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Der Israelit · 1885-07-27 · Heft 59 (27.7.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 59 (27.7.1885)
Date
1885-07-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. M SS Der Israelit. Ein Gentrak - Hrgan für das ortfiodoXe Zudenthum. Herausgegeben von Dr. Lchnraun in Mainz. Montag, den 27. Juli SS45 <1885). Leitender Artikel. Aie Sprüche der Wüter. Mainz, 24. Juli. Wiewohl wir im vorigen Kapitel eine ausreichende und zutreffende Erklärung der in Rede stehenden Mischna gegeben haben, so wollen wir doch nicht verfehlen, auf einige Schwierigkeiten aufmerksam zu machen, die sich bei sorgfältiger Betrachtung derselben ergeben müffen. war» nt in px, „ein ungebildeter und unwissender Mensch fürchtet die Sünde nicht." — In der achten Mischna dieses Abschnittes wird uns berichtet, daß Nabbon Jochanan ben Sackai fünf vorzüglichen Schüleni, den größten Männern Israels, ehrende Beinamen gab. So nannte er Rabbi Schimeon ben Neßanel einen NL?n nt, einen solchen, der die Sünde fürchtet. Wenn wir damit Hillels Ausspruch NLsn nt io I'N vergleichen, so hat Nabbou Jochanan ben Sackai diesem seinen Schüler ein sehr zweifelhaftes Kompliment gemacht, er hat ihm bezeugt, daß er kein to gewesen. — Einem andern seiner Schüler. Rabbi Jose Hakohen, gibt derselbe Lehrer den Beinamen „Chaßid;" wenn wir damit den Ausspruch Hillels tdpi pxn cy ab\ vergleichen, so hätte Nabbon Jochanan ben Sackai nur bezeugt, daß Rabbi Jose Hakohen kein Am Haarez gewesen. Eine andere Frage, welche die Erklärer aufwerfen, ist die: Wir lesen in der neunten Mischna des dritten Abschnittes dieser Maßechtha: nimp *.Nön nxr» b -.tdin ndvi p Nr:n »an iNön nxrb nc*np vmw bi ,r>v"plW '.noan ,ir>van- : nc”pno moan px „Rabbi Chanina ben Doßa sagte: Jeder, dessen Furcht vor der Sünde seiner Weisheit vorangeht, dessen Weisheit besteht; jeder aber, dessen Weisheit seiner Furcht vor der Sünde vorangeht, dessen Weisheit har keinen Bestand." Wenn wir diesen Ausspruch mit dem Hillels Nian nt td px vergleichen, so scheint sich ein Dilemma zu ergeben, aus welchen! inan nicht herauskömmt. Ein Unwissender, lehrt Hillel, kann die Sünde nicht fürchten: er muß also zuvor Weisheit erlangen, ehe er die Sünde fürchten lernt. Rabbi Chanina ben Doßa aber lehrt, daß, wenn die Weisheit der Furcht vor der Sünde vorhergeht, die Weisheit keinen Bestand habe. Es ist unmöglich anzunehmen, daß in dieser Beziehung Rabbi Ehanina ben Doßa anderer Ansicht als Hillel sei. Es muß daher der Widerspruch, der hier zu Lage zutreten scheint, in anderer Weise gelost werden. Eine dritte Frage ist die: Hillel lehrt: :&rx r»v6 btwn omxn pxty mpoai „An einem Orte, an welchen! keine Männer sind, bemühe dich, Mann zu sein." Daraus scheint hervorzugehen, daß an einem Orte, an welchem es Männer gibt, man sich nicht zu bemühen braucht, Mann zu sein. Ist es nicht vielniehr immer nothwendig, daß!nan sich beinühe, Mann Nk°sein? Kann Hillel lehren wollen, daß Ort und Umstände, von dem Bestreben, Mann zu sein, dispensireu? Auch bedarf der eigenthümliche Ausdruck bn»n der Erklärung. Er ist Imperativ im Hißpaäl von dem ursprünglich chaldäischen Worte br, überreden. (Vergleiche Targum Onkelos und Rasch! zu 2. B. M. C. 22. V. 15). Der Begriff des Ueberredens, des Sichniühegebens durch Für- . spräche, liegt auch in dem chaldäischen Worte bmw; so in dem Ausspruche, rpropo aywrw dtn Dy binvn 'in H. „Gib dir Mühe um einen Menschen, dem das Glück lächelt." So auch in dem Int Mittelalter häufig gebrauchten Worte jbn», Fürsprecher, der sich der Gunst der Großen erfreut. Der in unsrer Mischna gebrauchte Ansdruck brwn bedarf daher der näheren

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