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Der Israelit · 1885-07-27 · Heft 59 (27.7.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 59 (27.7.1885)
Date
1885-07-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1009 Bor und Breslau aufzuweiscn, im Allgemeinen komme» im deutschen Reiche Städtcbevölkerung 2,59 Prozent auf die Juden. Aus Thüringen. Die isr. Gemeinde in Eisenach, die erst seit ungefähr 20 Jahren zu einer solchen herangcwachsen ist, ermangelte bis jetzt noch mancher Institution, wie sie eben im Leben einer gröstern jüdischen Gemeinschaft unentbehrlich sind, und die darum auch in keiner solchen altern Datums fehlen. Seit der Erbauung der neuen Synagoge ist in dieser Beziehung hier bereit» einige Besserung cingetreten. Es fängt ein gewisser Kehilasinn an, sich zu regen und geltend zu machen. Zeugnis; hievon gibt die jüngst stattgefundene Errichtung eines Männervereins „Chebra - Gemilut - Ehassadim", an welchem der weitaus größte Thcil der Gemeindeglieder sich betheiligt haben. Zweck desselben ist gegenseitige Beihilfe in Krankheit»- und Sterbefällcn, sowohl durch geldliche Unterstützung der von solchen Fällen betroffenen bedürftigen Vcreinsmitgliedcr, als auch durch selbstthätige Mitwirkung bei den bei Todtcnbestattnngen üblichen Observanzen. Ich will nicht behaupten, daß alle Vcigetretcnen im Voraus schon entschlossen seien, dieser letztern Verpflichtung auch wirklich nachzukommcn, glaube vielmehr, daß Mancher, wenn die Reihenfolge ihn trifft, lieber den für den Fall festgesetzten Strafbetrag erlegen werde. Unter unserer jetzigen Generation sind ja leider Viele, welche sich der Uebnng solcher Licbespflichteu entziehen, weil sic glauben, den Horror vor der Berührung einer Leiche nicht überwinden zu können, oder weil sie sich für so Etwas für zu gut oder gar für ,,zn gebildet" halten; aber cs will doch Jeder gern die beruhigende Gewißheit haben, wenn für ihn einmal die Stunde zur großen Reise ins Jenseits schlägt, vorschriftsmäßig behandelt zu werden. Dem sei indessen wie ihm wolle: es ist immer etwas Gemeinsames, was mit diesem Vereine geschaffen worden ist, und bei richtiger Leitung, wie solche zu erwarten steht, läßt sich auf dieser Grundlage weiter bauen. An willigem Entgegenkommen fehlt es keinerseits. Ein jüdischer Frauenverein, dem fast die sämmtlichcn Frauen der hiesigen Gemeinde angehören, besteht übrigens hier schon seit einer ziemlichen Reihe von Jahren und entwickelt derselbe eine recht wohlthätige Wirksamkeit. Daß Herr Dr. Kroner nach Hannover übersiedeln wird, hat Ihr geschätztes Blatt bereits gemeldet. Die Gemeinde Erfurt hat ihm eine Gehaltserhöhung augeboten, die er aber nicht angenommen hat. Die Gemeinde soll den Beschluß gefaßt haben, nach dem Abgänge Kroncrs' die Stelle vorläufig unbesetzt zu lassen. In der 2. Beilage Nr. 51 Ihres geschätzten Blattes bringen Sic einen Bericht aus Pesth über die Auffindung der Lcichcnthcilc des Kindes eines Bauers in Sajo-Vamos und über die in dem offiziellen Berichte des Miskolczcr Staatsanwaltes ausgesprochene Vcrmuthnng, daß das Kind in eine sumpfige Stelle der betreffenden Wiese gerathen und dadurch nmgckommen sei. Bei dem Lesen dieser Nachricht kam mir ein vor 90 Jahren stattgefundeues Ereignis; in Erinnerung, welches sich einige Stunden von meinem damaligen Wohnorte zugetragen hat, und welches zeigt, wie leicht dergleichen, und das nicht blos bei einem Kinde, sich ereignen kann. In der Prov. Heffen-Rassau, im Kreise Ziegenhain, liegt der Marktflecken Frielendorf. Ein Jsraclitc aus diesem Orte, Namens Elias Blum, ein sehr braver, angesehener Mann, Pferdehändler, kräftig gebaut und wohl in der Mitte der fünfziger Jahre stehend, ging geschäftshalber an einem Späthcrbsttage nach der 3 Stunden weit entfernten Stadt Treisa. Hier wurde er geschäftlich bis zu später Nachmittagsstunde aufgehalten und trat dann den Rückweg nach Hanse an. Sein Weg führte über Zicgenhain. Zwischen Treisa und Ziegenhain befindet'sich ein 3/4 Stunden langes Wicsenthal, durch welches ein Fußpfad führt, der die Strecke abkürzt. Diesen Weg schlug Elias Blum ein. Es war sehr stürmisches Wetter und die Luft war trüb und feucht, so daß die herrannahende Nacht frühe Dunkelheit brachte. Dieses mochte die Ursache sein, daß Blum vom Fußpfade abkam und in die Wiesen geriet!). Abseit des Fußpfades haben diese Wiesen sumpfige Stellen, welche nach längerem Regen nicht passirbar sind. Ganz nahe bei der Stadt Ziegenhain gerieth der unglückliche Blum an eine solche Stelle und versank mit dem ganzen Körper in dieselbe. Er mochte wohl um Hilfe gerufen haben, seine Stimme aber vom Sturme übertönt worden sein. Als E. Blum an diesem Abende und auch am folgende Tage nicht nach Hanse kam, bemächtigten sich begreiflicherweise Angst und Unruhe seiner Familie. Wochen-, ja monatelang wurde die ganze Gegend ausgeforscht und jedes Wässerchen durchsucht; aber vergebens. Unterdessen war der Winter cingetreten und hatte über Feld und Wiesen eine Schneedecke ansgebreitet. Als diese im Frühjahr geschwunden, der Erdboden wieder abgetrocknet war iind die Wiesenbcsitzcr mit der Reinigung der Wiesen begannen, fiel den Arbeitern au einer abfcitslicgeuden sumpfigen Stelle ein dunkler, ans dem Sumpfe emporragender Gegenstand auf, der einem Menschen-

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