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Der Israelit · 1885-07-27 · Heft 59 (27.7.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 59 (27.7.1885)
Date
1885-07-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1001 Aufsichtsbehörde des Herrn Stöcker nicht gänzlich ignorirt werde» zu sollen scheinen.*) Hamburg, 22. Juli. Bon dem israelitischen Verein für Gesundheitspflege wurden vorgestern sechszig Zöglinge, die der Erholung und Stärkung dringend bedürftig sind, in die Ferienkolonien geschickt. Dies glänzende Resultat ist den rastlosen Benlühungcn des für den erwähnten Zweck gebildeten Komites zu danken, welches sich aus Frau F. Lippman», F. Hamburg, Herr» F. I. Wcstheimcr und HerrnDc.R/Pels zusammengesetzt und keine Mühe gescheut hat, um möglichst vielen schwachen Kindern die Wohlthat eines kräftigenden Sommerausenthaltes zu verschaffen und mit ir^Kost zu verpflegen. Ocsterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Dem zwölften Jahresbericht der „Jsr. Allianz zu Wien" entnehmen wir : Der Förderung des Handwerks unter der jüdischen Jugend Galiziens haben wir eine ganz besondere Beachtung gewidmet, nud sind nach reiflichen Berathungcn schließlich zn der Ueberzcngung gelangt, daß wir auf diesem Gebiete au das bereits Bestehende anknüpfen, es womöglich zeitgemäß reformircn und durch Gewährung entsprechender Subventionen erweitern muffen. Wir haben dem Verein der Bernstein-Stiftung in Lemberg, welcher für die Verbreitung des Handwerks unter den Inden Galiziens thätig ist, aber vermöge seiner vcrhältmßmäßig schwachen Mittel nicht mehr als iS Zöglinge zu erhalten vermag, eine Subvention von fl. 2500 jährlich vorläufig auf 4 Jahre — also zusammen fl. 10,000 — votirt, mn ihn in die Lage zu versetzen, weitere 25 Zöglinge aufzunehmcn und dem Handwerke zuzuführcn. Die Erhaltnugskosteu für jeden Lehrling belaufen sich nämlich in Lemberg auf fl. 100 jährlich. Die genannte Stiftung hat denn in der That bereits auf Grund der ihr bewilligten Subvention 25 neue Zöglinge ausgenommen und bei Handwerkern untergebracht. Sämmtliche Zöglinge erhalten in einer Abendschule, welche den gesetzlichen Vorschriften vollkommen entspricht, Unterricht in allen Gegenständen der Volks- und Bürgerschule. *) Gleichzeitig fei es mir gestattet, zweier Hrrthürner aus der Eorrespenden; über de« zweiten Prozeß Stöcker;u berichtigen. Zunächst fragte ich nicht meinen verehrten Nachbar, wie es der Setz« thut : .Warum bewerben Sie sich um em Wrea- -amtV“ wodurch die Antwort unverständlich bliebe, fonbcnt: „Warum bewerben Sie sich nicht um einEhvennmt?" Sodann stand der Spruch: „Erkenne Dich selbst" nicht «ber dem Delphischen Orakel, wo er ja in der Luft geschwebt hätte, sondern über dem Eingang« znm Apollinischen Orakel in Delphi. t5orr. Achnliche das Handwerk betreffende Anregungen haben wir auch in verschiedenen größeren Landgemeinden gegeben und ihnen gleichzeitig unsere materielle ttilterstützung zugcsagt; leider ist jedoch bisher noch kein greifbares diesbezügliches Resultat erzielt worden. Die neueren gegen den Handel und gegcnNltdcrlaffnng der Handwerker gerichteten rumänischen Gesetze haben den Jammer und die Roth unter den dortigen Juden noch gesteigert und das Proletariat zu einer wahrhaft erschreckenden Höhe an wachsen lassen. Die im abgclanfcnen Jahre gegen den Hansiryandel erlassenen drakonischen Gesetze, von welchen Tausende und aber Tausende jüdischer Familien auf das Allcrhärteste betroffen wurden, hatte eine unbeschreibliche Paniquc unter denselben hcrvorgerufen und sie singen an, in Hellen Haufen auszuwandern, um sich das in der Heimath verlorene Brod aus fremdem Boden zu suchen. Wir hatten hier mit ähnlichen trostlosen Verhältnissen zu känipfen, wie seiner Zeit beim russischen Erodns. Auf der einen Seite wurden wir mitverzweifeltcn Hilferufen aus Rumänien bestürmt, ausgiebige Uuterftutznngcn zur Linderung der dort entstandenen Roth zu gcwähreii; ans der anderen Seite verlangten die hcrcinfluthcndcn, rumänischen Flüchtlinge ungestüm Befreiung aus der sic schwer drückenden Rothlagc durch Beförderung nach der neuen Welt. Es war ein herzzerreißender Anblick, diese Jammergestalten mit ihren von Gram verzehrten Weibern und Kindern um Brot und Arbeit flehen zu scheu. — Wir thatcn, was wir nur immer zur Verbesserung der Lage dieser Unglücklichen zu thnn vermochten. Wir sandten eine beträchtliche Summe nach Rumänien selbst, und waren andererseits wieder auf das Eifrigste bemüht, die nach Oesterreich hcreittströmcnden Flüchtlinge in möglichster Schnelle weiter zu befördern, indem wir die Tauglichen nach Amerika cxpcdirten, die Untauglichen aber mit entsprechenden Beträgen kn ihre Heimath bcsördcrtcn und den Eltern, wo dieses angezcigt war, zur Erleichterung ihres Fortkommens Kinder abnahmcu, um dieselben dem Handwerke zuzuführen. Monate lang hatten wir ununterbrochen in dieser Richtung zu arbeiten, bis cs uns schließlich gelungen, den Andrang allmählich znrückzudämmcn, so das; wir es heute nur noch mit vereinzelten Fällen zu Ihm» haben. Und wir dürfen mit. Befriedigung konstatiren, daß wir mich diesmal die schwierige Aufgabe — soweit sie vorläufig überhaupt zu lösen war — gelöst habe», ohne das; die österreichischen Gemeinden, welche ohne Eingreifen der Allianz »othwendig von den herbeiströmeuden nothlei-

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