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Der Israelit · 1885-07-30 · Heft 60 (30.7.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 60 (30.7.1885)
Date
1885-07-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1019 „3« einer Gemeinde des GerichLssprengels Slret, wnrde angeordnet, nachdem der Jude seine Wohnung nicht verlassen wollte, daß mehrere Individuen auf das Dach hiuaufkletteni und dasselbe einschlagen und gänzlich demolireu sollen. Die darinnen wohnende Familie mußte sodann trotz des strömenden Regens das Haus verlassen. „In einer andern Gemeinde sind Thiere als Executions- Agenten zur Austreibung verwendet worden. Als nämlich die fremde Familie das Haus nicht räumen wollte, hat ihnen der Primär Schweine ins Hans gejagt, welche die Mitglieder vertrieben. „Wir wissen, daß unser Präfect ein ruhiger, friedliebender, (?) humaner (?) Mensch ist, welcher unmöglich solche Befehle geben konnte; aber gerade deßhalb verlangen wir, daß diese Mittel nicht tolerirt werden, und daß er den schlecht angewendeten Eifer seiner Unterbeamten mäßige. Diese verwerflichen Maßregeln sind eine Schande der Zeit, in welcher wir leben, — und weit entfernt uns zu nützen, bereiten sie uns im Gegentheite das größte Nebel. Die Ausweisung der Fremden aus den Dörfern kann auch ohne diesen Scandal ausgeführt werden; wozu sollen wir den Fremden Gelegenheit geben, über Vandalismus und Barbarismus zu schreien! „Es mögen diejenigen, welchen die strikte Durchführung eines Gesetzes am Herzen liegt, wohl überlegen, Laß durch derartige Mittel wie diejenigen, welche man bei der Ausweisung der Fremden anwendet, das Princip des Gesetzes nicht respectirt wird." England. Portsea, 22. Juli. Herr A. L. Emanuel von der Firma H. M. Emanuel n. Sohn, Goldnnb Silberarbeiter in Portsea (bei Portsmouth) hatte vorige Woche die Ehre, den ans seinem Atelier hervorgegangenen, als erster Preis für das demnächst stattfindende große Wettrennen designirten prachtvollen großen Pokal Ihrer Majestät der Königin von England und Seiner königl. Hoheit des Prinzen von Wales (auf Hochderen eigenen Wunsch) zur Ansicht zu unterbreiten. Der Pokal ist ein Meisterstück der Kunst mit Emblemen aus massivem Silber im Gewichte von 400 Unzen Silber und kostet 300 Lstr. (über 60,000 Mark.) Beschauer dieses Kunstwerkes drücken einstimmig ihre Bewunderung darüber aus, wie überhaupt diese Firma in großem Renommee hier steht. Herr A. L. Emanuel ist Hof-Goldarbeiter, ein sehr angesehener Mann, er ist Stadttath, Vorstand mehrerer Vereine und Ehren-Religionslehrer und Seelsorger der im hiesigen großen königl. St'rafhause untergebrachteu jüd. Sträflinge, dreißig an der Zahl, die sich von ganz England hier rekrutiren. Seit mehr als 20 Jahren in dieser Eigenschaft wirkend, hat er sich um das religiöse Wohl dieser Unglücklichen viele Verdienste erworben. Er bewirkte auf seinen weiten Reisen in vielen Ländern, daß die israel. Sträflinge an Sabbatuud Festtagen vollständig ruhen mögen, am Peßachfefte mit streng ritueller Kost in eigener Küche versehen werden und sorgt überhaupt für die Befriedigung aller ihrer religiösen Bedürfnisse Jeden Sabbat und Sonntag in der Woche fungirt er selbst als Vorbeter und toip und hält religiöse Ansprachen zu den Festtagen des Jahres. Schreiber dieses bewunderte das schöne Betlokal mit vier oncD und die musterhafte Ruhe und Andacht während des Gottesdienstes. Die Gesetzrollen und die sie schmückenden heiligen Silbergeräthe k. sind Eigeuthum des Herrn Emanuel, dessen Fürsorge sich auch auf die Angehörigen der armen Sträflinge erstreckt, welchen letzteren er auch möglichst Verwendung und Beschäftigung nach ihrer Entlassung aus dem Strafhause verschafft. Das verdienstvolle Wirken dieses Mannes ist übrigens hierzulande allgemein bekannt und wurde aflch vor einigen Jahre von der United Synagogue in London durch ein ihm überreichtes kostbares Testimonial öffentlich anerkannt. Man sieht wieder, daß es überall noch gute b-tct gibt „bnr\ur *b o". — Vor vierzehn Tagen fungirte in der hiesigen Synagoge am Sabbat auf Einladung des Vorstandes, der zum Besuche bei seinen Schwiegereltern hier weilende Herr A. Simon, Obercantor der isr. Gemeinde in Eopenhageu und erregte allgemeine Bewunderung durch seine vorzüglichen Stimmmittel und seinen erhebenden zum Gemüthe sprechenden Andacht erweckenden Vortrag. Vor seiner Abreise wnrde ihm vom Vorstande ein anerkennendes Belobungsschreibeu mit dem innigsten Danke und den besten Wüschen begleitet, zngesandt. Zum Schluffe noch die Bemerkung, daß der Director des hiesigen jüdischen theolog. „Aria College" (so genannt von dem sel. Stifter Aria) bemüht ist, die Zöglinge zur Thora und Gottesfurcht im streng orthodoxen Sinne herauznbildeu und hofft derselbe mit der Hilfe Gottes segensreiche Resultate zu erzielen und die jungen Leute zu würdigen Gemekndcbeamten auszubilden."

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