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Der Israelit · 1885-07-20 · Heft 57 (20.7.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 57 (20.7.1885)
Date
1885-07-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Skilage zu Nr. 87 des Israelit. Leitender Atikel. Amerikanische Wriefe. v. □ New-Hork, 3. Juli. Wenn auch amerikanische Zeitungen arme Einwanderer stets davon warnen, ganz entblößt in das Land zu kommen, so ^findet diese Warnung leider wenig Beachtung und die hiesige Einwanderungscommission ist daher dem Gesetze gemäß öfter in die Nothwendigkeit versetzt, die armen Leute nach Europa zurückschicken zu müssen. Soeben liegt mir wieder eine Notiz aus Castle-Garden, dem Stapelplatz der Einwanderer in hiesiger Stadt vor, wonach gestern eine jüdische russische Familie, bestehend ans Mann, Frau und 6 Kindern hier ankam, welcher von der „Alliance Jsraelite Universelle" die Reise bezahlt wurde, welche sollst aber gar keine Mittel hatte. Wie nicht anders zu erwarten, werden diese armen Leute wieder über den Ozean zurückgeschickt und sind auch die hiesigen Wohlthätigkeitsanstalten nicht in der Lage, Etwas dagegen thun zu können. i Wenn eine Gemeinde in Europa oder eine Gesellschaft wie die „Alliance Jsraelite Universelle" arme.Leute in das „gelobte Land" Amerika schickt, so sollten sie ihnen auch einige Mittel an die Hand geben, um hier Etwas beginnen zu können. Die jüd. Wohlthätigkeitsanstalten New-Aorks haben (wie ich in einem spätern Artikel zeigen werde) so viel zu thun, daß sie die arnien Emigranten nicht auch noch mit einer Tasche Banknoten empfangen können. Und daß die amerikanische Negierung Recht hat, mittellosen Einwanderern die Landung zu verbieten, ist sicher, da sich ja sonst die europäischen Behörden ihre Armen leicht und billig vom Halse schaffen könnten. Mochten meine Worte in Bezug ans diesen Gegenstand gehört werden und sich die jüdischen Organe entschließen, armen Auswanderern lieben den Reisekosten auch einen anständigen Zehrpfennig mit hieher zu geben. Andernfalls müssen ja die arnien Leute wieder zurück. — Der Kampf zwischen Orthodoxie und Reform, nämlich Kohut uub Köhler (Kohut heißt hi er ja orthodox) nimult immer größere Dimensionen an. Wenn nicht das einzige Unangenehme, der Streit innerhalb des Judenthums das sogen. Dtpn W>ti wäre, könnte Niemand als die wahre Orthodoxie sich mehr freuen; allein dieser Streit, in solcher Weise geführt, ist unerquicklich. Daß die jüdischen Zeitungen voll sind, ist nicht mehr als recht lind billig; daß aber Dr. Köhler öffentliche Erklärungen in politischen Blättern vom Stapel ließ, denen natürlich Gegenerklärungen folgen, ist unverzeihlich. Der religiöse Rabbiner Dr. Pereira Mendes von der (orthodoxen) portugies. Schule hat Köhler gesalzen erwiedert und sich als Erster öffentl. Kohut angeschlossen. Die meisten Rabbiner hier sind auf Seiten Kohuts, während Köhler auf Gottheil und vielleicht auswärtige Rabb. angewiesen ist. Ich will hier nicht näher auf den Streit einzehen; die Leser des „Israelit" stehen aus Seiten Kohuts, der in mannbarer Weise energisch für das wahre und ungetheilte Judenthum eintritt. Es ekelt Einen an, einen Rabbiner wie Dr. Köhler behaupten, und zwar mit Namen in einer öffentl. Zeitung, zu hören, daß man trotz des Essens von Schweinefleisch ein guter Jude sein kann u. s. w. Verschone der Leser den Schreiber ds. mit der ausführlichen Wiedergabe solcher Behauptungen. Das Einzige, was die Herren derartigen Gelichters noch veranlaßt für das Halten des rat? tu ihrem Sinne zu plaidiren, ist sicher die — Stelle. So gut man Schweinfleisch essen, die rk'Q abschaffen kann li. s. w. ebensogut braucht man keinen rai? und an diesem Tage auch kein langweiliges Geplauder in den verschiedenen Tenipeln anzuhören; allein dann fallen auch die fetten Salaire weg. An der Polemik will ich mich nicht betheilige» und nur noch das Eine bemerken, daß während die Reihen des Tempels der Gemeinde Beth El (Köhler) seit der Anwesenheit Kohut's am rop sehr gelichtet sind, bei den Predigten Kohuts nur schwer ein Platz zu erringen ist. Begierig ist mg» jetzt natürlich, was der große Schächter des wahren Jndenthums in Einciuatti vom Stapel läßt; wahrscheinlich verfaßt er ein Werk, damit sich die Polemik auch zahlt. — Die hiesigen politischen Zeitungen bringen Berichte, wonach unter anderen Gründen, weßhalb der neue Gesandte Amerikas in Wien, Herr Keitey, vom Wiener Hof nicht acceptirt wurde, auch der Grund

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