Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-07-27 · Heft 59 (27.7.1885) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 59 (27.7.1885)
Date
1885-07-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449559--22614-2512243
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1004 Frau Gräfin! Das Eentral-Comite der -Allianz israelite universelle nimmt Theil an Ihrer und ganz Italiens Trauer. Der Verlust des Herrn Terenzio Marniani ist nicht nur in seinem Lande, sondern auch außerhalb desselben empfunden worden. Durch seinen bedeutenden Geist, seine erhabene Philosophie, seinen großmüthigcn Eifer für dasRechte und Gerechte war er der Feind alles Bösen. Mit der ganzen Kraft seiner Beredsamkeit diente er der Sache, welcher sich die Alliance Israelite gewidmet hat. Herr Mamkaui ist einer derjenigen gewesen, der die italienischen Juden emanicipirte; doch dies war ihm nicht genug; er empfand eine lebhafte Sympathie mit denjenigen, welche in anderen Ländern litten, und seine großherzigen Ncclainationcn inmitten des Parlaments sind oft den in Rumänien oder anderen Ländern verfolgten Inden zu Hilfe gekommen. Sie und wir Alle haben ihm viel zu danken. Wir erfüllen eine Pflicht, indem wir mit so vielen Anderen dein berühmten Verblichenen huldigen, und wir werden in frommer Dankbarkeit sein Andenken ehren. (Israeliten Ost-Rnmeliens.) In Tatar - Bazardjik erschien am Dienstag, den 9. Juni, bei einem jüdischen Kaufmanne, Namens Samuel Semo, ein Polizcibeamter in Begleitung einer bulgarischen Frau und eines Mädchens. Das junge Mädchen erklärte, daß ein Mann, den sie an seinem rothen Bart und weiten Hosen für einen Inden erkannt habe, sie beim Arm gefaßt, um sie in ein Hans zu. stoßen. Ihren Aeußernngen nach wäre dies vor dem Hause Semo's geschehen, jedoch Angesichts desselben gab sic zu, daß er nicht der Manu sei, der sie festgehalrcn. Einige Stunden später wurde Semo ans die Polizei bestellt. Er fand dort den Sandalenhändler Elia Aladjem, welchen das junge Mädchen als denjenigen bezeichnte, welcher den Mordversuch an ihr verübt hätte. Nach einer langen Sitzung wurde Semo sreigelassen und Aladjem gleichfalls iiach zweistündiger Hast. Die Freilassung der beiden Angeklagten zeigten zur Evidenz, daß die Sache ohne alle Wichtigkeit sei. Aber die Bulgaren verbreiteten das Gerücht, daß die Juden es versucht hätten, sich des jungen Mädchens zu bemächtigen, um es zu tobten, daß die Stadt Tatar-Bazarjik durch das Loos als diejenige bezeichnet worden wäre, welche das erforderliche Blut zu beschaffen hätte zur Zubereitung der ungesäuerten Brode für das Jahr 1885. Glücklicherweise hat diese sinnlose Anklage dieses Mal keine bedauerlichen Folgen gehabt, wie dies nur zu oft geschieht, und die einen Augenblick überreizten Gemüther haben sich bald beruhigt. DasComite der Alliance zu Tatar-Barzardjik hat Schritte gethan bei den Eivil-und geistliche» Behörden, damit eine Untersuchung den Fall aufkläre. Der Prüftet machte alsbald den Staatsanwalt mit diesen bedauerlichen Vorgängen bekannt. Der Bischof Msge. Todoraki Tyloff war abwesend; bald nach seiner Rückkehr berief er die bulgarische Gemeinde zusammen und bewies in einer glänzenden Rede die Sinnlosigkeit der Blutanklage. Außerdem ließ er die Vertreter einer jeden Korporation zu sich entbieten, um ihnen klar zu machen, wie falsch, ungerecht und schamlos eine solche Anklage sei. Es gereicht dem Eentral-Comite zur Freude, den Behörden und besonders dem Hern Bischof von Tatar-Bazardjik seinen Dank für ihre Intervention auszusprechen. Rußland. Petersburg. Der Minister des Innern hat der Zeitschrift „Wosschod" eine zweite Verwarnung crtheilt, weil dieselbe „trotz der im vorigen Jahre erthcilten Verwarnung die Gesetze und Regierungsmaßnahmen hinsichtlich der Juden frech zu tadeln und die letztere gegen die bestehende Ordnung aufzureizen fortfährt, ihnen die Ueberzeugung einflößend, daß sowohl die Regierung wie sämmtliche Klaffen des russischen Volkes sich ihnen gegenüber mtt schonungsloser und blinder Grausamkeit verhalten." Was zu beweisen, dem Blatte wohl nicht schwer fiele, wenn es vor Gericht gestellt werden würde. Aus Jerusalem. Bon A. Grünebaum. (Fortsetzung.) Die Talmud-Thora-Schule, verbunden mit dem Vereine v"n yy, eine vorzügliche Anstalt, welche mehrere Hundert Kinder unterrichtet und zum Theil Kinder, für die nicht Platz ist in der Schule, bei Privatlehrern lernen läßt. Sie leistet im Sinne *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.