier verstorbene Arzt Dr. W. Singer, ein vielfach verdienter Glaubensgenosse, hat verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten 3700 fl. vermacht. Holland. Amsterdam. Vor Kurzem starb dahier Herr Lcvi Philipp Jacobs. Derselbe nahm seit vielen Jahren als Präsident des Rathcs der vereinigten Synagogen in Amsterdam und als Mitglied der Commission für die Angelegenheiten der niederländischen jüdischen Gemeinden eine hochgeachtete Stellung ein. Bei vielen religiösen und wohlthätigen Vereinen entfaltete er großen Eifer und Energie. Die Würde eines Rector Magnificus an der hiesigen Universität für das Jahr 1885—86 wurde Herrn Professor L. von Hartog übertragen. Frankreich. Paris. In der neuesten Liste der mit dem Orden der Ehrenlegion Decorirten befinden sich wiederum zehn Israeliten, darunter Obcrrabbiner L. Wogue, Professor am Rabbinerscminar dahier. Besonders hervorhcbcn wollen wir noch die Decorirnng des Herrn Jacob Jaks, Adjutant der Sapenr-Pompiers-Compagnie. Derselbe hat bei verschiedenen großen Bränden sich durch besonder» Muth ausgezeichnet und unter größter Lebensgefahr eine große Anzahl Menschen vom Feuertod gerettet. England. London. Sir Moses Montefiore hat der Prinzessin Bcatrice, welche vorige Woche ihre Hochzeit feierte, ein hübsches Hochzeitsgcschenk übcrschickt. Dasselbe besteht ans einem von massivem Silber gefertigten Thec- und Kaffeeservice, auf welchem eine hebräische Widmung eingravirt ist. Herr Dr. H. Adler hat eine größere Reise nach dem Norden Englands und nach Schottland angctretcn, um in verschiedenen jüdischen Gemeinden eine Visitation vorzunchmen. London. Die „Pall Mall Gazette" vom 23. Juni enthielt eine bisher noch ungedruckte Proclamation des Emirs von Afghanistcn vom Jahre 1882, welche darum bemcrkenswerth ist, weil der Emir damit die Abstammung der Afghanen, als zu den verlorenen zehn Stämmen Israels gehörend, bis zum Erzvater Jakob hinauf verfolgt.

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