Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 58 (23.7.1885)
- Date
- 1885-07-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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IiavSi Hewele (David) Aondi x"ü- Mainz, 20. Juli. Wir haben bereits in voriger Nummer das am Freitag, den 17. d. M., erfolgte Hmscheiden des bedeutenden Mannes, den unsre Uebcrschrift nennt, berichtet, und wollen nunmehr versuchen, unseren geehrten Lesern ein kurzes Lebensbild des Verewigten vorzuführcn. Rabbi Tewele Bondi wurde am 8. Adar des Jahres 5556 (1796) zu Mainz geboren. Sowohl väterlicherwie mütterlicherseits entstannnte er rühnilichst bekannten Familien. Sein Vater, Rabbi Jonah Bondi, ein bedeutender Talmudgelchrter und einer der vorzüglichsten Schüler des berühmten Prager Oberrabbincrs Jechcskel Landau, zahlte die größten Männer der Judcuheit zu seinen Ahnen, wie Rabbi Jonah Landsofer, Verfasser des np-s Rabbi Jonah Frankel, Verfasser des run V’p’p, Rabbi Salomon Luna Rabbi Löwe den Bezalel (hohe Rabbi Lob), Raschi, den Tanai Rabbi Jochanau Haßaudlcr bis hinauf zu König David. — Seine Mutter war eine Tochter des berühmten Mainzer Rabbinen Rabbi Herz Scheuer, eine Enkelin des nicht minder berühmten Rabbi Teble Scheuer, ebenfalls Rabbiner zu Mainz, eine Urenkelin der Bambergcr Rabbinen, Rabbi Rate Utitz, eine Enkelin des berühmten Prager Nagid, Rabbi Samuel Lucka. Nach dem frühen Tode seines Vaters wurden er sowohl loie sein älterer chm im Tode vorausgegangcner Bruder, Rabbi Samuel Bondi, die vorzüglichsten Schüler ihres Großvaters Rabbi Herz Scheuer. Beide wurden hervorragende Talmudgelehrte , wobei jedoch ihre weltliche Erziehung nicht vernachlässigt blieb. Die Jugend der beiden Brüder fiel in die Zeit der französischen Occuption, in der, die GhÄtimauern fielen und die Juden anfingen, an dem öffentlichen Leben und an der allgemeinen Bildung Antheil zu nehmen. Als zwanzigjähriger Jüngling vermählte sich Rabbi Tewele mit Amalia Doktor, Tochter des Rabbi Lippmann Doktor, eines hervorragenden Mitgliedes der isr. Gemeinde zu Frankfurt am Main. Auch die von ihm erwählte Lebensgefährtin war durch die vorzüglichsten Eigenschaften des Geistes und des Herzens ausgezeichnet und hatte ebenfalls eine sorgfälttge Erziehung genossen. Das junge Ehepaar ließ sich in Frankfurt am Main nieder, wo Rabbi Tewele ein Bank- und Lottcriegeschäft betrieb. Seine Hauptbeschäftigung blieb aber immer das Studium der heiligen Gotteslchre, so das; Rabbi Tewele bald zu den hervorragendsten Talmudgelchrten der an Thora so reichen Frankfurter Gemeinde gehörte. Damals brach eine für die jüdisch-religiösen Verhältnisse in Frankfurt am Main recht traurige Zeit an. Die Vorsteher der Gemeinde vermeinten, die Emancipatior: durch Schmälerung, Verkürzung und Verfälschung des Judenthums durch sogenannte Reformen befördern zu können. Namentlich war die Beschäftigung mit dein Talmudstndinm den Herren ein Dorn im Auge. Die fremden Talmndl'ehrer und Talmndschülcr wurden aus der Stadt ausgewiescn, ein Reformpredigcr wurde engagirt, Reformen im Gottesdienst vorgenommen. Da waren es einzelne Männer, die der Zerstörung einen Damm entgegensetzten und zu diesen gehörte Rabbi Tewele Bondi und der Kreis seiner Freunde, von denen wir hier nur seinen Schwager, den berühmten Talmudgelchrten Rabbi Mosch eh Mainz, rtxatn vo» -px* 'rv o^n, namhaft machen wollen. Daß des Heimgegangenen, vorzugsweise der Thora geweihtes Leben auch in Bezug auf die Abodah, den Gottesdienst, ein mustcrgiltigcs war, braucht wohl kaum hervorgchoben zu werden. Jedes einzelne Gottcsgebot suchte er mit der größten Sorgfalt und Hingebung zu erfüllen. Viele Jahre war er Vorsteher der Klanssynagoge. Nicht minder war er der dritten Säule, auf der das Weltall ruht, DHDn dem Heben von Wohlthaten, ergeben! 63 Jahre lang gehörte er der xanp x-on □non rwb'tx an, und viele Jahrzehnte war er Alterspräsident derselben. Als solcher hielt er alljährlich am 15. Schebat, dem Festtage des Vereins, einen taliundischen Vortrag, an dem fast alle Frankfurter Thorabestiffencn bis zn den Schulkindern hinab sich bethciligtcn, indem sie das ausgegebcne Thema sorgfältig studirtcn. — Vor Allem aber machten Rabbi Tewele und seine ihm im Tode fast um ei» Viertcljahrhundert vorausgegangcne edle Gattin die heilige Pflicht von Dmx no»n zu ihrer ganz besonderen Domäne. Ihr Haus war ein überaus gastfreies. All die zahlreichen Armen, die nach Frankfurt kamen, fanden daselbst Speise und Trank, Trost und Hilfe; aber nicht nur die Armen, sondern auch andere Fremde fanden daselbst stets gastfreie Aufnahme, freundliches Entgegenkommen und Beihilfe durch Rath und That. Ein ganz besonderes patriarchalisches Wohlwollen bewies das edle Ehepaar, dem selbst der Kindersegen versagt war, den Kindern und Enkel» der beiderseitigen Gcschtvister. Jedes einzelne Mtglied der beiderseitigen Familien erfreute sich ihrer ganz befondern Liebe und Zärtlichkeit.