Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1885)
- Date
- 1885-07-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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970 warten zu müssen, bis die Ladungen (Kohlen, Steine, Holz 2C.) der Kameele und Maulthicre auf- oder abgelegt sind. Die Straßen selbst haben keine officiellen Namen, sie werden nach der betreffenden Richtung oder nach Personen oder Gebäuden, die dorten sind, benannt; ein rasches Orientiren ist daher unmöglich. Beim Bedachten der alten Hauser von der Straße ans, hat man keinen Begriff, wie geräumig manche derselben durch ihre eigne Bauart von innen sind, so z. B. hat das zum Hospitalzwecke angetanste Haus durch feinen hohen Ban. ganz schöne Säle und Zimmer, noch schönere und lustigere Terrassen, einen Karten und Hof, welcher natürlich über ganz andren Straßen und Häusern ist, was unser erster Gang durch das Haus lehrte. Tie Raume sind wie geschaffen zu bewußtem Zwecke, und nur zu wünschen, daß die eingercichte Bitte zur Genehmigung der Eröffnung derselben recht bald cinträfe; was in dieser Beziehung zu leisten möglich war, das geschah. Einen weiteren großen Vorzug hat das Anwesen durch die Fülle seines Wassers, da cs 7 Eysternen hat. Bevor ich in der Schilderung fortschreite, glaube ich, erst einige Bemerkungen über die Wichtigkeit eines zu gründenden Hosvitals machen zu müssen. Es besteht zwar schon eine Anstalt cr.n npa, die etwa 24 Betten hat, und die im Verhältnis zu den ihr znstießenden Mitteln sehr viel Gutes leistet, allein die Raumverhältnisse sind zu beschränkt, und die Mittel viel zu gering, als daß hiermit der Roth kn dieser Beziehung gesteuert wäre, ebenso ist das Alphons-Rothschild'sche Hospital sehr klein. Unsre armen Brüdern und Schwestern sind leider noch immer gezwungen, Zuflucht bei der englischen Mission zu suchen, ich selbst besuchte die Anstalt und fand nahezu alle Betten besetzt; an den Ambulanztagen kann man die Straße kaum passiren vor Menschen, die dahin gehen, sich behandeln zu lassen. Durch die große Hitze, die während des Sommers dort herrscht, und die feuchte, ungesunde Luft während der Regenzeit sind selbstredend die Krankheitsfälle sehr häufig, ganz besonders sind die Fieber- und Augenkrankheiteu an der Tagesordnung. Nimmt man nun an, daß wir 15000 Juden dort haben und meist in den drückendsten Verhältnissen, so wird jeder die Nothwendigkeit der geplanten Arfftalt einsehen und sie gerne unterstützen; es haben ja andere Eollfessionen, wie die Griechen, Russen, Franzosen, Lateiner, Armenier, die nur in sehr geringer Seelenzahl am Platze sind, sehr geräumige derartige Anstalten. Ich selbst lenkte 14 Aerzte kennen, abgesehen von den türkischen und anderen Laien-Aerzten, die außerdem da sind, viel für eine Stadt von etwa 30,000 Einwohnern und eine sehr arme Bevölkerlliig, die trotz des für die arme Bevölkerung verhältnißmüßig sehr theuren Honorars alle sehr beschäftigt sind. Dabei mnß man noch in Betracht ziehen, daß ein großer Theil der Leute bei leichteren Fiebcrfällen keinen Arzt confultirt, sondern sich direkt in den Apotheken eine Dosis Ehinin kauft, um das Aerzte-Honorar zu ersparen. Was aber sollen diese Leute thu» bei anderen Krankheitell, wo sie oft zu arm sind, sich nur Brod zu kaufen und die vorhandenen Spitäler zu beschränkt sind? Gibt es wohl etwas Schrecklicheres? Es ist also kaum zu bezweifeln, daß cs eine Ehrensache ist und eine heilige Pflicht für alle Inden, ohne Unterschied welche Landes-Einwohner sie sind, dieses Unternehmen rasch und kräftig zu unterstützen, lind zwar ohne Zögern, damit, wenn die Genehmigung kömmt, rasch mit der Eröffnung vorgegangeu werden kann. Denn ein solches Unternehmen, soll es ergiebig wirken, verlangt große Mittel, (diesbezüglich sammelte ich statistisches Material, und leider sind noch nicht ein Viertel der nöthigen Mittel vorhanden.) (Fortsetzung folgt.) „Der Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Dei>tschland nnd Oesterreich 22 Reichs-Mark, sür's Ausland 26 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen rmd Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die imigcspaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichischc Banknote» laut Eours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 24 Reichs-Mark oder 8 fl. österr.» für's Ausland 26 Reichs-Mark an die Expedition franco cinzuseuden. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Die Sprüche der Vater. — Die Hebräer in Egypten. — Zeitungsnachrichten und Eorrcspondenzen: Deutschland: Berlin. 2mal Frankfurt a. M. — Oefterr.-Nngar. Mouarchie: Pesth. — Feuilleton: Aus Jerusalem. — Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Amerikanische Briefe. — Zeitungsnachrichten nnd Eorresponden-en: Dannstadt. 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