Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 59 (27.7.1885)
- Date
- 1885-07-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1000 Erklärung. Wir wollen nun die von uns aufgeworfenen Fragen der Reihe nach erörtern. Wir lesen in der letzten Mischna des Traktats Sotah (Rachmanidcs bemerkt im Traktat Abodah Sarah, daß diese Mischna später hinzngefügt sei. Vergleiche Abodah Sarah 20 b. und Jalkut zu 5. B. M. E. 2:r. V. 10, woselbst sich einige andre Lesarten befinden). nvp:i fnrp2 n'b hnoc nun: tqtn tn» p oms dt ,tndd rmsnsi #mare n'b ntos mnei ,mnc yyb hndd dnt nyb .tnds nujn ,nüy yyb tnds nampi ,ncrip nyb »t* r.x'DQ niTom nn-on yyb hnod xcn pintt ,xan rrnm dtish rrnn yyb ttrpn nni ,EHpn nn : jCN IDT by NO D’ncn „Rabbi Pinchas den Ja'ir sagte: Eilfertigkeit (im Dienste des Schöpfers) fuhrt zur Reinheit, Reinheit fuhrt zur Herzensreinheit (vergleiche Toßaphot Jom Tob), Herzensreinheit fährt zur Enthaltsamkeit, Enthaltsamkeit führt zur Heiligkeit, Heiligkeit führt zur Demuth, Demuth führt zur Furcht vor der Sünde, Furcht vor der Sünde führt zum Ehaßiduth, Ehaßiduth führt zum heiligen Geiste, der heilige Geist führt zur Belebung der Todten, und die Belebung der Todten tritt ein durch Elijahu, gedacht zum Guten, Amen." Es ist hier nicht am Orte, diesen Mischnaznsatz in allen seinen Einzelheiten und in Bezug auf die abweichenden Lesarten nn den verschiedenen Stellen des Talmuds zu erklären; constatkren wollen wir nur, daß xcn p.nt, die Furcht vor der Sünde, und nrron, Ehaßiduth fast zu den höchsten Stufen dieser erhabenen Stufenfolge gehören und das; demnach Rabbon Jochanan den Sackai seinen Schülern durch die Bezeichnung xcn nt und -von höchst ehrenvolle Anerkennung zu Theil werden läßt. Um so schwerer scheinen die Worte Hillels Lp n>i neh nt in "n Ton pxn begreiflich. Demnach könnte ein tu, ein ungebildeter, unwiiieudcr Mensch eilfertig im Dienste Gottes, rein im Verkehr mit seinen Mitmenschen, herzensrein, enthaltsam, heilig und demüthig sein; nur die Stufe der nlti dnt, der Furcht vor der Sünde, könnte er nicht erreichen; und ein Am Haarez könnte auch diese Stufe erreichen, ltuv ein Chaßid könnte er nicht sein. Wir müssen daher von der gewöhnlichen Erklürungsweise sowohl der Bezeichnungen pNn Opi nn als auch Tom NLn pnt abgehcn und diese Begriffe anderweitig festzustellen suchen. Unter to verstehen die meisten Erklärer eine» in jeder Beziehung ungebildeten und unwissenden Menschen, während sie als Am Haarez einen solchen bezeichnen, der zwar gesellschaftliche Bildung, aber keine Kenntnisse in der Thora besitzt. Im Traktat Berachoth 47d. wird über den Begriff Am Haarez abgehandelt. Nachdem daselbst verschiedene Kriterien dafür angegeben, schlicht der Talmud ab: 'Ti n"n src» n.t tuen nt? Vsx ittdin odtin :anreo rr&n ru.n 3T tcn ,pxn Op rsr „Am Haarez heißt selbst ein solcher, der in Bibel und Mischnah wohlbewandert, aber nicht zum Studium der Geniara (vergleiche Raschi) vorgedrungen." Zu jener Zeit konnte die Keuntniß der Gemara nur durch den fortgesetzten Umgang mit de» Weisen erlangt werden. Durch diesen Umgang lernte mau ein Doppeltes; man lernte den eigentlichen Sinn, daß tieferliegcnde Verständniß der schriftlichen wie der mündlichen Lehre erfassen; man lernte zugleich die Art und Weise des Verhaltens der Weisen in Bezug ans alle Dinge erkennen, die nicht stricte durch das Gesetz vorgeschriebe» sind, *pN *pT und prn rrntre v&b. Wer nicht zu denken und zu forschen gelernt hatte, hieß Ilm Haarez; wer auch nicht gelernt hatte, wie die Ehachamim sich benehmen solle», wurde als td bezeichnet. Demnach kann ein TD wohl gottesfürchtig sein, er kann eilfertig sein in der Ausübung der Gottesgebote, kann sich der Reinheit des Handelns befleißigen, kann Herzensreinheit erlangen, kann enthaltsam leben, kann in seinem Lebenswandel bis zur Heiligung Vordringen, kann demüthig und bescheiden auf Erden wandeln, aber bis zur Nün pnt, bis zur Furcht vor der Sünde kann er cs nicht bringen. Beachten wir wohl: Hillel sagt nicht, daß ein TD nicht gottesfürchtig sein könne; er sagt nur, daß er die Sünde nicht fürchtet. Daß der Mensch sich fürchte eine Sünde zu begehen, nicht aus Flucht vor der Strafe, nicht aus Rücksicht gegen seine Mitmenschen, sondern einzig und allein deßhalb, weil er die Sünde an sich als etwas betrachtet, das zu begehen man sich fürchten muß — das ist eine hohe Stufe menschlicher Vollkommenheit, die wir im folgenden Kapitel beleuchten wollen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 21. Juli. Wie das „B. T." von vertraunngswürdigcr Seite erfahrt, hat das Königl i che E^o n s i st o r i u m Veranlassung genommen; sich Einsicht in die Akten und in das Erkenntniß des ProzentsSchuridt contra. Stöcker zu erbitten. Ein erstes unzweideutiges Anzeichen, daß die Vorgänge der letzten Woche» von der geistlichen