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Der Israelit · 1885-07-20 · Heft 57 (20.7.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 57 (20.7.1885)
Date
1885-07-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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973 Bevölkerung im Großen und Ganzen verhielt sich reservirt und war auch trotz der Aufforderung des hiesigen Antisemiten-Blattes nicht zu bewegen gewesen, die Häuser zu beflaggen. Es wurden keinerlei Begrüßungsreden gehalten; von officiellcn Persönlichkeiten war Niemand erschienen. Es ging nun zunächst „in die Au", wo beim Frühschoppen ein bekannter Judenfresser aus Wien eine Rede hielt, in welcher er das gcmcmsame Interesse betonte, „die Fremdberschaft der asiatischen Racc" zu beseitigen. Ein Herr S i e b e n l i st und Ivan S i m o n y i antworteten, Letzterer gemäßigt. Nach dem Mittagessen ging der Zug, in Colonnen geordnet, nach dem sogenannten „Eisenbrünnl". Verstärkt durch Preßburger Publicum, langten die „Reformer" nach dreistündigem Marsche dort an. Stadthauptmann Koszehuba war hier in voller Uniform erschienen, um irgend welche Ausschreitungen hintanzuhalten. Hier sollte programmgemäß ein „Jdeen-Austausch" zwischen den cis- und transleithanischen Antisemiten stattfinden, der sich jedoch wenig über das Niveau der gewohnlichgcn Phrasen erhob. Erst um 7 Uhr langte Simonyi, von Eljen-Rnfen begrüßt, an, der in einer kurzen Anrede die österreichischen Antisemiten zn den bei den Wahlen erzielten Erfolgen beglückwünschte. Hiemit war das Programm erschöpft und erfolgte der Rückmarsch, wobei es an kleineren antisemitischen Demonstrationen nicht fehlte. Viele israelitische Geschäftsleute hatten schon Vormittags ihre Gewölbe gesperrt. Ans Eperies wandcrte vor etwa fünfzig Jahren ein junger Mann, Namens Samuel Goldner, nach Amerika aus. Dort ließ er sich in glückliche Spekulationen ein, n. A. lieferte er auch Flcischkonserven für die englische Regierung, welche sich jedoch einen Vertragsbruch zuschulden kommen ließ und ihm dafür zwölf Millionen an Schadenersatz zu zahlen hatte. So erwarb Goldner sich ein ungeheures Vermögen; hcirathen wollte er nie, auch lebte er sehr kärglich, so daß er allgemein als Geizhals galt. Vor mehreren Jahren verließ er Amerika und siedelte sich in Baden-Baden an, wo'er mit seinem alten Sekretär in seiner eigenen Villa wohnte. Vor einigen Monaten verstarb Goldner im Alter von 79 Jahren und sein, auf 23 Millionen beziffertes Vermögen geht nun auf seine in Ungarn wohnhaften Verwandten über. Seine unmittelbaren Erben sind die Kinder seiner sechs Geschwister; ein Branntweinschänker, Namens Fuchs, in Budapest (Petöfigaffe) wohnhaft, ist mit einer dieser Erben und sein Antheil soll anderthalb Millionen betragen. Frankreich. Paris, 13. Juli. Heute wurde das Denkmal für Abbe Gregoire in seiner Vaterstadt Lüneville enthüllt. Der Minister des Innern, Herr Allain-Targe, war von der Regierung ausersehen, der Festlichkeit vorzustchen. Der Minister nannte die Einweihung der Statue eine patriotische und republikanische Feier, dargebracht einem Priester- Philosophen , der wie ein großer Bürger und Heiliger gelebt, erfüllt von leidenschaftlichem Eifer und grenzenloser Ergebung für seine Kirche, sein Vaterland und die Menschheit. Der Minister erinnert au die edle Gesinnung und die großen Handlungen dieses Priesters, an seinen Schwur in der unvergänglichen Sitzung im Saale des Jeu de paume, an seine Anstrengungen, die bürgerliche Gesellschaft mit der Kirche in Einklang zu bringen, wie er sich durch die Siege Napoleon's ebensowenig wie durch die Drohungen der Restauration von der Republik abwendig machen ließ, wie er für die Gleichheit aller Bürger auf französischem Boden stritt, ohne Rücksicht auf Kaste, Religion, Race oder Farbe, für die Freiheit jedes Einzelnen und das allgemeine Recht kämpfte, und wie endlich dieser Wohlthäter, dieser dem Volke ergebene Mann, von den Elcricalcn und Rcactionären der, aber bald schmählich nntcrgegangcnen Restauration als unwürdig, aus der gesetzgebenden Körperschaft vertrieben wurde. Das israelitische Konsistorium hatte in dem Chef- Ingenieur für Straßen- und Brückenbauten, Herrn Theodor Levy, einen Vertreter entsendet , dem vor dem Standbilde des geistlichen EmancipatorS ebenfalls das Wort ertheilt wurde. „Wir in Lothringen," sagte Herr Levy, „Katholiken, Protestanten und Juden, die wir unsere Jugend mit einander verlebt, mit einander auf der Schulbank gesessen, haben heute schon Mühe, Abbe Gregoire's großes Werk zu begreifen. Wir sind mit dem Gedanken, daß die Religion intime Sache eines jeden Einzelnen sei, schon dermaßen vertraut, daß wir in unseren Sitten und Gesetzen nichts Anderes mehr kennen, als Franzosen." Im Namen des israelitischen Consistoriums sprach Herr Levy Ehre und Dank Frankreich aus, welches zuerst anerkannte, daß Bürger wegen ihrer Religion nicht wie Parias behandelt werden dürfen; „Ehre und Dank der.Republik, welche in die Gesetze die Gleichheit aller Bürger schreibt, Ehre und Dank dem Abbe Gregoire, dem Vorkämpfer der Emancipation." Der farbige Senator von Guadeloup, Herr Jsac, pries Gregoire als den Befreier seiner Race, und unter allgeniekncnl Beifalle endete die Feier. Das Denkmal des Abbe Gre- /

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