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Der Israelit · 1885-07-23 · Heft 58 (23.7.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 58 (23.7.1885)
Date
1885-07-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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932 Von den vorzüglichsten Eigenschaften des Verewigten haben wir noch seine große Bescheidenheit, seine liebevolle Milde nnd seine unermeßliche Gottcrgebenheit hervorzuheben. Der edle Mann-hat in seinem langen Leben viel Schmerzliches erdulden muffen. Wiewohl er das hohe Alter von fast 90 Jahren erreichte, war er schon in junge» Jahren nnd bis zu seinem Ende kränklich und von körperlichen Schmerzen vielfach geplagt. Doch ließ er sich durch sein schmerzhaftes Leiden in seinen Geschäften, denen er mit unermüdlichem Fleiße oblag, nicht behindern; noch weniger im Thoralernen, so daß an ihm sich der Ausspruch des großen Hillel min rme v"n nano bewahrheitete. Das Thoralerncn verlängerte sein Leben. Noch als Krankheit und Altersschwäche seine Kräfte gelähmt hatten, lebte er förmlich auf, wenn er Gelegenheit fand, den ihn Besuchenden aus dem reichen Schatze seines Wissens mitzutheilen oder min nr* von ihnen zu hören. Viele Freude bereitete ihm die großartige Entwickelung, der herrliche Aufschwung, welchen die israelitische Ncligionsgesellschaft, ihre Synagoge, ihre Unterrichtsanstalten und ihre andere Gemeinde-Institutionen unter der bewährten Führung des Herrn Rabbincn Hirsch '"2 nahmen. Bis in das höchste Alter suchte er die erhabenen Ziele der israelitischen Ncligionsgesellschaft mit allen Kräften zu fördern. So war sein Leben hier auf Erden ein segensreiches, mnstcrgiltigcs und so wird sich an ihm auch erfüllen der andere Ausspruch des großen Hillel son D^iyn ”n t rup, min nm *6 rop. „Wer sich erworben hat die Worte der Gotteslehre, der hat sich erworben das Leben der zukünftigen Welt." Zeitungsnachrichten nnd Corrcspondenzen. Deutschland. Berlin. Es liegt ein gewisser grimmiger Humor in der Thatsache, daß Dr. Ginsburg für den Betrag von 3 Schillingen das Bündel der berüchtigten Shapira-Manuscripte erstand, die er vor geraumer Zeit für das Britische Museum geprüft hatte. Damals verlangte der unglückliche Besitzer etwa 1 Million Pfund Sterling für seine ganze Sammlung. Hätten sich die Dokumente als echt erwiesen, dann würde der Preis vielleicht des Feilschens werth gewesen sein. Aber erst die Berliner Experten und dann die englischen erklärten dieselben für unverschämte, obwohl geistreiche Fälschungen; der erbärmliche Eigenthümer verübte Selbstmord und gestern würde die ganze Sammlung bei Sothcby, Wilkioson und Hodge für wenige Pfund meistbietend versteigert. Das lederne Deuteronomium, welches, wenn es Dr. Ginsburg's Prüfung bestanden hätte, sich jetzt wahrscheinlich unter den seltensten Schätzen des Mrseums befinden würde, wurde für Lstr. 10 5 Sh. zugefchlagen , und dies war der höchste Preis, der für ein einziges „Lot" gezahlt wurde. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Miskolcz, 13. Juli. Die drei Israeliten Kein, Fried und Eckert, welche wegen des Verdachtes, die ans Saja Vamos verschwundene kleine Nemeth getödtet zu haben, verhaftet wurden, sind heute aus der Hast entlassen worden und die Untersuchung gegen sie wurde eingestellt. England. London. Der Prozeß des zweimal getauften Brimann hat wiederum die allgemeine Aufmerksamkeit auf das Treibender Missions-Gesellschaften und deren Schützlinge gelenkt. Die dahier bestehende „Gesellschaft zur Bekehrung der Juden" wurde vor langen Jahrzehnten errichtet und erweckte in ihrem Beginne eine gewisse Begeisterung unter den gläubigen Christen. Die pietiftische Geistlichkeit Deutschlands bildete gleichfalls Judenmissions-Gesellschaften. Während der Vierziger und Fünfziger Jahre wurden Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Rußland und andere Staaten von Judenmissionären, meist getauften Nabbinatskandidaten, durchreist, welche, auf die damals im Judenthum herrschende Neformbewegung ihre Hoffnung setzend, in den Häusern der gebildeten Israeliten vorsprachen und dort weit mehr irdische Bortheile, als ewige Seligkeit in Aussicht stellten, auch öffentliche Vorträge über den Messias hielten. Jugendliche Blaustrümpfe und mehr noch alte JMgfern Englands schrieben zahllose Traktätchen, in welchen den Israeliten, so sie sich nicht bekehren wollen, das ewige Höllenfeuer in Aussicht gestellt wurde, und vertheilten sie auch, zuweilen mit Lebensgefahr, unter den zu Bekehrenden. Bald jedoch stellte sich heraus, daß das Misfionsgeschäst ein riesig kostspieliges und dabei völlig undankbares war. Die deutschen Judenmissionen gingen sammt und sonders ein, weil die Laien kein Geld für den Bekehrungssport hergaben. In England jedoch ist fÄicfcn religiös angestrichenen Unsinn Geld in dufte und Fülle zu haben; der Londoner Judenmissimls-Gcsellschaft fließen noch immer reiche Mittel zu, obwohl die Bekehrung jedes einzelnen Juden durchschnittlich

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