Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 58 (23.7.1885)
- Date
- 1885-07-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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wollen sie cs gar nicht glauben, trotz der Thatsachen, daß man auch sie ihrer Religion halben, von der sie sich langst losgcsagt haben, nicht ansnimmt, keinen Unterschied macht zwischen ihnen, die sich doch endlich bemüht haben, ihr Judenthum zn verwischen, die es oft fertig gebracht haben, daß man in jüdischen, wie nichtjüdischen Kreisen sie nicht als Juden erkannte, die durch ihr ehrenhaftes feines Auftreten, wie andere gebildete Menschen geachtet und geehrt wurden, und zwischen den streng sich an das jüdische Gesetz haltenden Juden, die ja gar kein Hehl machen aus ihrer Religion, sich anck vor Nichtjuden nicht geniren in ihren religiösen Gebräuchen, in ihrer« religiösen Leben. Ueberrafchcnder aber noch muß es den modernen Juden berühren, daß weniger die wahrhaft gesctzestrcuen Juden, die fest zu ihrer Religion stehen, angefeindet werden, ja, häufig ausgenommen werden, während der modernen Richtung im Judenthum mit Recht ihre Religionslosigkeit und die sich daraus ergebenden Hebet zum bitteren Vorwurfe gemacht werden. Und doch kann ein Thcil der modernen Juden von sich behaupten, daß er ja nichts anderes gethau, als was man heute von jedem Gebildeten verlangt,' und daß er der Zeitrichtung gehuldigt, sich von dem edlen Streben unserer Zeit nach Kenntuiß und Bildung, nach moderner Gesittung, von der« Geiste der Humanität und Toleranz, der Gleichheit und Brüderlichkeit sich tragen ließ. Mit frohen Hoffnungen hatte man das Anbrcchcu eines herrlichen Morgens begrüßt, fteudig und gehobenen Sinnes voll Eifer sich bestrebt die Bedingungen zu erfüllen, die man au uns stellte, um in der Achtung und Werthschätzuug zu steigen: und jetzt? statt Lob und Anerkennung, Tadel und Vorwürfe. Was sollte mau denn noch thu»? was verlangt man denn von uns? wodurch können wir den Verleumdermund stopfen, den Feind zuftieden stellen?... Man räth hin und her, des Rathsels Lösung zn finden. Es fehlt bei dieser auffallenden Erscheinung des ucuaufgelcbtcn Judenhasses noch etwas Wesentliches, um ihn erklären zn können. Vielleicht gibt uns die obcnangeführte Stelle der h. Schr. einer! Wink, wo die eigentliche Ursache zu finden sein dürfte, 'in r6xn onorm fe iirWi "cd „Wenn man Dich anfeindet, da alle diese Dinge Dich betroffen haben", nämlich, daß Du zerstreut wurdest, daß Du Göttern dientest, Menfchenwerke verehrtest. Warum also so erstaunt fragen, so sehr überrascht sein, es so auffallend, so räthselhaft finden! Es ist ja kein Räthsel, da ja Gott selbst klar und deutlich den Grund auch der heutigen Erscheinung angibt! „Die mich ehren, werde ich wieder ehren, die mich verachten, sollen gering geschätzt werden." Auch das ist ein beherzigenswerther Ausspruch Gottes». In Egypten hatte sich unser Volk in sein Sclaventhum hineingelebt, befand sich ganz wohl dabei. Auf einmal fiel es Pharao cm, diese fleißigen, ruhigen, geduldigen Arbeiter als eine Gefahr für sein Volk zn betrachten und ließ sie durch verschärfte Gesetze und Verordnungen ihre ohnehin schon nichts weniger als angenehme Lage recht empfindlich fühlen. iru&n „Da seufzten sie"; sie fingen an, sich in ihrer Stellung unbehaglich zu fühlen; sie begriffen auch nicht diese plötzliche Sinnesänderung Pharao's, dem sie bis jetzt mit allen Kräften gedient hatten. Sie seufzten, fiihlten jetzt erst das Entehrende ihrer Lage. Unser Volk hatte in Egypten verlernt, andere, höhere Wünsche zu hegen, hatte vergessen, daß seine Väter einst freie Leute waren, hatte vergessen des Gottes seiner Väter. Da kam eine Aeudernng, die sie sich nicht zu erklären vermochten und die sie nichts weniger als für den Anfang ihrer Erlösung hielten. Und doch war es so. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Würzburg, 22. Juli. Auf Seite 942 Nr. 56 des „Israelit" laufenden Jahres findet sich ein Artikel, welcher geeignet ist, Unrichtigkeiten in Bezug auf die Tendenz unseres „Generalanzeigers* zu verbreiten. Der Inhalt des „Deutschen Michel", wie wir erfahren haben eines antisemitischen Blattes, von dem wir aber noch keine llkummer in den Händen gehabt haben, war uns vollständig unbekannt. Das fragliche Inserat, dessen Ausbeutung jetzt von einer uns wohlbekannten €*fte betrieben wird, die uns von Aufaug an feindlich gegenüber gestanden hat, und kau m in der jüdischen Gesellschaft zu suchen sein dürfte, ging uns als Changeinserat zu, also als gedrucktes Manuscript, und daß solche nicht immer erst einer sorgfältigen Durchsicht unterzogen werden, sondern meist sogleich in die Setzerei wandern, wird uns die Expedition des „Israelit" bezeugen, sofern sie selbst mit Changeinseraten zu thun hat. Die Fahne unserer Unparteilichkeit halten wir nach jeder Richtung hm hoch und werden alle Angriffe darauf zurückwttseu. Die Würzburger israelitifche Bevölkerung weiß genau, was sie von dem „Generalanzeiger" zu hatten hat, durch sie find uns Dutzende jener von Entstellungen und Unwahrheiten wimmelnden Zirkrlare überliefert worden.