Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 59 (27.7.1885)
- Date
- 1885-07-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449559--22618-2512247- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
blick, uns vor den heutigen Angriffen fürchte», ohne doch ihre Tragweite, ihre schlimmen Folgen zu unterschätzen, ebensowenig befürchten wir, das; nicht doch der innere Feind, die Verblendung, der Starrsinn gebrochen wird Nh “sv x^ 'i D*.m hx o „denn ein barm herziger Gott ist der Ewige, Dein Gott, er wird Dich nicht lagen, Dich nicht verderben." Mögen Andere, mag auch ein Theil unseres Volkes darauf sinnen, das Judenthum zu vernichten; mögen die äußeren Feinde höhnisch darauf Hinweisen, daß wir keine Existenzberechtigung .mehr haben, daß wir verlassen sind, mag auch ein Theil unseres Volkes von dem Nebcrlebtsein der jüdischen Religion „überzeugt (?!)" sein und in seiner Thorheit sich selbst die Existenzberechtigung absprecheu, was ja immer den äußeren Feinden die Berechtigung zu ihrem Haß und den inneren Feinden die Berechtigung zu ihrer Leugnung ihrer selbst geben mußte: Gottes Wort, des erbarmenden liebenden Vaters Verheißung ist doch stärker als der böse Wille liebloser Feinde, als die verkehrte Ansicht thörichter Menschen. Unsere Existenz ist bis auf den heutigen Tag bewiesen, lind bei allem Abfall vom Väterglanben, bei aller Mühe innerhalb des eigenen Volkes, etwas Anderes ans dem Judeuthume zu machen, eine neue jüdische Religion aufzustellen, hat man cs doch nicht verhindern können, daß das alte Jndenthnm fortlebte, ja frisch wieder auflebt, feste, treue und starke Anhänger wieder besitzt, hnar \n nx ü'pba x-n „und Gott sah die Xtiudcr Israel". Auch unter dem Sclavenkittel steckte der Söhn Israel, der Streiter für die Einheit Gottes. Und zu allen Zeiten gibt cs unter uns solche Israeliten; die sterben nicht ans. nrb jntw t»x ynox n"0 nx naitr xh „denn nicht vergessen wird Gott den Bund mit Deinen Vätern, den Er ihnen geschworen hat", daß nämlich die Nachkommen derselben ewig bestehen werden, daß ihnen auf ewig der Besitz des heiligen Landes zugesichert. Das scheint nun gar der übrigen Welt und dem modernen Inden ein Traum, wenn nicht geradezu eine Lächerlichkeit. Unsere Lage sollte jemals wieder eine andere werden!? Wir sollten jemals in den Besitz unseres Landes kommen!? Damals in Egypten, als die Zeit der Erlösung heraukam, da heißt es D’phx jm „Gott wußte es," und von unserer Erlösung aus der Zerstreuung unter alle Völker, die ja gleichfalls, ähnlich wie die Sklaverei in Egypten, voraus verkündigt wurde, heißt es: „Wenn Du angefeindet wirst, nachdem Dich alle diese Dinge betroffen haben, in späten Tagen, und Du kehrst zu Deinem Gotte zurück." Nun, was bleibt denn heute den modernen Juden, die ihrer Religion halber angefeindet werden, anderes übrig, als zu Gott zurückzukehren! Sie wollen nicht!? Man zwingt sie ja von Seiten der nichtjüdischen Welt. Sie schämen sich vielleicht? Nun, so mögen sie sich schämen, daß alle ihre Versuche, ein anderes Judenthum, einzuführen, gescheitert sind, daß sie nur ernten, was sie gesäet habe» und sollen sich dieser Ueberzcugung nicht verschließen, stützen kann ihnen ihr Judenthum doch nichts. Nichts, gar nichts haben sie erzielt. All ihre Hoffnungen und Erwartungen sind getäuscht worden. Weder Anerkennung, noch größere Achtung, noch auch Gleichstellung haben sie erlangt. Man hat ohne Unterschied zu machen, sie und uns zusammen, in ihnen und nnS die jüdische Religion angefeindet. Sie haben sich vom Judenthum trennen wollen; man hat sie aber heule wieder vereinigt, identificirt mit demselben. Mögen sie diesen Wink verstehen und den Mut!) haben, wieder sich anznschließen, zu einem jüdischen Volke sich zusammenzufinden, als Inden dein Judeuthume anzugehören und dadurch alle Angriffe der Feinde zu Schanden machen. Getrost können tvir die Zukunft Gott anbenustellen und Seinen Verheißungen. Er allein kann unser Geschick wenden. Er allein weiß, wann „die späte» Tage" da sein werden, wann der Zeitpunkt eingetroffen ist, von dem es heißt ruamx nnjn „zu seiner Zeit werde ich cs beschleunigeu." Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschla n d. Darmstadt, 19. Juli. Rach den Ergcbniffen der letzten Volkszählung kommen im deutschen Reiche auf 10,000 Einwohner 124 Jude», in Prozenten ansgedrückt bildet also die jüdische Bevölkerung 1,24 Prozent der Gesammtbevölkerung. Bon den einzelnen Staaten weist im Vergleich zur Gesammtbevölkeruug Hamburg die meisten Juden auf, nämlich 3,54 Prozent. Die zweite Stelle nimmt das Grobherzogthum Hessen ein, mit 2,00 Prozent der Gesammtbevölkerung, und zwar Starkenburg mit 2,40, Oberhcsseu mit 2,87 und Rheinheffen mit 3,41 Prozent. Von den größeren Städten des Landes haben vier eine jüdische Bevölkerung von mehr als drei Prozent, nämlich Worms 6,39, Mainz 5,19, Offeubach 3,45 und Darmstadt 3,09 Prozent. Einen höheren Prozent als Worms haben von den 163 Städten des deutschen Reiches mit mehr als 16,000 Einwohnern nur Posen, Fürth, Frankfurt a. M., Beuthen in Oberschlesien, Mannheim, Thorn, Rati-