Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 58 (23.7.1885)
- Date
- 1885-07-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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989 wir hoffen und wünschen aber auch, daß durch diese Erklärung nufere gesammtcn jüdischen Leser befriedigt und aufgeklärt sein werden. Hochachtungsvoll Redaction und Verlag des „Würzburger General- Anzeigers" I. M. Richter's Buchdruckerei. 8. Frankfurt a. M., 17. Juli. Heute Nachmittag hatte sich am Portale des Friedhofs der isr. Neligionsgefellschast eine ansehnliche Versammlung zusammengefunden, um den irdischen Ueberresten des Dr. Sam. Speyer n"y die letzte Ehre zu erweisen. Ein schweres Leiden hatte ihn heimgesucht, dem er dann in einem entfernten Badeort, wo er Heilung suchte, erlegen ist. Herr Dr. Speyer n"j> war in Burghaun geboren, besuchte das Gymnasium in Fulda, studirte alsdann in Würzburg und Berlin und besuchte auch einige Zeit die ryvr in Eisenstadt. Seine erste Stelle fand er als Lehrer in der Talmud-Thora-Schule zu Hamburg, worauf er als Lehrer und Prediger nach Rendsburg berufen wurde. Wiederum nach Hamburg in seine frühere Stellung zurückgekehrt, folgte er alsdann einem Rufe als Lehrer und Prediger nach Eschwege, woselbst er mehrere Jahre gewirkt. Hierauf übernahm er hier eine Anstellung als Lehrer an der Realschule der isr. Neligionsgesellschaft und bald nach seinem Hiersein auch die eines Waisenvatcrs an der ne» gegründeten isr. Waisenanstalt. Weichherzig und mild wie der Verstorbene war, war er den ihm auvertrauten Waisenkindern ein liebevoller Vater, der für das Wohl jedes Einzelnen mit ängstlicher Sorgfalt bedacht war. Aufrichtig frommen Herzens, waltete er der beiden schwierigen Aemter, die ihm übertragen waren, mit gewissenhafter Treue, die immer das Beste anstrebte und das Gute wollte. Die Kleinen in der Schule und die in seinem Hanse liebten und schätzten ihn, und seine Kollegen waren seine Freunde. Die tückische Krankheit untergrub leider immer mehr und mehr seine Kräfte, sa daß er schon gegen Ende des vergangenen Winters erst theilwcise, daun ganz seine Lehrthätigkeit zu seinem eigenen Schmerze und seinem größten Leidwesen auf ärztliche Anordnung einstelleu mußte. Er verließ mit Beginn des Frühlings sein Heim, um iu der Landfrische neue Kräfte zu sammeln, es war ihm aber nicht beschieden, so oft er auch nach Hause drängte, sein Familienheim wiederzusehen. — Mit Rücksicht auf den hcrannahenden rav konnte Herr Direktor Dr. Hirsch, der im Namen der Schule an der Bahre sprach, nur wenige Worte des Nachrufs dem Verstorbenen widmen und sich nur auf furje Andeutungen auf die Pflichttreue und die Güte des Verblichenen beschränken, die er als Lehrer und Waiscnvater bethätigte. Herr Dr. Werner zollte im Namen der Waisenhausverwaltung dem Verstorbenen die Anerkennung, die er sich um das Gedeihen und die Forderung der Zöglinge des Waisenhauses in reichem Maße verdient hatte. Möge Gott der vielgeprüften Wittwe und den trauernden Kindern den Trost senden, dessen sie bedürfen, die schwere Prüfung, die ihnen auferlegt worden, zu ertragen. Feuilleton. Jüdische Kochzeit in Hakizien. lZn unserem Bilde). Reich an typischen Figuren und voll frischen Lebens, groß angelegt und liebevoll bis iu's Kleinste ausgeführt, anheimelnd und fremdartig zugleich ist das Bild, welches wir heute unfern Lesern vorführcu. Meisterhaft hat der Pinsel des Danziger Malers Stryowski seinen Vorwurf, eine jüdische Hochzeit in Galizien, auf die Lciuwaiid gezaubert, und nur ungern entbehrt unser Holzschnitt der leuchtenden Farbenpracht. — Die Inden Galiziens bilden 10°/0 der dortigen Bevölkerung und ungefähr die Hälfte aller Juden der österr.-nngarischen Monarchie. Wie man allgemein annimmt, sind sie vor Jahrhunderten, zur Zeit blutiger Verfolgungen, aus Deutschland hier cingcwandert. So ist denn auch ihre Sprache ein allerdings sehr corrnmpirtes Deutsch, das veraltete deutsche Wörter und Formen conscrvirt und mit polnischen und hebräischen Bezeichnungen untermischt ist. Wenn von mancher Seite ihre Herkunft vom griechischen Kaiserreiche behauptet wird, wegen der eigcnthümlichen Tracht, die von der landesüblichen abweicht, so hält man dem entgegen, daß diese Tracht eine uralte, sarmatische sei, die die Polen selbst bis zum l5. Jahrhundert getragen und dann gegen die tartarische aufgcgeben hätten, ohne jedoch den Juden Gleiches zu gestatten. Wie auch unser Bild zeigt, tragen die Männer (durchweg hohe, hagere Figuren mit charakteristischen, häufig wahrhaft schönen Köpfen) einen schwarze», um die Hüften gegürteten Kaftan (Schubcv), der meist von Seide ist, an den Füßen haben sie Schuhe, auf dem Kopfe die hohe Pelzmütze (Strieme!). Die Frauen tragen um den Kops bunte Turbane und schmücken sich, wenn ihr Besitz es gestattet, mit Perlen und Edelsteinen. Den Handel und fast sämmtliche Handwerke betreibt lnGalizien beinah ausschließlich der Jude. Was die religiösen Parteiungen betrifft, so