Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 59 (27.7.1885)
- Date
- 1885-07-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1003 noch von dem Uebertritte der Letzteren zur christlichen Religion Kenntnitz hätten. Sie erklärten den Revers für gefälscht und erstatteten gegen den Eoncipisten die Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft des Budapefter Gerichtshofes identistcirte sich mit der Anzeige und in Folge ihres Antrages ordnete das Strafgericht die Untersuchung wegen Betruges und Documenten-Fälschung an. Pesth. Die weit berühmte Stadt Szoboßlo, in welcher in Folge Ablebens ihres reichstäglichcn Vertreters eine Neuwahl stattznfinden hat, ist — wie man dem „Nemzet" schreibt — zur Zeit überreich an Kandidaten, die um das Vertrauen der hochgeehrten Mitbürger werben. Zwei Anhänger der äußersten Linken und ein Partisan der Regierung stehen einander auf der Arena gegenüber. Es steht indessen geschrieben, daß jeder Bezirk seinen anttsemitischen Kandidaten habe und ein Mann ans der Schule des Meisters Jstoczy reiste ebenfalls hinab, offenbar in der Voraussetzung, wo Drei einander in den Haaren liegen, müsse der Vierte siegen. In Szoboßlö klopfte er nun da und dort an, um sich Freunde und Stimmen zu werben. Er beehrte auch eiben hervorragenden Beamten der Stadt mit seinem Besuche und der Frage, ob derselbe die Fahne ^'„heiligen Sache" in die Hand nehmen wolle. Der Beamte antwortete, er könne ohne die Wähler nicht viel thun; wenn indessen der Herr Kandidat — nebstbei bemerkt, der Bruder eines antisemitischen Reichstagsabgeordneten — einige von diesen zu gewinnen vermag, so werde er ihn ebenfalls unterstützen und der Sieg könne dann nicht ausbleibcn. Gleichzeitig nannte er ihm einige maßgebende Bürger, deren einen der Herr Kandidat auch aufsuchtc. Er wurde dort auf's Herzlichste empfangen. Der maßgebende Bürger, fteute sich des Besuches, bewirthete den Fremden und die Beiden schloffen gute Freundschaft, da sie mit einander sichtlich sympathisirten. Endlich rückte der Budapefter Bruder mit der Farbe heraus, er möchte eigentlich als antiscmittscher Kandidat auftrctcn und bitte den Hausherrn, ihn zu unterstützen, da er von demselben das Meiste erwartet. „Ich danke Ihnen herzlich," antwortete der Hausherr ganz gerührt, „daß Sie so viel Vertrauen in mich setzen und meiner Wenigkeit einen solchen Einfluß zumuthen, aber leider vermag ich der ehrenhaften Aufforderung keine Folge zu leisten, denn Sie belieben wohl zu wissen, daß zufällig ich der — Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde bin." Aus Siebenbürgen. Die antisemitischen Hetzschriften haben das ungarische Volk leider mit solchem Erfolge bearbeitet, daß es hier zu Lande nur des geringsten Anlasses bedarf, um den Pöbel in eine blutriechende Bestie umzuwandeln. Das beweist auch folgender Vorfall, der sich am 10. d. M. in der siebenbürgischen Metropole Klausenburg zugetragen hat. Am genannten Tage wurden nämlich die dortigen Vorstädter plötzlich durch die Nachricht von einem in ihrer Mitte beabsichtigten „rituellen Morde" allarmirt. Die fünfjährige Tochter des Johann Tergely schlief nämlich im Keller des benachbarten jüdischen Händlers Ph. Klein ein. Die Mutter suchte das Kind, welches erst Abends zum Vorschein kam. Klein wurde nun verdächtigt, daß er einen Mord an dem Kinde hätte verüben wollen. Der Stadthauptmann ordnete eine Untersuchung an, welche die völlige Grundlosigkeit des Verdachtes ergab. Vor dem Rathhause warteten etwa 300 Personen auf das Resultat der Verhandlung. Nur der Energie und Umsicht des Obergespans Grafen Esterha.,y ist es zu verdanken, daß keine größere» Ruhestörungen vorkamen. Die Polizei hatte für die folgende Nacht in die Vorstadt Hidclva und besonders in die Gasse, wo der Händler Philipp Klein wohnt, Wachen beordert. Dieser mit seiner Familie hatte aber vorgezogen, jene Nacht nicht in seiner Wohnung zuzubringen, obwohl sich die völlige Bodenlosigkeit der schweren Beschuldigung bereits erwiesen hatte. Die Untersuchung hat nämlich ergeben, daß die fünfjährige Juliska Kergely welche im Hofe der Klein'schcn Behausung mit dessen Kindern gespielt hatte, von der großen Hitze schläfrig geworden und in dem kühlen Vorkeller eingeschlafen war, wo sie schließlich auch wohlbehalten gefunden wurde. Das ist der ganze Sachverhalt, welcher genügender Anlaß war, gegen eine ruhige Bevölkerungsklaffe die schwerste Beschuldigung zu erheben, und sowohl die israel. Cultusgemeinde als die ganze Einwohnerschaft Klausenburgs 24 Stunden lang in größter Aufregung zu erhalten. — Daß die Urheber der Verdächtigung ungestraft blieben, ist selbstverständlich. o’^>s irnnw p"T*a"n ntoo. Frankreich. Paris. Monatsbericht (I u n i) der „Alliance Jsr. Univ." Bei Gelegenheit des Todes des italienischen Senators Terenzio Mamiani, welcher bei verschiedenen Gelegenheiten der Emancipation der Juden seine Sympathie bethätigt hat, richtete das Central- Comitö folgenden Brief an die Gräfin Mamiani Della Rovere: