Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 58 (23.7.1885)
- Date
- 1885-07-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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984 ander Seelen abspenstig zu machen geneigt wären, Katholiken und Protestanten, und ein zweimaliger Neligionswcchsel reicht nicht hin zur Versorgung für die ganze Lebenszeit. August Brimann hat nur deshalb jahrelang mit seinen Konversionen in Deutschland und Oesterreich-Ungarn gute Geschäfte machen können, weil er just zur Zeit der antisemitischen Agitation eingetroffen ist, der offenen und den Krypto- Antisemitcn durch wirkliche oder vorgebliche stupende Kenntniß des Talmud irnpouirt und sich ihnen unentbehrlich gemacht hat. Aber in England und Nordamerika, wo die Sekten so zahlreich sind, wie Sand am Meere, florirt das Geschäft und nährt seinen Mann. Denn cinerfekts wird der Bckehrungseifer durch die mannigfachen Reibungen genährt, andererseits hegen kleine Rcligicnsgenoffenschaftcn ein besonders lebhaftes Verlangen'nach Vermehrung ihrer Mitgliederzahl. London. Bei der Wahl in Aylesbury hat der l icberale Kandidat, Baron Ferdinand von Rothschild 242 Stimmen mehr erhallen, als selbst Sir Nathanicl Rothschild bei der Wahl im Jahre 1880. Baron Ferdinand erhielt nämlich 2353 Stimmen, während auf den Konservativen Mr. Graham nur 1416 Stimmen fielen, also 95 weniger als bei der letzten Wahl. Baron Ferdinand James von Rothschild ist als zweiter Sohn Anselms von Rothschild in Frankfurt 1842 geboren. Im Jahre 1865 hcirathetc er seine Cousine Evelina, eine Tochter des Baron Lionel Nathan von Rothschild, also eine Schwester des jetzigen Lord Rothschild, doch verlor er schon im Jahre 1866 seine Frau und ölieb seitdem Wittwcr. Baron Ferdinand betritt jetzt zum ersten Male als Abgeordneter die Parlamentsräumt. Durch seine Wahl wird das Berhältniß der Parteien nicht verändert, da auch Sir Nathaniel zu den Liberalen gehört. Asien. Interessante Mittheilungen über einen im Kaukasus lebenden Judenstamm gibt die neueste Nummer des „Ausland". Dieselben sind jetzt gegen 500 Fanlilien stark und ihrer Ueberlieferung nach im fünfzehnten Jahrhundert aus Persien eingewandert, gerufen von den Fürsten der K u m y k e n, welche den Anbau von Krepp und Wein in ihren Thälern einführcn wollten. Sie sprechen zwar alle kaukasischen Dialekte, haben aber unter sich das Persische beibehalten und auch ihr Talmud ist in dieser Sprache übersetzt, ebenso stehen sie heute noch nicht mit den russischen Judengemeinden in Verbindung, sondern betrachten den Großrabbiner von Derbent als ihr religiöses Oberhaupt. Von den Kaukasiern, denen sie als vollkommen gleichberechtigt gelte», werden sie Dagh-Tschufnt genannt (vonDagh,Gebirg, und Tschufut, der persischen Bezeichnung für die Juden, welche auch von den Türken aber nur in verächtlichem Sinne angewandt wird). Marokko. Auf Anordnung des Sultans von Marocco ist dem Gouverneur von Deninat die Jurisdiction über die dortigen Juden wegen ihrer schlechten Behandlung seitens des erstcren entzogen worden. Der Sultan hat auch einen Offizier von hohem Range nach Demnat gesandt, um für die künftige Sicherheit der Juden Fürsorge zu treffen und dieselben anzuweifen, ihre Beschwerden dem Sultan zu unterbreiten. F e u i Jl_I c t o tu Aus Zerusalem. Bon A. Grünebaum. (Fortsetzung.) Wir statteten dem deutschen Eonsul, Herrn Dr. Reitz, unter dessen Schutz das zu gründende Hospital stehen wird, öfters Besuche ab, welcher mich als seinen Landesangehorigen äußerst freundlich aufnahm und mir gerne jedwede Auskunft gab. Derselbe ist als ein energischer und wahrhaft liebenswürdiger Beamter bekannt, und so war ich froh, wenn ich Gelegenheit hatte, ihn anfzusuchen. Es freute mich ganz außerordentlich, daß er sich so zufrieden über unsre dortigen Brüder aussprach, daß er sie mir als sehr thätige, arbeitsame Menschen schilderte, die aber trotzdem arme Menschen seien durch die Handels-, Bodennnd Elementarverhältnisse. — Üm nun einigermaßen Land, Leute und die bestehenden Einrichtungen kennen zu lernen, mußten wir unsre Zeit gut eintheilen; wir machten deshalb durch Anschlag an unsrer Thüre bekannt, daß wir täglich von 1—3 Uhr (deutsche Zeit) zu sprechen seien. In der That hatten wir die Ehre in dieser Zeit nnd darüber hinaus stets mit massenhaften Besuchen beehrt zu werden, zunächst von den Rabbinen, Gabaim. sonstigen Personen in Stellung und den verschiedenen vÄv, ferner!wn vielen andern Leuten, die mit Vorschlägen zu Einrichtungen und Verbesserungen des Vorhandenen uns anlagen, wie auch von Privatbittstellern und solche», die auf Bestellungen in dem zu eröffnenden Hospitale reflektirten. Dabei muß ich erwähnen, daß die Leute im Allgemeinen äußerst dankbar sind; sie wissen gar nicht, welche Ehre sie den Ausländem erjagen sollen, aus Dankbarkeit für die Unterstützungen, die sie genießen. Femer herrscht im Großen und Garden ein solcher Wohlthätigkeitssinn der Leute unterein-