Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1885)
- Date
- 1885-07-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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972 angeführt, daß K's. Frau Jüdin sei. Dem gegenüber kann ich bemerken, daß das Judeuthum nicht mehr das zweifelhafte Glück hat, Madame K. zu den Glaubensgenossen zu zählen, da solche schon lange zum katholischen Glauben «bertrat. Hier zu Lande kann man nicht begreifen, daß allenfalls je eine Negierung in Europa einen Gesandten deßhalb nicht annehme, weil seine Frau mt Jüdin. Wenn nun Frau K. auch keine mehr ist, so scheint man den Aussagen in Wien nicht zn trauen und will vielleicht den Taufschein sehen. — Zeitungsnachrichten und Csrrespoudenzen. Deutschla » d. Darmstadt, 14. Juli. Aus die von der mathemat.-naturwissenschaftlichen Hochschule zuDarmstadt gestellte diesjährige Preisanfgabe sind zwei Lösungen eingegangen. Das ReLwrat erkannte dem Einen der Löser den Preis zu, dem Anderen wurde aus zur Verfügung stehende« Mitteln die für den Preis ausgesetzte Summe als wohlverdient zugesprochen. Beide Löser sind Juden. I. Berlin, 16. Juli. Der heute zur Verhandlung und Entscheidung gekommene Prozeß des früheren Abg. Schmidt-Elberfeld gegen den Hofpredigcr Stöcker hat mit einer neuen Niederlage des letzteren geendet. Dieselbe findet chre» Ausdruck nicht nur in dem Erkenntniß, durch welches Stöcker zu 150 Mark eventuell 15 Tagen Gesäugniß und 3/4 der Kosten, Schmidt dagegen, gegen den Widerklage erhoben war, nur zu 50 Mark mrd */4 der Kosten verurtheilt wird, sondern weit mchr tu der Motivirung des Urtheilssprnches. Es heißt darin n. A.: Schmidt sei der Beleidigung schuldig, weil er Herrn Stöcker öffentlich der Doppelzüngigkeit beschuldigt hat; beider Strafbemessung sei aber zu berücksichtigen gewesen, welches Maß von Ehre dem Beleidigten (Stöcker) innewohne; da sei allerdings in dem bekannten früheren Prozeß festgestellt, daß Stöcker in sehr leichtfertiger Weise von der Wahrheit abgewichen sei, und ans diesem Grunde sei der Vorwurf der Doppelzüngigkeit, der sonst sehr schwer ins Gewicht falle, nicht allzuscharf. Lautlich nur mit 50 Mark zu ahnden. — Die Vovnrthciümg Stöckers ist aus § 186 und 185 erfolgt und es wird besonders die Leichtfertigkeit betont, mit der er schwere Beleidigungen gegen einen makellosen Man«, wie Herrn Schmidt, geschleudert. Im Ueörigen hat die Prozeßverhandlung, der wieder schr ZGKschS Publikum beiwohnte, zwar manche interessante und charakteristische Einzelheiten, int Allgemeinen aber nicht das sensationelleJnteresse, wie der vorangegangeneStöckerprozcß. Die Verhandlungen wurdett ruhig und sachlich geführt, namentlich befleißigte sich Herr Stöcker, der eine längere Rede hielt, großer Zurückhaltung und eines etwas resignirten Tones. — Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 11. Juli, lieber das bereits mehrfach erwähnte fürchterliche Brandunglück inHorodenko werden der „N. Fr. Pr." nun folgende Einzelheiten unterm 7. d. M. mitgetheilt: „Der Brand entstand aus bisher noch unbekannter Ursache am'2. d. um 1 Uhr Nachmittags in der inneren Stadt in einem Gasthause. Eine versengende Hitze und ein starker Sturmwind trugen dazu bei, daß das Feuer mit Blitzesschnelle sich verbreitete, so daß schon nach Verlauf weniger Minuten an eine Rettung nicht mehr gedacht werden konnte. Feuerfunken, brennende Holzstücke, Papiere, Fetzen rc. flogen in der Luft, vom Winde mehrere Kilometer weit getragen. Das Weinen und das Jammergeschrei, welches von allen Seiten ertönte, spottet jeder Beschreibung. Erst nach vier Stunden, nachdem die Hälfte der Stadt bereits ein Raub der Flammen geworden, begann das Feuer nachzulassen. Der niedergebrannte Stadttheil war fast ausschließlich von sehr armen Juden und Häuslern bewohnt, die den Verlust ihres ganzen Hab und Gutes beklagen. Es bildete sich sofort ein Hilfskomitö, dessen erste Aufgabe die Stillung des Hungers der Unglücklichen war. Bis jetzt wurde nebst vielen Fällen schwerer oder leichterer Verwundungen konstatirt, daß 11 Personen in den Flammen ihren Tod fanden; es ist jedoch zu befürchten, daß noch weitere Opfer aus dem Schutte zu Tage befördert werden, da man noch viele Kinder vermißt. Aus Prcßbnrg wird geschrieben: Der Ausflug, zu dessen Zielpunkt der „Wiener Reformverein" unsere Stadt auserkoren hatte, hat in Verbindung mit den scharfen Hetzartikeln, welche das hiesige Antisemiten-Organ seit einigen Tagen brachte, zur Annahme geführt, daß es dabei auf eine Dentonstration iit großem Style abgesehen sei. Es wurbcit daher behördlicherseits umfassende Vorkehrungen getroffen, um unstatthafte Demonstrationen oder beabsichtigte Excesse im Keime zu ersticken. Gegen halb 10 Uhr Morgens langten die Wiener Antisemiten, inclusive der Frauen etwa 800 Personen stark, an. Auf dem Dampfschiss-Landungsplatze waren einige hundert Menschen, von Skntonyi und seineut Anhänge abgesehen, größtentheils Neugierige erschienen. Die